Phoenix-Dominanz mit Zitterfinale: Jesse Love baut Titelpolster im Chase-Krimi aus

Phoenix-Dominanz mit Zitterfinale: Jesse Love baut Titelpolster im Chase-Krimi aus
Foto: NASCAR Media / Chris Graythen/Getty Images

Jesse Love hat das O’Reilly-Series-Rennen auf dem Phoenix Raceway für sich entschieden und die Tabellenführung übernommen – In einem packenden Finale wehrte der RCR-Pilot den Schlusssprint von Sam Mayer ab, während Rivale Sheldon Creed ein technisches Desaster erlebte

Jesse Love hat am Samstagabend das Timberland PRO 200 der NASCAR O’Reilly Series auf dem Phoenix Raceway gewonnen und damit die Führung im Playoff-Klassement übernommen. Der 21-jährige RCR-Pilot dominierte das Geschehen auf dem Ein-Meilen-Oval im US-Bundesstaat Arizona, sicherte sich beide Stage-Siege und behauptete sich im packenden Schlussspurt hauchdünn mit 0,128 Sekunden Vorsprung vor Sam Mayer. Durch den fünften Karrieresieg des Kaliforniers und das gleichzeitige Technik-Pech von Sheldon Creed liegt Love drei Läufe vor Saisonende an der Tabellenspitze.

In der Meisterschaftstabelle verschaffte sich Love mit dieser Machtdemonstration ein beruhigendes Polster. Mit 75 von 76 möglichen Zählern holte er beinahe das Maximum heraus und führt nun mit 36 Zählern Vorsprung auf Justin Allgaier, der das Rennen als Dritter beendete. Corey Day lauert als Vierter mit 39 Zählern Rückstand auf Rang drei, während der bisherige Spitzenreiter Creed nach einem völlig verkorksten Renntag auf Platz vier abrutschte.

„Ich würde sagen, das ist ein Tag, auf den wir uns akribisch vorbereitet haben, anstatt nur davon zu träumen“, erklärte Love unmittelbar nach der Zieldurchfahrt erleichtert. „Ich habe eine großartige Truppe um mich herum, die mich genau auf solche Situationen einstellt, damit ich ruhig, gelassen und fokussiert bleibe. Ich habe aus vielen Fehlern gelernt, was es mir ermöglicht, auf einer solchen Strecke auf absolutem Top-Niveau abzuliefern.“

Ganz ohne Schweißperlen lief der Schlussabschnitt für den Meisterschaftsfavoriten allerdings nicht ab. Obwohl Love 156 der 200 Umläufe anführte, klebte ihm Mayer im finalen 35-Runden-Grünstreifen förmlich an der Stoßstange. Der Haas-Pilot hatte sich nach einem Motorwechsel vom Ende des Feldes durchs gesamte Getümmel gekämpft und flog in den letzten Kurven förmlich an den Childress-Boliden heran.

„Hut ab vor diesen Jungs“, zollte Love seinem härtesten Verfolger Respekt. „Das 41er-Team hat einen fantastischen Job gemacht, ist von ganz hinten nach vorne gestürmt und hat das Auto immer schneller gemacht. Ehrlich gesagt fühlte es sich so an, als wären sie am Ende sogar einen Tick besser gewesen als wir, während ich brutal über die Reifen fahren musste, um überhaupt noch Zeiten zu setzen.“

Mayer haderte trotz seiner spektakulären Aufholjagd mit der verpassten Chance, schließlich rangiert er mit 86 Zählern Rückstand weiter auf Playoff-Rang sechs. „Glückwunsch an Jesse, er ist ein starkes Rennen gefahren“, gab Mayer zu Protokoll. „Wir haben ihn permanent unter Druck gesetzt, und am Ende ging es nur darum, wer einen Fehler macht – er hat es einfach sauber zu Ende gebracht.“

Trotzdem überwog beim Haas-Fahrer der Stolz über den Aufwärtstrend des Teams. „Die Motorenabteilung von Hendrick hat uns ein brachiales Triebwerk hingestellt – technisch gesehen sogar zwei, weil wir eines hochgejagt haben“, schmunzelte Mayer. „Ich hatte das ganze Jahr über nicht so viel Spaß wie heute, das war echtes Racing. Ein Sieg hätte riesige Auswirkungen auf die Meisterschaft gehabt, denn wenn ich mir die Tabelle anschaue, sieht das für die Startnummer 41 und ehrlich gesagt auch für die 00 ziemlich finster aus.“

Für die besagte Startnummer 00 von Creed verwandelte sich der Nachmittag in der Tat in ein echtes Desaster. Mit zwei Punkten Vorsprung angereist und als Stage-1-Zweiter noch voll auf Kurs, streikte in der anschließenden Gelbphase der Notausschalter seines Chevrolets. Der Motor ging aus, und die Boxencrew verlor drei Runden, ehe der Antrieb wieder Lebenszeichen von sich gab. Am Ende rettete sich der entthronte Tabellenführer lediglich auf den 32. Platz ins Ziel.

Hinter den Top 3 komplettierten Day und Sammy Smith die ersten Fünf. Brandon Jones sah die Zielflagge nach einem frühen Reifenspieleinsatz bei leichtem Regen auf Rang sechs, gefolgt von Dean Thompson, William Sawalich, Rajah Caruth und Carson Kvapil.

Lange Zeit zum Verschnaufen bleibt den Piloten im Meisterschaftskampf nicht. Bereits am 24. Oktober wartet die nächste Bewährungsprobe auf die O’Reilly Series: Auf dem traditionsreichen Superspeedway in Talladega steht das The Progress Group 250 auf dem Programm, wo im engen Windschattenschach die nächste Wendung im Titelrennen droht.

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.