Reifenschaden bremst Aufholjagd: Joey Logano setzt im Titelkampf auf das richtige Timing

Reifenschaden bremst Aufholjagd: Joey Logano setzt im Titelkampf auf das richtige Timing
Foto: NASCAR Media / Sean Gardner/Getty Images

Ein Reifenschaden auf dem Kansas Speedway hat die Playoff-Aufholjagd von Joey Logano vorerst gestoppt und den Penske-Piloten auf Rang vier zurückgeworfen – Doch der dreimalige NASCAR-Champion bleibt gelassen und setzt im Titelkampf voll auf das Momentum zum richtigen Zeitpunkt

Joey Logano und sein Team Penske mussten am Sonntag auf dem Kansas Speedway einen empfindlichen Dämpfer im NASCAR-Cup-Titelkampf hinnehmen. Der Pilot des Ford Mustang mit der Startnummer 22 erlitt in der Schlussphase einen Reifenschaden, rutschte auf Rang 20 ab und fiel in der Meisterschaftstabelle vom dritten auf den vierten Platz zurück. Durch das Malheur wuchs sein Rückstand auf den Chase-Spitzenreiter Kyle Larson auf 67 Zähler an.

Damit steht Logano tabellarisch wieder fast am Ausgangspunkt seiner Chase-Reise, nachdem er vor dem Southern 500 mit 65 Punkten Rückstand als neunter gesetzter Fahrer in die Post-Season gestartet war. Diese enorme Lücke ist allerdings weniger einer Schwächephase des Bristol-Gewinners geschuldet, sondern vielmehr dem nahezu perfekten Chase-Auftakt von Larson. Logano stand in Kansas zwar auf der Pole-Position, verlor durch den schleichenden Plattfuss sowie die verlorene Track-Position bei einem langsamen Boxenstopp jedoch rund zehn bis 15 Zähler mit einem eigentlich konkurrenzfähigen Auto.

„Ich denke, das Potenzial ist vorhanden, wenn man sieht, was die Startnummer 2 leisten konnte, und auch der letzte Stint der 12 war richtig stark. Das Potenzial in der gesamten Organisation ist also da“, bilanzierte Logano am Mittwoch in einer Medienrunde. „Es war keines unserer stärksten Rennen. Wir hatten ein Auto für etwa Platz acht, vielleicht ein paar Plätze davor oder dahinter. Mehr steckte nicht drin, also haben wir diese Stage-Punkte mitgenommen. Wir wurden Achter und Fünfter in den Stages, und dann hat sich am Ende der Reifen aufgelöst und wir haben etliche Plätze verloren.“

Für den Penske-Star war der Ausflug ins Mittelfeld von Kansas eine herbe Ernüchterung, aber kein Grund zum Verzweifeln. „Es war einfach ein durchschnittlicher bis unterdurchschnittlicher Tag – nichts, worüber man sich sonderlich freuen könnte. Aber gleichzeitig bin ich etwas optimistischer für unsere Rennen auf den 1,5-Meilen-Ovalen, weil wir sehen, dass in unserem Team die Substanz da ist“, erklärte Logano weiter. Hätte Rivale Larson nicht bereits zwei Siege eingefahren und die meisten Zähler in den Stages abgeräumt, wäre der Abstand ohnehin deutlich kleiner.

Im Chase-System zählt laut Logano vor allem eines: zur absoluten Crunchtime voll da zu sein. „Es geht darum, zur richtigen Zeit heißzulaufen“, stellte der Champion unmissverständlich klar. „Genau darum dreht sich alles im Chase, in den Playoffs und in jeder Art von Post-Season. Nicht, dass die reguläre Saison egal wäre – sie ist wichtig, verschafft dir die richtige Ausgangsposition und hilft dir weiter. Beide Formate tun das. Aber die Leistung zu dieser Jahreszeit ist das, worauf es wirklich ankommt.“

Dabei verwies Logano auf die ständigen Kräfteverschiebungen im Feld über das gesamte Jahr hinweg. „Es steht außer Frage, dass sich die Hauptdarsteller im Verlauf der Saison mehrfach abgewechselt haben, was das schnellste und dominanteste Auto angeht. Und genau jetzt ist offensichtlich der wichtigste Zeitpunkt des Jahres, um das zu sein“, so Logano. Als er vor wenigen Wochen das prestigeträchtige Night-Race in Bristol gewann, schmolz sein Rückstand schlagartig auf gut ein Dutzend Punkte zusammen.

NASCAR hat in dieser Saison den Wert von Siegen zusätzlich aufgewertet: Ein Rennsieg bringt nun 15 Zähler mehr als bisher und damit insgesamt 20 Zähler mehr als Rang zwei. Für Logano ein eindeutiges Signal, dass im Meisterschaftsrennen noch absolut alles offen ist. Zudem stehen mit Las Vegas, wo er am Wochenende seinen fünften Triumph anpeilt, sowie Martinsville und Phoenix traditionelle Penske-Strecken unmittelbar bevor.

„Ich glaube, was am meisten heraussticht, ist der gemeinsame Wert von Siegen und Stage-Punkten“, analysierte der Routinier. „Wie schnell wir mit einem 70-Punkte-Tag ordentlich Boden gutmachen können. Gleichzeitig gilt aber auch: Wenn jemand wie Larson vergangene Woche, der ohnehin ganz vorne in den Punkten lag, einen 70-Punkte-Tag hinlegt, zieht er extrem schnell davon. Wenn ihm ein paar solcher Tage gelingen, ist er weg. Aber genauso schnell schließt sich diese Lücke wieder, wenn er ein paar schlechte Tage erwischt und jemand anderes groß abräumt. Wir haben das die ganze Saison über gesehen.“

Als warnendes Beispiel nannte Logano die Entwicklung im Sommer rund um Tyler Reddick. „Schaut euch Tyler Reddick zu Beginn des Jahres an: Er war komplett enteilt. Ich hatte ihn in Gedanken schon als Champion der regulären Saison eingetragen und hielt das für eine sichere Sache. Aber so schnell, wie jemand davonzieht und sich einen großen Vorsprung aufbaut, kann sich das Blatt wieder wenden, sobald ein anderer Fahrer zur richtigen Zeit heißläuft. Wir haben es gesehen, wir haben es selbst erlebt und wir haben dadurch schnell einige Plätze gutgemacht. Das ist für mich der Punkt, der am deutlichsten hervorsticht.“

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.