Crew-Chief erklärt Hendrick-Flaute: „Haben aus den Fehlern gelernt“

Crew-Chief erklärt Hendrick-Flaute: „Haben aus den Fehlern gelernt“
Foto: NASCAR Media / Chris Graythen/Getty Images

Der Knoten ist geplatzt: Kyle Larson hat in Gateway sein erstes Saisonrennen in der NASCAR Cup Series 2026 gewonnen – Cliff Daniels korrigierte Fehler, die das Team in der regulären Saison gemacht hat

Lange Zeit war Hendrick Motorsports ein wenig von der Bildfläche verschwunden. In der regulären Saison fuhr das Chevrolet-Topteam zwar regelmäßig in die Top 10, doch von der einstigen Stärke des Vier-Wagen-Rennstalls war unter der Dominanz von Toyota nicht viel zu sehen. Kyle Larson fuhr im zweiten Chase-Rennen auf dem World Wide Technology Raceway den erst siebten Chevrolet-Saisonsieg ein und beendete eine persönliche Durststrecke von 51 sieglosen Rennen in Folge.

Doch warum klickte es bisher in der Saison 2026 noch nicht so richtig bei Chevrolet? Chase Elliott gewann zwei Rennen, genauso wie Shane van Gisbergen, der auf Rundkursen jedoch auch ein Garant für den ersten Platz ist. Ansonsten gesellen sich Carson Hocevar, Daniel Suarez und eben Larson mit jeweils einem einzigen Triumph in die Reihe ein – mager für Chevrolet, denn Toyota kommt auf 15 und Ford auf immerhin sechs Siege.

Die veränderte Chevrolet-Karosserie, die 2026 eingeführt wurde, scheint es nicht zu sein, denn Crew-Chief Cliff Daniels sieht andere Gründe, warum es insbesondere bei Larson lange bis zur Initialzündung dauerte. „Ich denke, um Ihre Frage richtig zu beantworten, würde ich an den Anfang dieser Saison zurückgehen, als wir unseren Rückstand auf die Toyotas zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau kannten und unseren Rückstand auf das Feld nicht genau einschätzen konnten.“

„Zu Beginn des Jahres sind wir, würde ich sagen, zu viele Risiken eingegangen, hatten zu viele verschiedene Herangehensweisen, die zu diesem Zeitpunkt nicht unbedingt das waren, was wir hätten tun sollen“, sagt er. „Ich denke da an Phoenix: Da gerieten wir auf eine andere Schiene als die, auf der wir hätten sein müssen. In Darlington zu Beginn des Jahres haben wir mit dem Setup, das wir ins Auto eingebaut haben, und unserer Herangehensweise keinen guten Job gemacht.“ 

„Ich sage das, weil wir nun – um Ihre Frage zu beantworten – aus diesen Fehlern gelernt haben, dass wir uns nicht jede Woche bei allem verheben dürfen. Es kann nicht jede Woche alles infrage stehen“, erklärt Daniels. „Es gibt einige Dinge, die unser solides Fundament bilden müssen. Wir müssen bei den Dingen, die wir anders einbauen, kalkulierter vorgehen. Wir müssen genauso kalkuliert bei den Dingen sein, die wir eben nicht verändern, um dieser Basislinie treu zu bleiben, auf der wir aufbauen.“ 

„Das war eine Sache des 5er-Teams, aber in letzter Zeit auch eine Sache von Hendrick Motorsports allgemein. Wir mussten uns wirklich pushen und lernen, diese Balance zu finden. Wir wurden geschlagen, abgehängt – wir mussten immer noch die Arbeit reinstecken, um diese Dinge zu finden, aber der Kern lag im Bereich von ein paar Stellschrauben auf dem Setup-Bogen.“ 

„Bleib dabei, sei einfach kalkulierter mit einigen der Dinge, die wir verändern. Durch die Brille, durch die wir das jetzt sehen – das ist kein Runden-Playoff-System mehr, ich weiß, dass Sie das wissen, aber es ist nicht so, dass wir einfach gewonnen haben und in die nächste Runde einziehen.“ 

„Wir müssen trotzdem jede Woche kalkuliert vorgehen, Punkte im Kopf behalten und uns für die Schlussphase solide aufstellen, in der wir nicht in den nächsten drei oder vier Wochen völlig vom Plan abweichen können. Wir werden auf demselben Prozess aufbauen, wie ich ihn gerade beschrieben habe. Das wird unser Weg für die nächsten acht Wochen sein.“

Die Setup-Arbeit und die Balance aus Fundament sowie Experimenten war also der Schlüssel dafür, Larson wieder konkurrenzfähig zu machen. Außerdem scheint der Kalifornier seit dem Sieg in der World of Outlaws bei den Knoxville Nationals wie beflügelt. Seitdem holte Larson vier Top 10, drei Top 5 und einen Sieg in fünf Rennen.

„An diesem Punkt der Saison sind wir uns alle einig: Wir wissen, wo unsere Balance liegt und wie unser Setup-Fenster aussieht“, stellt Larson nach dem Sieg klar und gibt seinem Crew-Chief damit recht. „Zumindest für die kommenden Strecken sehe ich keine, bei der wir vom Setup her völlig vom Skript abweichen müssten.“ 

„Vielleicht Phoenix“, gibt er zu. „Aber auch nur deshalb, weil wir dort einfach immer so schlecht sind. Dafür wäre ich offen. Ich weiß nicht, was ihr Plan ist. Ja, wie er [Cliff] schon sagte: Wir hatten früher im Jahr Rennen, bei denen wir es mit dem Setup wahrscheinlich übertrieben haben.“ 

„Ich bin nicht in die Setups involviert“, stellt Larson klar. „Wenn wir dann schlecht abschnitten, sagte er hinterher: ‚Wir waren komplett anders abgestimmt als das Schwesterauto, das viel näher am Standard-Setup lag und einen deutlich besseren Tag hatte.‘“

„Davon hatten wir das Jahr über ein paar Rennen und haben erkannt: Unser Basis-Paket ist wahrscheinlich gar nicht so schlecht, wir müssen nur an den Feinheiten feilen. Genau an diesem Punkt stehen wir gerade.“

Guter Journalismus braucht mehr als Vollgas: Er braucht Treibstoff für Recherchen, Reisen, Technik und Lebensunterhalt. Leadlap.de liefert dir fundierte Hintergründe ohne Bezahlschranke. Wenn du den virtuellen Tank für die nächste Analyse füllen oder einen schnellen Espresso an die Boxenmauer schicken möchtest, hilft jeder Beitrag direkt weiter.

Jetzt Leadlap.de und André Wiegold unterstützen via PayPal

(Hinweis: Freiwilliger Beitrag zur Förderung journalistischer Inhalte, inkl. USt., keine steuerlich absetzbare Spende.)

Autor(en)

Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.