Gateway-Krimi: Jesse Love erobert ersten Saisonsieg, Zoff zwischen Day und Sawalich eskaliert
Mit einem entscheidenden Rempler sicherte sich Jesse Love am Samstagabend den Triumph beim turbulenten Chase-Rennen in Gateway – Dahinter eskalierte das Duell zwischen Corey Day und William Sawalich endgültig
Titelverteidiger Jesse Love hat am Samstagabend auf dem World Wide Technology Raceway bei St. Louis seinen ersten Saisonsieg in der NASCAR O’Reilly Auto Parts Series 2026 eingefahren. Der Chevrolet-Pilot bezwang im Finale des Nu Way 225 Carson Kvapil mit einem gezielten Stoß 15 Runden vor Schluss und triumphierte nach 180 Umläufen mit einem Vorsprung von 0,896 Sekunden vor Sheldon Creed. In einem von Boxengassen-Turbulenzen und harten Rivalitäten geprägten Rennen übernahm Creed damit gleichzeitig die Tabellenführung in der Chase-Wertung, während Love sich wichtige Zähler zurückholte.
Love lauerte lange auf seine Gelegenheit und schlug eiskalt zu, als Kvapil in Runde 165 die Tür einen Spalt offen ließ. Mit kontrollierter Härte schob sich der Champion am Vordermann vorbei und ließ sich die Führung bis zur Zielflagge nicht mehr entreißen. Creed nutzte die Gunst der Stunde, sicherte sich Rang zwei und liegt nun drei Zähler vor Justin Allgaier an der Spitze der Gesamtwertung.

„Irgendwann musste sich so eine Chance einfach bieten, und dann nutze ich das verdammt noch mal auch so, wie wir es heute Nacht getan haben“, jubelte ein sichtlich erleichterter Love nach dem Aussteigen. „Mann, ich liebe St. Louis. Ich habe drüben auf der anderen Straßenseite mit Chad Boat meinen ersten nationalen Midget-Sieg geholt. Ich hatte hier meinen ersten Truck-Start und wurde vergangenes Jahr geschlagen, obwohl ich ein gutes Auto hatte – ich bin einfach so stolz auf mein Team.“
Für Love war es der Premierensieg auf dem Oval in Gateway und der vierte Erfolg seiner Karriere. Dahinter komplettierten Sam Mayer und Taylor Gray die Top 4, während der lange führende Kvapil bis auf Rang fünf durchgereicht wurde. In den Top 10 sortierten sich zudem Parker Retzlaff, Brent Crews, Sammy Smith, Kyle Sieg und Jeb Burton ein.
Während Love an der Spitze jubelte, explodierte im Feld die seit Darlington schwelende Fehde zwischen Corey Day und William Sawalich. Nach einem Restart in Runde 133 attackierte Allgaier auf der Innenbahn, touchierte das Auto von Day und drückte diesen in die Fahrerseite von Sawalichs Toyota. Sawalich hielt kompromisslos dagegen, zog nach links und schickte Day in einen Dreher und damit frontal in die innere Mauer.
Für Day endete der Abend nach dem Einschlag vorzeitig auf dem 33. Rang, was ihn in der Meisterschaft auf Rang acht mit 69 Punkten Rückstand zurückwarf. „Es tut mir einfach extrem leid für meine Jungs von der Startnummer 17“, schimpfte Day nach dem Verlassen des Medical Centers. „Das wäre heute mindestens ein Top-5-Ergebnis für uns geworden, denn wir hatten ein richtig schnelles Auto. Das ist einfach extrem bitter.“
Angesprochen auf seinen Kontrahenten Sawalich fand Day deutliche Worte des Frusts. „Ich habe ihm nichts zu sagen, nein“, stellte Day klar. „Ich denke, er hat sich selbst schon lächerlich genug gemacht, da muss ich überhaupt nichts mehr hinzufügen.“ Sawalich, der sein Auto auf Rang 16 ins Ziel rettete, wiegelte die Schuldfrage hingegen trocken ab: „Ich konzentriere mich einfach auf nächste Woche.“
Der Crash auf der Strecke war jedoch nicht der einzige Brandherd des Abends. Bereits in Runde 49 verwandelte sich die Boxengasse bei der Gelbphase nach Stage eins in ein Trümmerfeld, als Rajah Caruth nach einer Kettenreaktion am Heck von Nick Sanchez abprallte. Sanchez rutschte unkontrolliert in den Toyota von Brent Crews, dessen Boxencrew gerade bei der Arbeit war; wie durch ein Wunder wurde dabei niemand verletzt.
Wegen der Blockade durch insgesamt zehn involvierte Autos unterbrach NASCAR das Rennen für knapp acht Minuten mit der roten Flagge. Day saß rundenlang in seiner Boxenbox fest, während die Titelaspiranten Brandon Jones und Caruth erhebliche Schäden davontrugen. Allgaier entkam dem Chaos zwar knapp, verlor aber durch ein loses Rad viel Boden, kämpfte sich später bis auf Rang sechs vor und fiel nach Feindkontakt beim Day-Crash schließlich noch auf Rang 13 zurück.
Durch diesen Rückschlag verlor Allgaier den ersten Platz in den Punkten an Creed, zeigte sich aber dennoch kämpferisch für die kommenden Runden. „Das ist das erste Mal seit einer gefühlten Ewigkeit, dass die Startnummer 7 nicht an der Spitze der Gesamtwertung steht“, konstatierte Allgaier nach der Zieldurchfahrt. „Aber genau das stachelt diese Mannschaft nur noch mehr an. Wenn die Dinge ab jetzt wieder nach unserem Plan laufen, sind wir sofort wieder ganz vorne dabei.“
Dir hat dieser Artikel gefallen? Dann lass doch gerne einen Kaffee da – oder einen winzigen monatlichen Beitrag. Damit ich dieses Projekt auch in Zukunft unabhängig und in dieser Tiefe betreiben kann, freue ich mich über deine freiwillige Unterstützung. Jeder Beitrag hilft direkt dabei, die Qualität und Vielfalt meiner Berichterstattung zu sichern.
Jetzt Leadlap.de und André Wiegold unterstützen via PayPal
(Hinweis: Freiwilliger Beitrag zur Förderung journalistischer Inhalte, inkl. USt., keine steuerlich absetzbare Spende.)
Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.







Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.