Formel-Comeback mit NASCAR-Power: Anthony Kumpen greift in der neuen Formel 4 Germany an

Formel-Comeback mit NASCAR-Power: Anthony Kumpen greift in der neuen Formel 4 Germany an
Foto: NASCAR Euro Series / Bart Dehaese

NASCAR-Routinier Anthony Kumpen wagt mit seinem Rennstall PK Carsport den Schritt zurück in den Formelsport und schickt ab 2027 zwei Boliden in der neuen Formel 4 Germany an den Start – Gegenüber Leadlap.de verrät der Belgier, wie er das Mammutprogramm parallel zur NASCAR Euro Series aufbaut und warum er die DTM-Plattform als ideales Sprungbrett für Talente sieht

Anthony Kumpen kehrt mit seinem Rennstall PK Carsport in den Formelsport zurück und steigt mit zwei Boliden in die neue, von Gedlich Racing organisierte Formel 4 Germany ein, die ab Mai 2027 auf der DTM-Bühne an den Start geht. Die belgische Erfolgsmannschaft, die vor allem als Titelaspirant in der NASCAR Euro Series bekannt ist, will damit jungen Rennfahrern den direkten Weg in das Rampenlicht des professionellen Motorsports ebnen. Das Engagement wird parallel zum bestehenden V8-Programm aufgebaut und markiert eine spektakuläre Rückkehr der Truppe in die Monoposto-Welt.

Das Interesse an der neuen deutschen Nachwuchsserie sprengte im Vorfeld alle Erwartungen des Promoters. Aus über 70 Bewerbungen wählte die Organisation von Gedlich Racing exakt 14 Teams aus acht Nationen aus, die in der Premierensaison um einen üppigen Preisgeldtopf von 500.000 Euro kämpfen werden. Fünf der sieben Rennwochenenden finden im direkten Rahmenprogramm der DTM statt, flankiert von zwei weiteren Stationen beim ADAC Racing Weekend.

Für Teamchef Kumpen ist der Entschluss ein logischer, aber gleichermaßen anspruchsvoller Schritt. „Es ist wirklich großartig, mit dem Team in der deutschen Formel 4 dabei zu sein“, betont der Belgier im Gespräch mit Leadlap.de. „Es ist eine ganz neue Herausforderung für uns.“

Gänzlich unbeschrieben ist das Blatt der belgischen Mannschaft im Formellager keineswegs, wie der Routinier klarstellt. „Wir sind in der Vergangenheit schon Formelwagen gefahren, so in den 90ern und Anfang der 2000er: Formel Renault und die Opel-Lotus-Serie“, blickt Kumpen auf die Anfangstage seiner Mannschaft zurück. Vor rund anderthalb Jahrzehnten mischte das Team sogar ganz oben mit: „2010 oder 2011 haben wir in Zusammenarbeit mit Azerti die Superleague Formula gewonnen – du weißt schon, die Formelwagen für die Fußballvereine – mit Davide Rigon für die belgische Fußballmannschaft RSC Anderlecht. Wir hatten damals auch Robert Doornbos dabei, der frisch aus der Formel 1 zu uns kam.“

Seit diesen Erfolgen verlagerte sich der Schwerpunkt der Organisation jedoch vollständig auf hubraumstarke Rennwagen. „Es ist also schon lange her seit den Formelwagen, da wir viel Zeit im GT-Sport und in der NASCAR verbracht haben“, ordnet Kumpen den Richtungswechsel ein. Den V8-Boliden kehrt die Truppe dennoch keineswegs den Rücken: „Es ist daher wirklich schön, diese neue Herausforderung anzunehmen und sie mit unserem NASCAR-Programm zu kombinieren. Wir werden mit dem Team also auch wieder in der NASCAR vertreten sein.“

Hinter den Kulissen im heimischen Hasselt erfordert diese Doppelbelastung eine logistische Meisterleistung. „Es wird jedenfalls ein arbeitsreicher Winter für uns, um alles so vorzubereiten, dass das NASCAR- und das Formel-4-Team nebeneinander arbeiten können“, gibt der zweimalige EuroNASCAR-Champion Einblick in die Planungen. Beide Abteilungen sollen dabei eigenständig agieren: „Es werden zwar unterschiedliche Strukturen sein, aber im selben Gebäude. Große Herausforderungen für das nächste Jahr, auf die wir uns sehr freuen.“

Dass die Wahl auf die neue Serie von Gedlich Racing fiel, ist eng mit Kumpens persönlicher motorsportlicher Laufbahn verknüpft. „Ich mochte den deutschen Rennsport schon immer, denn ich habe meine eigene Rennfahrerkarriere damals in der Formel Renault Deutschland begonnen“, erinnert sich der Belgier. Hinzu kommt die Reichweite der DTM: „Deutschland hat großartige Rennstrecken und einen exzellenten Ruf im Motorsport. Die DTM zieht bei manchen Rennen immer noch über 100.000 Zuschauer an die Strecke, und die Formel 4 wird Teil der DTM-Wochenenden sein, was fantastisch ist.“

Im Zentrum des neuen Engagements steht die nachhaltige Entwicklung von Nachwuchspiloten, für die Kumpen bereits unkonventionelle Karrierewege andenkt. „Es ist auch schön, mit jungen Leuten und Nachwuchsfahrern zu arbeiten und sie auf ihrem weiteren Karriereweg zu begleiten“, unterstreicht der Teamchef. Dabei denkt er auch über den europäischen Tellerrand hinaus: „Wer weiß, vielleicht bringen wir in Zukunft einige der Stars aus der Formel 4 in die NASCAR, mal sehen.“

Die Konkurrenz in der Premierensaison 2027 könnte hochkarätiger kaum sein. Neben Kumpens Mannschaft treten namhafte Monoposto-Giganten wie Van Amersfoort Racing, Mathilda Racing rund um Michael Paatz sowie das neue Projekt VANWALL F4 Racing von Colin Kolles und Trevor Carlin mit jeweils vier Rennwagen an. Internationale Schwergewichte wie das von Formel-1-Weltmeister Lando Norris mitbegründete Team LN4 Fusion, Augusto Farfus‘ Schweizer Mannschaft FS Motorsports sowie Jenzer Motorsport runden das illustre Feld ab. Es gibt auch ein Wiedersehen: Renauer Motorsport war ebenfalls schon in der NASCAR Euro Series aktiv.

Der Startschuss für die neue Formel-4-Ära fällt vom 7. bis 9. Mai 2027 im Rahmen des DTM-Auftakts in der Motorsport Arena Oschersleben. Nach weiteren Stopps auf dem Lausitzring, dem Nürburgring, dem Sachsenring, dem Stadtkurs auf dem Norisring sowie zwei Gastspielen auf dem Red Bull Ring und in Hockenheim wird im Herbst der erste Meister gekürt.

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.