Herzschlagfinale beim Petit Le Mans: Das sind die Champions der IMSA-Saison 2026

Herzschlagfinale beim Petit Le Mans: Das sind die Champions der IMSA-Saison 2026
Foto: Cadillac

Das 29. Petit Le Mans auf dem Michelin Raceway Road Atlanta verlangte den Titelanwärtern bei 16 Gelbphasen und einer Rotphase alles ab – Am Ende jubelten Cadillac im Prototypen, CrowdStrike Racing by APR in der LMP2, Paul Miller Racing bei den GT-Profis und Winward über einen historischen Hattrick

Jack Aitken hat sich am Samstag beim 29. Petit Le Mans auf dem Michelin Raceway Road Atlanta zum neuen Champion der IMSA-Königsklasse GTP gekrönt, während Porsche mit dem Trio Laurens Vanthoor, Kevin Estre und Matt Campbell den Gesamtsieg im Zehn-Stunden-Rennen feierte. Auf abtrocknender Piste nach heftigen Regenfällen reichte dem Briten im Whelen-Cadillac mit der Startnummer 31 bereits der Start ins Rennen, um vor spektakulärer Kulisse den Fahrertitel im Alleingang einzufahren.

Cadillac räumte beim Saisonfinale 2026 zudem die Hersteller- sowie die Teamwertung ab, während in den GT-Klassen Paul Miller Racing und Winward Racing für absolute Meilensteine sorgten. In der LMP2-Klasse siegte CrowdStrike Racing by APR hauchdünn vor Inter Europol Competition.

„Es ist ein etwas seltsames Gefühl, eine Meisterschaft beim Überrollen der Startlinie zu gewinnen“, erklärte Aitken, der als erster Solist seit Jörg Bergmeister in der Daytona-Prototypen-Ära den Thron erklomm. „Aber es war natürlich ein fantastisches Jahr mit unglaublicher Konstanz, die wir als Marke und als Mannschaft an den Tag gelegt haben. Ohne meine Teamkollegen hätte ich das nicht geschafft, und es fühlt sich ein wenig bittersüß an, dass sie diesen Moment auf dem Papier nicht ganz mit mir teilen können.“

Hinter dem Titelträger brannte in der Schlussphase der Asphalt um die Rennkrone, nachdem Laurin Heinrichs Titelhoffnungen im Penske-Porsche durch einen schweren Unfall von Felipe Nasr 90 Minuten vor Schluss im Reifenstapel endeten. Laurens Vanthoor attackierte daraufhin im Schwesterauto, ging 49 Minuten vor dem Ende an Earl Bamber vorbei und rettete 1,205 Sekunden Vorsprung vor Sheldon van der Linde im WRT-BMW ins Ziel.

„Es gab viele Gründe, warum wir dieses Rennen gewinnen wollten“, atmete Vanthoor nach dem Zielsprint auf. „Unser Visier war heruntergeklappt, es hieß alles oder nichts. Es hat unheimlich Spaß gemacht und tut verdammt gut, denn wir hatten ein hartes Jahr mit der Startnummer 6, das überhaupt nicht nach unseren Vorstellungen lief.“

Für Vanthoor war es die Erfüllung eines persönlichen Lebenstraums auf US-Boden. „Das ist ein fantastischer Saisonabschluss und wir haben viele Haken für Porsche, Penske und uns drei gesetzt“, strahlte der Belgier. „Für mich war es immer ein Traum, Daytona, Sebring und das Petit Le Mans zu gewinnen – dieser Traum ist nun wahr geworden.“

Auch der unterlegene Van der Linde zollte dem Sieger Respekt für das kompromisslose Duell im Überrundungsverkehr. „Ich war einmal etwa 20 Minuten vor Schluss in Kurve 1 ganz nah dran, als Laurens im GT-Verkehr festhing“, schilderte der Südafrikaner. „Ich dachte, ich hätte Glück, aber er sah mich kommen und machte im allerletzten Moment die Tür zu. Das war wohl unsere beste Chance.“

Favoritensterben in der GTD Pro

Ein noch dramatischeres Drehbuch lieferte die GTD-Pro-Kategorie, in der Connor De Phillippi, Neil Verhagen und Dan Harper im Paul Miller Racing BMW M4 GT3 EVO den Gesamttitel an sich rissen. Die Mannschaft reiste als Jäger hinter der Pratt-Miller-Corvette von Nicky Catsburg und Tommy Milner nach Braselton und drehte den Spieß erst in der chaotischen Schlussphase um, als die Corvette nach einem Stoß von Dennis Olsens Mustang im Kiesbett von Kurve 10 strandete.

„In den vergangenen Läufen waren wir als Meisterschaftsführende immer diejenigen, die vorsichtiger agieren mussten, während andere uns die Stoßstangen ins Heck rammten“, resümierte Verhagen nach dem Titelgewinn. „Heute waren wir endlich die Jäger und wussten, dass wir nichts zu verlieren hatten. Am Ende fiel das Quäntchen Glück auf unsere Seite.“

Der US-Amerikaner betonte dabei den fairen Sportsgeist trotz des harten Meisterschaftskampfs. „So will man eine Meisterschaft sicher nicht beenden, denn wir wollen es auf der Strecke austragen und sind abseits des Asphalts gut mit Nicky Catsburg und Tommy Milner befreundet“, so Verhagen weiter. „Aber wenn man bedenkt, wie die letzten Rennen gelaufen sind, waren wir heute einfach mal an der Reihe.“

Foto: BMW Motorsport

Teamkollege De Phillippi sah den Grundstein für den Titel in der fehlerfreien Arbeitsweise der Truppe über die gesamte Distanz. „Mit einem starken Auftritt in Daytona zu starten, ist riesig“, analysierte der BMW-Pilot. „Neil und ich haben auf Fahrerseite die wenigsten Fehler im gesamten Feld gemacht, und das Team hat sich ebenfalls kaum Schnitzer erlaubt. Wir hatten selten das schnellste Auto, aber wir wussten, dass wir um das Podest kämpfen können, wenn wir unsere Karten richtig ausspielen.“

Der Rennsieg in der GTD Pro ging unterdessen überraschend an Car Blanche: Mattia Drudi behielt im Aston Martin Vantage GT3 Evo in der turbulenten Schlussstunde die Nerven und rollte mit dem letzten Tropfen Sprit zum Triumph. „Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht genau, was in der letzten Stunde passiert ist“, gab Drudi perplex zu Protokoll. „Erst flog Thomas Preining ab, dann gab es den Kontakt beim Lexus und plötzlich lag ich in Führung. Wir waren extrem knapp kalkuliert, denn die allerletzte Runde hätte uns den Rest gegeben, aber zum Glück zogen die Prototypen durch und ersparten uns diesen finalen Umlauf.“

GTD-Titel nach Ausfällen entschieden

In der regulären GTD-Klasse schrieb Winward Racing Sportwagengeschichte und sicherte sich den dritten Meistertitel in Folge. Philip Ellis, Russell Ward und Indy Dontje machten den Triumph perfekt, indem Ellis in Runde 320 an Lilou Wadoux vorbeiging und trotz akuter Benzinknappheit auch den Rennsieg für Mercedes-AMG ins Trockene brachte.

„Es war verdammt eng und die letzte Gelbphase hat uns absolut den Hals gerettet“, schilderte Ellis den Zitterkurs im Cockpit. „Bis zu diesem Moment wussten wir, dass wir es auf keinen Fall schaffen würden. Ich habe dem Ingenieur gefunkt, dass ich draußen bleibe und auf eine Gelbphase oder schlichtes Durchkommen hoffe. Zum Glück hat es gereicht.“

Foto: Mercedes Motorsport

Teambesitzer und Fahrer Russell Ward erinnerte an den Wendepunkt der Meisterschaft im Sommer. „Als wir in Watkins Glen unverschuldet abgeräumt wurden, saßen wir drei Fahrer völlig bedient im Fahrerlager“, erinnerte sich Ward. „Die Mechaniker haben sich sofort auf das Wrack gestürzt und gesagt: ‚Auf keinen Fall geben wir auf, wir brauchen jeden Punkt.‘ Diese Mentalität hat den Ton für die zweite Saisonhälfte angegeben, in der wir mit vier Siegen und einem zweiten Platz zurückgeschlagen haben.“

Herzschlagfinale in der LMP2

Die LMP2-Krone ging schließlich an CrowdStrike Racing by APR, nachdem George Kurtz, Alex Quinn und Toby Sowery eine frühe Strafe sowie einen Heckwechsel nach einer Kollision wegsteckten. Schlussfahrer Quinn rettete den Rennsieg und den Titel mit lediglich 0,666 Sekunden Vorsprung vor Tom Dillmann über die Linie.

„Das ist unglaublich besonders, denn es war eine echte Teamleistung“, jubelte Kurtz, der zudem erneut den Jim Trueman Award für den besten Bronze-Fahrer abräumte. „Meine Teamkollegen waren phänomenal, die Mannschaft hat uns ein großartiges Auto hingestellt und wir mussten so viele Rückschläge wegstecken. Aus meiner Sicht war das wahrscheinlich eine der besten Saisons meiner gesamten Karriere.“

Quinn war die Anspannung der zehn Rennstunden nach dem Zieleinlauf noch deutlich anzumerken. „Wir waren einfach so erleichtert, die Meisterschaft gewonnen zu haben“, gab der Brite lachend zu. „Ganz ehrlich: Ich hatte völlig vergessen, dass wir auch das Rennen gewonnen haben. Als ich das realisiert habe, wurde es erst recht besonders, denn dieses Rennen verlangt einem alles ab.“

Den Grundstein für den LMP2-Coup hatte Gastfahrer Sowery gelegt, der auf nasser Piste auf Slicks draußen blieb und durchs Feld pflügte. „Die ersten Runden waren ziemlich heikel“, gestand Sowery rückblickend. „Es war nicht einfach, aber das gehört zum Rennsport dazu. Wir haben die mutige Entscheidung getroffen, und am Ende hat es sich voll bezahlt gemacht.“

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.