Ganassi-Neuzugang: Warum Scott Dixon seinen Nachfolger Christian Lundgaard vor Alex Palou warnt
Nach einem Vierteljahrhundert trennen sich die Wege von Scott Dixon und Chip Ganassi Racing – Der sechsmalige IndyCar-Champion blickt auf die Mammutaufgabe seines Nachfolgers Christian Lundgaard
Christian Lundgaard übernimmt in der IndyCar-Serie das Cockpit der Startnummer 9 bei Chip Ganassi Racing und tritt damit das schwere Erbe von Scott Dixon an, der nach 25 gemeinsamen Jahren zu McLaren abwandert. Am Rande des Saisonfinales der IMSA SportsCar Championship auf Road Atlanta sprach der sechsmalige Meister nun Klartext über die Zukunft seines 25-jährigen Nachfolgers. Dixon lobte das Umfeld bei Ganassi, schickte aber direkt eine unmissverständliche Warnung hinterher: Die Messlatte im eigenen Lager heißt Alex Palou.
Für Dixon kam die offizielle Verkündung unter der Woche keineswegs überraschend, ganz im Gegenteil. „Es war quasi das am schlechtesten gehütete Geheimnis“, erklärte der Neuseeländer trocken am Donnerstag im Fahrerlager. „Es war schon etwas seltsam, besonders in der IndyCar-Szene, wo alle fragten: ‚Wer geht denn nun dorthin?‘ Es war irgendwie bizarr. Ich glaube, der Deal war schon vor Washington D.C. oder so unter Dach und Fach.“

Dennoch hält Dixon große Stücke auf die Kombination aus Fahrer und Mannschaft. „Für ihn wird das ein fantastisches Umfeld sein“, analysierte der Indy-500-Sieger. „Es sind nach wie vor großartige Leute bei CGR an Bord, angeführt von Chip und Mike, die das Ganze steuern. Es wird aber verdammt hart, gegen Alex anzutreten, vor allem in dessen ureigenem Terrain. Ausgehend von dem, was Christian in den vergangenen Jahren gezeigt hat, traue ich ihm diese Herausforderung absolut zu. Er passt hervorragend zum Team, zu Chip und auch zum Sponsor PNC.“
Während Lundgaard nach zwei Saisons bei McLaren sofort für das neue Kapitel freigestellt wurde, muss Dixon selbst vorerst zuschauen. Eine vertragliche Wettbewerbsklausel verbannt die Rennsport-Ikone bis zum Jahresende in eine Zwangspause und verhindert die sofortige Arbeit für McLaren.
„Ja, das stimmt tatsächlich“, bestätigte Dixon seine sogenannte Gardening Leave. „Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass sie bei Chip Ganassi Racing darauf bestehen würden. Aber so werden Verträge nun einmal aufgesetzt. Christian wurde wohl direkt nach dem letzten Rennen freigegeben. Bei mir geht es erst am 1. Januar mit dem neuen Vertrag los.“
Trotz des Zwangsurlaubs in Sachen McLaren-Entwicklung ist an Füße hochlegen nicht zu denken. „Es ging drunter und drüber, Mann“, beschrieb Dixon sein aktuelles Pensum. „Zwischen dem Goodwood Revival, Testfahrten, dem Rennen hier, Simulator-Tagen für die Vorbereitung auf die nächste Woche: Am Sonntag fliege ich zurück nach Großbritannien. Am Mittwoch reise ich mit meinem Sohn Kit wieder rüber, damit er seinen letzten nationalen Lauf in den Go-Karts in Indianapolis bestreiten kann, worauf ich mich riesig freue.“

Damit nicht genug: Dixon plant bereits weitere motorsportliche Ausflüge. „Dann steht noch ein bisschen was mit Legacy an. Ich will zum Saisonfinale des NASCAR Cups. Ich liebe die Cup-Serie einfach, die Rennen machen Spaß und das wird in dieser Rolle eine coole Sache. Dazu überlege ich noch wegen des Race of Champions, denn das ist in diesem Jahr ein Heimspiel in Wellington in Neuseeland. Ich versuche einfach, den Kalender zu sortieren, bis ich endlich bei McLaren loslegen darf.“
Das IMSA-Wochenende markiert zudem das vorerst letzte Mal, dass Dixon und Palou unter einem gemeinsamen Dach antreten. Auf die Frage, ob bei diesem Abschied von seinem Teamkollegen der letzten sechs Jahre Wehmut aufkomme, reagierte Dixon gewohnt pragmatisch und schob sentimentale Gedanken beiseite: „Daran habe ich ehrlich gesagt gar nicht gedacht. Ich dachte mir eher, dass sich unsere Wege ohnehin wieder kreuzen.“
Als scherzhaft eingeworfen wurde, man wolle ihn keineswegs zum Weinen bringen, lachte der Veteran ab: „Nein, ganz sicher nicht, in dieser Situation garantiert nicht. Ich habe mir darüber einfach keine großen Gedanken gemacht. Es macht immer Spaß, mit Alex zu arbeiten. In diesem IMSA-Umfeld hast du aber noch fünf andere Teamkollegen. Er sitzt im Auto mit der Startnummer 3, ich im Wagen mit der Nummer 60, da ist die gemeinsame Zeit ohnehin knapp bemessen. Aber wer weiß: Vielleicht kreuzen sich unsere Wege in Zukunft ja noch einmal bei den Langstrecken-Rennen der GT-Klassen.“
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Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.







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