NASCAR Brasil feiert Oval-Einstand: Kampf zwischen Casagrande und Gama spitzt sich zu
Die Premiere der NASCAR Brasil auf dem Oval von Chapeco bot Rennaction am Limit und Temperaturen jenseits der 70-Grad-Marke auf dem Asphalt – Während Gabriel Casagrande zwei Siege feierte, konterte Arthur Gama im dramatischen Schlussakt und sorgte für absolute Punktgleichheit vor dem Finale
Die NASCAR Brasil Series hat am Sonntag ihre historische Premiere auf dem Oval-Kurs des Autodromo Internacional de Chapeco „Marcio Vaccaro“ gefeiert und dabei ein packendes Duell um den Meistertitel erlebt. Vor den Augen der begeisterten Fans im Bundesstaat Santa Catarina drückten Gabriel Casagrande und Arthur Gama der achten Saisonstation ihren Stempel auf.
Casagrande sicherte sich im Chevrolet Camaro der Mannschaft AMattheis Vogel die ersten beiden Rennsiege des Tages, ehe Gama im dritten Durchgang mit einem hauchdünnen Vorsprung von nur 0,234 Sekunden den Sweep vereitelte. Damit reisen die beiden Titelrivalen punktgleich zum Saisonfinale nach Brasilia.
Bereits am Sonntagmorgen untermauerte Casagrande seine Favoritenrolle in Lauf 1. Von der historischen ersten Pole-Position auf dem Kurs, der im Uhrzeigersinn gefahren wurde, gestartet, kontrollierte der Routinier das Tempo über die gesamte Distanz von 28 Runden und führte einen AMattheis-Vogel-Doppelerfolg an. Teamkollege Gui Backes folgte im Ford Mustang mit nur 0,612 Sekunden Rückstand auf Rang zwei und sicherte sich damit den Sieg in der Challenge-Wertung. Murilo Rocha komplettierte das Gesamtpodium als Dritter.
Casagrande, der mit einer Rundenzeit von 37,062 Sekunden und einem Schnitt von 141,039 Kilometer pro Stunde auch den besten Umlauf verbuchte, zeigte sich nach der Zieldurchfahrt erleichtert. „Es war richtig, richtig cool. Ich wusste, dass es ein sehr hart umkämpftes Rennen werden würde. Gui hatte ein extrem schnelles Auto, aber wir konnten diese Pole in einen Sieg ummünzen“, bilanzierte der Sieger. „Das ist nur dank der harten Arbeit des Teams und der Sponsoren möglich. Sie machen ihren Job fantastisch und erleichtern mir das Leben ungemein. Wir hatten die beiden stärksten Autos im Feld.“
Auch der zweitplatzierte Lokalmatador Backes jubelte über die Trendwende nach einer schwierigen Saisonphase. „Ich bin überglücklich, das sind enorm wichtige Zähler für die Meisterschaft. Wir hatten zuletzt eine echte Pechsträhne mit vielen Defekten, aber hier in Chapeco haben wir den Nagel auf den Kopf getroffen“, sagte Backes. „Das Auto lag phänomenal. Ein riesiger Dank geht an das Team und an Gabriel für die Hilfe beim Windschattenfahren, das war echtes Teamwork.“
Zur Hitzeschlacht entwickelte sich der Nachmittag, als die Läufe zwei und drei im Doppelpack mit kurzem Tankstopp ausgetragen wurden. Bei Asphalttemperaturen von bis zu 70 Grad Celsius wurden Reifenmanagement und Standfestigkeit zum entscheidenden Faktor. Reihenweise Ausfälle, Reifenschäden und Dreher wirbelten das Klassement durcheinander – unter anderem erwischte es prominente Namen wie Jorge Martelli und Thiago Camilo.
Inmitten des Chaos behielt erneut Casagrande die Übersicht. Durch den Reverse-Grid der Top 6 von Position sechs gestartet, nutzte er eine Lücke im Zweikampf zwischen Martelli und Gama eiskalt aus, schlüpfte mit einem beherzten Manöver auf der Innenbahn an beiden Konkurrenten vorbei und fuhr seinen zweiten Tagessieg ein. Gama und Ricardo Zonta belegten die weiteren Podestplätze.
Das dritte Rennen des Wochenendes geriet schließlich zum offenen Schlagabtausch. Zunächst verteidigte die ehemalige Formelpilotin Tatiana Calderon von der Pole-Position aus die Führung, ehe ein Reifenschaden nach einer Restart-Phase ihre Hoffnungen auf den Coup zunichtemachte. Gama erbte die Spitze und lieferte sich in den Schlussrunden ein Stoßstange-an-Stoßstange-Duell mit dem heranstürmenden Casagrande.
Mit allen Kniffen und taktischem Geschick behauptete Gama den Spitzenplatz bis zur Ziellinie. „Es war ein fantastischer Zweikampf am Ende. Gabriel ist ein sensationeller Typ, den ich sehr bewundere, ein absolut fairer Rennfahrer“, streute Gama dem Kontrahenten Rosen. „Es macht einfach viel mehr Spaß, wenn der gegenseitige Respekt da ist und man sich auf so hohem Niveau duelliert. Ich habe in der allerletzten Runde noch einmal den Push genutzt, um mir etwas Luft zu verschaffen und ihn hinter mir zu halten.“
In der Challenge-Wertung setzte Alfredinho Ibiapina im dritten Lauf das Ausrufezeichen. Neben dem Klassensieg kletterte er als Gesamtdritter auf das Podium. „Ich bin wirklich gerührt. Es war von Beginn an ein extrem kompliziertes Wochenende für uns“, erklärte Ibiapina. „Aber wir haben das Ruder herumgerissen und reisen jetzt mit intakten Meisterschaftschancen nach Brasilia.“ Für eine gelungene Premiere sorgte zudem Antonella Bassani, die bei ihrem Seriendebüt als Gesamt-Vierte direkt auf das Challenge-Podest fuhr, während Bruna Tomaselli vor heimischer Kulisse Dritte der Sonderwertung wurde.
Aufmerksam verfolgt wurde das Wochenende auch mit Blick nach Europa: Thomas Krasonis, Stammfahrer in der NASCAR Euro Series, stellte sich der Herausforderung des brasilianischen Oval-Debüts. Nach Platz 16 im morgendlichen Eröffnungslauf fand sich der Grieche bei den schwierigen Streckenverhältnissen am Nachmittag immer besser zurecht. Im zweiten Lauf steuerte er seinen AMattheis-Vogel-Chevrolet auf Gesamtrang elf und belohnte sich im finalen Rennen mit Platz zehn sogar mit einem Top-10-Ergebnis im stark besetzten Gesamtfeld.
Nach dem intensiven Rennwochenende im Bundesstaat Santa Catarina geht der Titelkampf in die absolute Verlängerung. Beim Saisonfinale am 29. November in der Hauptstadt Brasilia fällt die Entscheidung in den Playoffs – mit zwei Titelrivalen an der Spitze, die exakt gleichauf liegen.
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Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.






