Daten lügen nicht: Hocevars Bremsattacke gegen Cindric war reine Absicht

Daten lügen nicht: Hocevars Bremsattacke gegen Cindric war reine Absicht
Foto: NASCAR Media / Jonathan Bachman/Getty Images

Telemetriedaten lügen im modernen Motorsport selten – Eine detaillierte SMT-Analyse belegt nun die volle Absicht hinter Carson Hocevars Brakecheck gegen Austin Cindric

Carson Hocevar hat beim NASCAR-Cup-Lauf in Martinsville mit einem gezielten Bremsmanöver den Boliden von Austin Cindric zerstört und dessen Rennen vorzeitig beendet. Das belegen die offiziellen SMT-Telemetriedaten, die im Rahmen der TV-Sendung Inside the Race im Detail offengelegt wurden. Die Aufzeichnungen der Drosselklappen- und Bremswerte entziehen jeglichen Unschuldsbeteuerungen den Boden und bringen den jungen Heißsporn erneut ins Fadenkreuz der Rennleitung.

Routinier Steve Letarte und Ex-NASCAR-Pilot Jamie McMurray nahmen die digital erfassten Telemetriekurven der beiden Kontrahenten penibel auseinander. Die Kurven zeichnen das Bild eines extrem kalkulierten Manövers auf der Strecke nach. Hocevar ging dabei in zwei Phasen vor, um Cindrics Penske-Ford endgültig lahmzulegen.

„Man sieht, wie er ganz nach unten zieht und dann voll in die Eisen steigt“, analysiert der langjährige Crew-Chief Steve Letarte die erste Berührung anhand der Grafiken. „Das sind 1.000 Pfund Bremsdruck auf dem Auto mit der Startnummer 77. Danach geht er kurz von der Bremse, nur um die Kurve überhaupt noch zu kriegen.“

Zu diesem Zeitpunkt war Cindrics Wagen zwar bereits an der Frontpartie gezeichnet, ein Weiterfahren wäre aber noch im Bereich des Möglichen gewesen. Erst der unmittelbar folgende zweite Tritt auf die Bremse besiegelte das Aus des Penske-Piloten. Hocevar habe im Rückspiegel registriert, dass sein Rivale noch rollte, und nochmals brutal nachgelegt.

„Carson Hocevar schaute aus dem Fenster und dachte sich wohl: ‚Ja, der kann noch weiterfahren, also mache ich jetzt Ernst‘ – während alle voll auf dem Pinsel stehen, bremst er plötzlich“, schildert Letarte die fatale Schlüsselszene. „Das ist exakt so, als würde man auf dem Highway I-77 fahren und aus dem Nichts eine Vollbremsung hinlegen.“

Satte 1.023 Pfund Bremsdruck wies das Diagramm beim zweiten Stoß aus, was für Letarte keinerlei Interpretationsspielraum mehr zulässt: „Die Beweise sprechen eine zu 100 Prozent klare Sprache.“

Auch McMurray untermauerte die Härte des Vergehens und nahm Cindric aus der Schusslinie. „Der maximale Bremsdruck am Kurvenausgang war identisch mit dem am Eingang – Carson hat also alles reingehauen, was ging“, stellt McMurray klar. „Kaum geht er ans Gas, nimmt er es wieder weg und hämmert voll auf die Bremse. In Cindrics Position ging das derart schnell, dass er absolut chancenlos war, sich dagegen zu wehren.“

Trotz der erdrückenden Faktenlage zeigt McMurray ein gewisses Grundverständnis dafür, warum Piloten ein solches Manöver niemals freiwillig vor den Mikrofonen einräumen. „Wegen der Daten gibt es da nichts mehr abzustreiten. Aber ich mache den Fahrern keinen Vorwurf daraus, dass sie es nicht zugeben, denn die Konsequenzen wären gewaltig.“

Für die NASCAR-Kommissare bedarf es historisch gesehen allerdings längst keinem Geständnis mehr, um harte Sanktionen auszusprechen. Für Hocevar wiegen die Messwerte umso schwerer, da der Youngster bereits in dieser Saison zum Rapport in den NASCAR-Trailer zitiert wurde. Nach zahlreichen haarsträubenden Zwischenfällen, fragwürdigen Gelbphasen und einer handfesten Prügelei sammelt Hocevar weiter fleißig Argumente für eine empfindliche Disziplinarstrafe.

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite | + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.