Die Double Duty von Katherine Legge: Ein motorsportlicher Marathon

Die Double Duty von Katherine Legge: Ein motorsportlicher Marathon
Foto: Penske Entertainment: Chris Jones

Katherine Legge wagte beim Indy 500 und Coca-Cola 600 den ultimativen Motorsportmarathon – Die Britin kämpfte in beiden Rennen mit massiven physischen Problemen und technischen Rückschlägen

Katherine Legge ist aktuell die einzige Rennfahrerin, die die Chance erhielt, das legendäre Double – bestehend aus dem Indy 500 und dem Coca-Cola 600 – zu bestreiten. Bislang haben sich insgesamt nur sechs Piloten überhaupt an diese prestigeträchtige Herausforderung gewagt.

Im Podcast Racers Unchained mit Paul Tracy blickte die 46-jährige Britin kürzlich neben ihren Begegnungen mit Hass auch auf diese einmalige, aber auch kräftezehrende Erfahrung zurück. 

„Ich muss das Geschehene ehrlich gesagt erst einmal verarbeiten und verdauen, bevor ich überhaupt darüber nachdenke, es noch einmal zu tun“, gestand Legge mit Blick auf den Motorsport-Marathon. „Eigentlich sträubt sich alles in mir gegen eine Wiederholung. Aber dafür bin ich wohl einfach zu stur.“

Foto: Penske Entertainment: Matt Fraver

Rückschläge auf der Strecke

Die sportliche Ausbeute verlief allerdings ernüchternd: Auf dem legendären 2,5-Meilen-Oval des Indianapolis Motor Speedway absolvierte Legge lediglich 17 der 200 geplanten Runden. Nach einer Kollision mit Ryan Hunter-Reay war das Rennen für beide vorzeitig beendet.

Im Anschluss flog sie direkt nach North Carolina, wo sie das Coca-Cola 600 mit zwölf Runden Rückstand auf Platz 31 beendete, nachdem sie zur Rennmitte einen Reifen verloren hatte. Trotz all dieser Rückschläge legte sie am Ende beachtliche 584 der 1100 möglichen Meilen zurück.

Obwohl das Abenteuer in Indianapolis ein frühes Ende fand, war die mentale und physische Belastung enorm. Besonders die verzerrte Zeitwahrnehmung während des Marathons ist ihr im Gedächtnis geblieben. „Wenn man normale Rennen von zwei oder drei Stunden fährt, kommen sie einem gar nicht so lang vor“, erklärte sie. „Die Zeit vergeht meist wie im Flug. Aber dieses Rennen fühlte sich definitiv nach den vollen fünfeinhalb Stunden an.“

Foto: Penske Entertainment: Mike Young

Die körperliche Erschöpfung spiegelte sich auch in den Daten wider. „Mein durchschnittlicher Puls lag in Charlotte über fünfeinhalb Stunden hinweg bei 160 bis 170 Schlägen pro Minute. Da verbrennt man eine Menge Kalorien“, so Legge.

Doch die Nahrungsaufnahme zwischen den Events erwies sich als kontraproduktiv: „Wir steigen aus dem Auto, in den Hubschrauber, dann ins Flugzeug – und ich dachte mir: Okay, ich muss jetzt etwas essen, um Energie für das Stockcar-Rennen zu haben. Aber einem ist übel. Jeder kennt das Gefühl, wenn man frisch aus dem Cockpit steigt und keinen Appetit hat. Ich habe versucht, mich zum Essen zu zwingen, aber davon wurde mir nur noch schlechter.“

Auch wenn das IndyCar sich kräftezehrender anfühlte, sprachen die Daten eine andere Sprache: „Es ist wirklich seltsam. Wenn ich mir meinen Fitness-Tracker nach einem IndyCar-Rennen ansehe, fühlt sich das Fahren an sich anstrengender an, da die Lenkung viel schwerer ist. Doch meine Herzfrequenz ist im Stockcar viel, viel höher.“

Foto: NASCAR Media / David Jensen/Getty Images

Kampf ums Überleben statt um den Sieg

Trotz des immensen Engagements und der physischen Strapazen musste sich Legge eingestehen, dass sie weder bei den IndyCars noch in der NASCAR wirklich konkurrenzfähig war. „Ich war da draußen einfach nur am Überleben“, räumte sie unumwunden ein. „Aber ich saß eben auch nicht in Hendrick-Material.“

Gerade das Coke 600 wurde zur fahrerischen Tortur: „Wir mussten während des gesamten Rennens am Auto arbeiten, um es überhaupt fahrbar zu machen. Es war unglaublich hart. Das Ding schob so stark über die Vorderachse Richtung Streckenbegrenzung, dass ich nicht einmal meine Spur halten konnte. Ich hatte das Gefühl, einfach nur herumzufahren und jedem im Weg zu sein.“

Foto: NASCAR Media / Krista Jasso/Getty Images

Fokus auf die großen Bühnen

Der enorme organisatorische Aufwand für die Mammutherrausforderung blieb nicht ohne Folgen für ihre weitere Saisonplanung. Ein derart monumentales Einzelprojekt ließ kaum Raum für andere Verpflichtungen und dominierte den Kalender komplett. 

„Wir waren in gewisser Weise etwas kurzsichtig, da wir uns voll und ganz auf Indy konzentriert haben“, reflektierte sie. „Als sich dann plötzlich die Gelegenheit für das Double ergab, lag unser gesamter Fokus darauf, und wir haben nicht wirklich über den Tellerrand hinausgeschaut. Aber das ist völlig in Ordnung, denn jetzt brauche ich ohnehin erst einmal etwas Zeit zum Durchatmen.“

Dass sie sich primär auf derartige Mammutprojekte fokussiert, liegt auch an der Ausrichtung ihrer Partner. „Ich denke, das passt perfekt zu ELF“, erklärte Legge. „Sie wollen genau diese großen, aufsehenerregenden Dinge machen, die viel Aufmerksamkeit erregen – wie eben das Double –, um die öffentliche Wahrnehmung zu verändern.“

Ihre Leidenschaft für die legendärsten Rennen der Welt ist jedenfalls ungebrochen. Die Liste ihrer zukünftigen Ziele bleibt lang: „Eigentlich sollte ich in Le Mans fahren, aber dann habe ich mir die Beine gebrochen. Deshalb würde ich dort unbedingt gerne noch antreten. Außerdem möchte ich unbedingt in Bathurst starten. Das Daytona 500 ist natürlich fest eingeplant – und der Reiz des Indy 500 wird sowieso immer da sein.“

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Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.

Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.

Erik Resch

Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws. Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.