Drama beim GP3R der NASCAR-Kanada: Camirand siegt, Ghirelli glänzt in den Top-10

Drama beim GP3R der NASCAR-Kanada: Camirand siegt, Ghirelli glänzt in den Top-10
Foto: Matthew Manor/NASCAR

Ein technisches Drama an der Spitze ebnete Marc-Antoine Camirand am Sonntag den Weg zum Triumph beim geschichtsträchtigen Grand Prix de Trois-Rivieres – Im Schatten des Siegers lieferte EuroNASCAR-Champion Vittorio Ghirelli eine fahrerische Glanzleistung ab und kämpfte sich trotz eklatantem Topspeed-Nachteil unter die besten Zehn

Der kanadische Rennfahrer Marc-Antoine Camirand hat am Sonntag das turbulente „Le 45 Tours CarGurus“ der NASCAR Canada Series auf dem engen Stadtkurs des Grand Prix de Trois-Rivieres (GP3R) gewonnen. Der Meisterschaftsführende übernahm im Chevrolet mit der Startnummer 96 nach dem Aufall des langzeitführenden Pole-Setters Kevin Lacroix die Spitze und setzte sich in einem von Unfällen, Feuer-Drama und Rotphasen geprägten Rennen durch. 

Zeitgleich unterstrich der aktuelle zweimalige EuroNASCAR-Champion Vittorio Ghirelli die internationale Klasse der europäischen NASCAR-Serie, indem er sich nach einem bärenstarken Qualifying trotz Motorprobleme auf den Geraden bis auf den zehnten Gesamtrang vorkämpfte.

Bereits am Samstag setzte Ghirelli im Chevrolet Camaro mit der Startnummer 50 ein Ausrufezeichen in der Qualifikation. Mit einer Fabelzeit von 1:08.991 Minuten brannte der Italiener den siebten Startplatz in den Asphalt und lag lediglich 0,383 Sekunden hinter Pole-Setter Lacroix. 

„Was für ein wunderbares Qualifying! Zweiter in unserer Gruppe und Platz sieben insgesamt“, jubelte Ghirelli nach der Session. „Ich bin wirklich dankbar für das Ergebnis, es ist nicht einfach, sich mit diesen Jungs zu messen. Das Team ist glücklich und wir sind glücklich.“

Das Wochenende wurde durch das neue Format der Sprints geprägt, bei dem zwei 15-Runden-Rennen die Aufstellung für das Hauptrennen bestimmten. Ghirelli wählte eine taktisch kluge Herangehensweise und schonte Material sowie Reifen für den Sonntagskrimi. 

„Es war ein schönes Rennen. Wir haben ein Top-5 geholt, was unser Ziel war, um sauber durchzukommen. Ich wollte das Auto nicht überfahren, wir haben gute Reifen und sind in guter Form für morgen“, erklärte der Italiener vorausschauend vor dem Hauptlauf.

Am Rennsonntag erwischte Pole-Setter Lacroix den besten Start, während Camirand an seinen Fersen klebte. Dahinter brachen im engen Betonkanal wilde Kämpfe aus, bei denen unter anderem Sam Fellows nach einem Fahrzeugbrand fluchtartig seinen Wagen verlassen musste. Auch Gaststarter Jared Odrick, ehemaliger NFL-Profi, sorgte für Furore, als er sich von Startplatz 28 bis auf Rang elf nach vorne arbeitete, ehe ihn ein Unfall stoppte.

An der Spitze entbrannte ein Taktikspiel, das schließlich durch die Technik entschieden wurde. Lacroix musste mit Bremsproblemen abreißen lassen und rollte kurz darauf mit einem handfesten Motorschaden an die Box, was Camirand kampflos die Führung einbrachte. 

„Das Rennen fing sehr gut für uns an. Wir hatten früh ein sehr schnelles Auto und Kevin Lacroix war ebenfalls extrem schnell. Ich war in bestimmten Streckenabschnitten schneller als er, er dafür in anderen, also bin ich geduldig hinter ihm geblieben“, gab der spätere Sieger Camirand Einblick in seine Taktik.

Camirand beobachtete den Schwachpunkt seines Rivalen ganz genau: „In den fünf oder sechs Runden vor der letzten Gelbphase konnte ich sehen, dass er später bremste, und ich dachte mir schon, dass er vielleicht Bremsprobleme hat. Wir sind sehr geduldig geblieben.“ 

„Zu seinem Unglück hatte er schließlich einen mechanischen Defekt. Ich denke, wir hätten einen wirklich guten Kampf bis zum Ende haben können. Ich war zu diesem Zeitpunkt etwas schneller und hatte erwartet, dass er Gegenwehr leistet, das wäre definitiv interessant geworden.“

Dahinter bewies Ghirelli wahres Durchsetzungsvermögen, denn das Rennen verlangte ihm alles ab. Der Italiener litt unter Leistungsmangel auf den Geraden, glich dies aber durch extrem späte Bremsspunkte in den engen Kurven von Trois-Rivieres aus. Während etablierte Kanadier wie Alex Tagliani nach Wandkontakt ausschieden und Andrew Ranger nach einer Berührung einen Dreher hinnehmen musste, hielt sich Ghirelli aus allen Scharmützeln raus.

Eine Rotphase in Runde 39 brachte das Feld noch einmal zusammen, als der Zweitplatzierte Will Larue beim Restart mit abgestorbenem Motor liegen blieb. Lokalmatador Louis-Philippe Dumoulin übernahm den zweiten Platz, während Alex Guenette nach einem spektakulären Manöver in der letzten Runde noch auf den dritten Rang nach vorne fuhr.

Dumoulin zeigte sich nach der Zieldurchfahrt zufrieden mit Rang zwei: „Es war wirklich toll, so viele Fans auf den Tribünen und in den Suiten zu sehen. Das Rennen hatte mehrere Restarts, Zwischenfälle und sogar ein paar rote Flaggen, daher war es schwierig, wirklich einen Rhythmus zu finden.“ 

„Am Ende habe ich extrem hart gepusht, um Marc-Antoine einzuholen, aber eine Runde vor Schluss wusste ich, dass es schwer werden würde. Ich habe mich entschieden, das Auto auf Platz zwei nach Hause zu bringen.“

Podiumsgast Guenette blickte auf ein Wechselbad der Gefühle zurück: „Wir hatten am Ende einen tollen Zweikampf mit Andrew Ranger. An einem Punkt musste ich einen 360-Grad-Dreher hinlegen und wir haben sieben oder acht Runden vor Schluss fünf oder sechs Positionen verloren, also mussten wir uns wieder durch das Feld arbeiten.“ 

„Andrew schaffte es, die Kontrolle zu behalten und weiterzufahren, aber ich wusste, dass sein Auto zu diesem Zeitpunkt nicht mehr so schnell war. Ich konnte in der letzten Runde schließlich an ihm vorbeiziehen. Ich freue mich riesig über den Podestplatz.“

Ghirelli überquerte die Ziellinie schließlich als Zehnter und feierte damit ein hochverdientes Resultat gegen die versammelte kanadische Elite. „Was für ein Rennen! Wir hatten einen verrückten GP3R. Ich bin so glücklich, dass wir das ganze Wochenende über Leistung gezeigt haben und mit einem feinen Top-10-Platz abgeschlossen haben“, strahlte der V8GP-Champion im Ziel.

Trotz der technischen Handicaps zog der Italiener ein durchweg positives Fazit aus seinem Kanada-Trip: „Ich hatte wirklich mit der Motorleistung zu kämpfen und mir fehlte extrem viel Speed auf den Geraden, sodass ich nicht wirklich attackieren konnte, aber in den Kurven waren wir schnell.“ „

Foto: Matthew Manor/NASCAR

Ein riesiges Dankeschön an unsere Sponsoren Rousseau Metal und Festidrag.tv, macht weiter so und ich hoffe, dass ich bei anderen Events mit einem noch besseren Paket zurückkehren kann. Man weiß nie, was die Zukunft bringt. Es war mir eine echte Freude, ich liebe Kanada! Die Fans sind fantastisch und es war gut, mitten im Pack mitzumischen.“

Nach dem Spektakel in Trois-Rivieres führt Camirand die Gesamtwertung der NASCAR Canada Series mit 455 Punkten souverän an. Dumoulin schiebt sich mit 379 Zählern auf Rang zwei vor den vom Pech verfolgten Lacroix (367 Punkte). Für Ghirelli geht die Reise nun direkt zurück nach Europa, wo er beim nächsten EuroNASCAR-Lauf auf dem Autodrom Most seine Meisterschaftsführung in der V8GP-Meisterschaft verteidigen will.

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.