Drei Generationen, eine Garage: Wie die Bleekemolen-Dynastie die EuroNASCAR aufmischt
Drei Generationen in einem Rennstall sind im internationalen Motorsport ein absolutes Unikat – In der NASCAR Euro Series kämpft die niederländische Familie Bleekemolen um Spitzenplätze und formt gleichzeitig die nächste Generation
Das Team Bleekemolen sorgt in der Saison 2026 der NASCAR Euro Series für ein weltweites Novum im Motorsport. Mit Patriarch Michael, Teamchef Sebastiaan und der erst 16-jährigen Robin gehen gleich drei Generationen einer niederländischen Rennsport-Dynastie auf den europäischen Rundkursen in demselben Fahrerlager an den Start. Trotz technischer Rückschläge im ersten Saisonviertel schielt die Mannschaft nach der Sommerpause auf Podestplätze und will gleichzeitig das US-Stockcar-Feeling in den Niederlanden noch populärer machen.
Die ersten drei Saisonläufe 2026 hielten für das Team einige harte Bewährungsproben bereit. Technische Probleme und unverschuldete Zwischenfälle verhinderten, dass sich der reine Grundspeed regelmäßig in zählbaren Ergebnissen niederschlug. In der Box herrscht vor dem zweiten Saisonabschnitt dennoch ungetrübter Optimismus.
„Es stimmt, dass die erste Saisonhälfte teilweise frustrierend war“, räumt Teamchef und Fahrer Sebastiaan Bleekemolen ein. „Wir hatten unseren Teil an technischen Problemen und Rückschlägen, was verhindert hat, unser wahres Potenzial zu zeigen. Gleichzeitig wissen wir aber, dass die Geschwindigkeit da ist.“
Für die anstehenden Rennen will die niederländische Mannschaft die Pace endlich in Spitzenresultate ummünzen. „Wenn alles zusammenpasst, können wir viel weiter vorne mitkämpfen, als die bisherigen Resultate vermuten lassen“, betont Sebastiaan. „Das Positive ist, dass das Team niemals aufhört zu arbeiten. Jeder pusht hart, an der Strecke und in der Werkstatt. Ich glaube, dass die zweite Saisonhälfte für uns deutlich stärker werden kann.“
Hinter dem Einsatz in der europäischen NASCAR-Serie steckt für die Familie ein weitreichender Plan. Sie betrachten die Meisterschaft nicht nur als sportliches Betätigungsfeld, sondern als Plattform für Fahrernachwuchs und Fan-Entertainment.
„Für uns ist NASCAR in Europa viel mehr als nur Rennsport“, erklärt Sebastiaan Bleekemolen. „Unser Ziel ist es, Team Bleekemolen weiter auszubauen und die Meisterschaft einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, besonders in den Niederlanden. Wir wollen weiterhin junge Talente in die Serie bringen und gleichzeitig selbst konkurrenzfähig bleiben. Die Serie verdient ein noch größeres Publikum.“
Das pulsierende Herz der Mannschaft bleibt Michael Bleekemolen. Der 76-jährige Routinier, der in seiner langen Laufbahn unter anderem in der Formel 1 antrat, liefert sich nach wie vor packende Rad-an-Rad-Duelle mit Piloten, die seine Enkel sein könnten.
„Die Leute stellen mir diese Frage jedes Jahr“, schmunzelt der Veteran über seine Motivation. „Die einfache Antwort ist: Es macht mir immer noch Spaß. Solange ich es genieße, ins Auto zu steigen, mit dem Team zu arbeiten und gegen talentierte Fahrer anzutreten, sehe ich keinen Grund aufzuhören. An dem Tag, an dem ich keinen Spaß mehr habe, höre ich auf – aber dieser Tag ist glücklicherweise noch nicht gekommen.“
Gemeinsam mit Sohn und Enkelin an den Start zu gehen, markiert für den 76-Jährigen einen Meilenstein mit großem emotionalen Wert. Die Leidenschaft für den Sport über Jahrzehnte hinweg weiterzugeben, steht für ihn über jedem Pokal.
„Das macht mich unglaublich stolz“, unterstreicht Michael Bleekemolen. „Als ich mit dem Rennsport anfing, hätte ich mir nie träumen lassen, eines Tages in derselben Meisterschaft mit meinen Söhnen und meiner Enkelin anzutreten. Zu sehen, wie Sebastiaan das Team führt und Robin ihre ersten Schritte in der NASCAR macht, ist etwas ganz Besonderes. Wir alle lieben das Racing, und das als Familie teilen zu können, schätze ich sehr.“
Das jüngste Kapitel der Familiengeschichte schreibt die 16-jährige Robin Bleekemolen. Bei ihrem Einstand in der OPEN-Meisterschaft auf dem anspruchsvollen Traditionskurs von Brands Hatch fuhr die Nachwuchsfahrerin auf Anhieb in die Top 10 und sicherte sich zwei Siege in der Lady Trophy.
„Es war definitiv aufregend und ein bisschen nervenaufreibend“, blickt Robin auf ihr Debüt zurück. „Testen ist eine Sache, aber gegen ein volles Feld zu fahren, ist etwas völlig anderes. Besonders auf einer Strecke wie Brands Hatch, wo alles rasend schnell passiert und kaum Raum für Fehler bleibt. Meine ersten NASCAR-Rennen zu beenden, ein Top-10-Ergebnis einzufahren und zweimal die Lady Trophy zu gewinnen, hat das Wochenende unvergesslich gemacht.“
Dabei setzte sich die Teenagerin unter anderem gegen erfahrene Pilotinnen wie Beitske Visser durch. Für Robin ist dieser Erfolg jedoch nur das Fundament für größere Aufgaben.
„Gegen Beitske Visser zu fahren, die eine der erfolgreichsten und erfahrensten Rennfahrerinnen ist, macht diese Ergebnisse noch spezieller“, so Robin. „Mein Fokus liegt aber nicht nur auf der Lady Trophy. Mein Hauptziel ist es, mich kontinuierlich zu verbessern und im Gesamtklassement weiter nach vorne zu klettern. Langfristig möchte ich sehen, wie weit ich auf der NASCAR-Leiter nach oben kommen kann.“
Ihre Entwicklung sorgt auch bei den routinierten Familienmitgliedern für Anerkennung. Sowohl Sebastiaan als auch Michael heben die bemerkenswerte Reife hervor, mit der die 16-Jährige an die Rennwochenenden herangeht.
„Robin hat einen fantastischen Job gemacht“, lobt Großvater Michael. „Als Großvater bin ich wahrscheinlich nicht ganz objektiv, aber sie hat gezeigt, dass sie in dieses Starterfeld gehört. Natürlich geht es im Motorsport nicht nur um Wünsche, sondern auch um Finanzen. Aus sportlicher Sicht hat sie aber definitiv genug Potenzial gezeigt, um weitere Chancen zu verdienen.“
Für die Newcomerin ist das direkte Coaching innerhalb der eigenen Boxengasse ein entscheidender Vorteil. Die analogen EuroNASCAR-Boliden ohne ABS oder Traktionskontrolle verlangen feinstes Gefühl im Gasfuß.
„Die Autos erfordern, dass der Fahrer den Unterschied macht, weil es keine elektronischen Fahrhilfen gibt“, erklärt Robin. „Für mich ist es ein riesiger Vorteil, von meinem Vater und meinem Großvater zu lernen. Sie haben so viel Erfahrung beim Setup und beim Rennhandwerk. Wenn das Visier nach unten klappt, sind wir alle Rennfahrer, aber diese Erfahrungen als Familie zu teilen, macht es einzigartig.“
Komplettiert wurde der familiäre Großangriff durch einen Gaststart von GT-Ass Jeroen Bleekemolen, der nach früheren Einsätzen in der virtuellen EuroNASCAR nun auch im realen V8-Boliden in Frankreich antrat. Der erfahrene Langstreckenprofi zeigte sich vom puren Charakter der Rennwagen angetan.
„Das EuroNASCAR-Auto hat einen enormen Spaßfaktor“, schwärmt Jeroen. „Keine Fahrhilfen, reichlich PS, relativ wenig Abtrieb und enge Duelle: Das erinnert mich daran, worum es im Rennsport wirklich geht – Fahrer gegen Fahrer. Die Serie fängt den amerikanischen Spirit fantastisch ein und transportiert diese Fankultur perfekt nach Europa.“
Mit behobenen Kinderkrankheiten an den Fahrzeugen und einer geballten Ladung generationenübergreifender Erfahrung biegt Team Bleekemolen auf die Zielgerade der Saison 2026 ein. Das niederländische Familienprojekt hat bewiesen, dass der Spirit im Fahrerlager stimmt – jetzt sollen auf der Strecke die nächsten Meilensteine folgen.
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Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.





