Penske-Ansage vor Daytona: Warum Paul Wolfe die Meisterschaft für völlig offen erklärt
Vor dem Showdown in Daytona erklärt Penske-Crew-Chief Paul Wolfe, warum die alten Faustregeln der NASCAR-Playoffs nicht mehr greifen – Durch die enorme Leistungsdichte des Next-Gen-Autos hat dieses Jahr jeder der 16 Titelanwärter echte Meisterschaftschancen
Vor dem Finale der regulären Saison auf dem Daytona International Speedway hat Paul Wolfe, Crew-Chief von Joey Logano bei Team Penske, die früheren Chase-Gesetzmäßigkeiten in Zweifel gestellt. In der modernen Ära des Next-Gen-Autos besitzen laut dem Erfolgsingenieur alle 16 Playoff-Teilnehmer realistische Chancen auf den Cup-Titel, da die Leistungsdichte im Feld noch nie so eng war und echte Dominanz kaum noch existiert.
Nach einem schwierigen Saisonstart erlebte das Penske-Duo mit der Startnummer 22 diese neue Realität am eigenen Leib, indem es sich dank zweier Siege in den vergangenen Wochen von außerhalb der Top 16 bis auf den neunten Gesamtrang nach vorne katapultierte.
Jahrelang galt im NASCAR-Chase die eiserne Regel, dass ein Pilot zu Beginn der K.-o.-Runden mindestens in den Top 6 oder Top 7 der Punktetabelle stehen musste, um überhaupt eine realistische Chance auf den Pokal zu haben. Nach dem jüngsten Triumph der Startnummer 22 auf dem Short-Track in Richmond betonte Wolfe in der Sendung Inside the Race, dass diese Rechnung in der aktuellen Saison schlicht nicht mehr aufgeht. Die Meisterschaft sei offener denn je, weil sich die Machtverhältnisse von Woche zu Woche drastisch verschieben.
„Im Bereich zwischen Platz fünf und 15 sehe ich kaum noch echte Konstanz“, erklärte Wolfe die veränderte Dynamik im Cup-Feld. „Man sieht Fahrer – und wir sind das beste Beispiel dafür –, die wochenlang hinterherfahren und dann plötzlich drei oder vier Wochen lang richtig abliefern.“ Früher habe jeder gesagt, dass man ohne eine Platzierung unter den besten Drei bis Fünf chancenlos sei. „Aber der Rennsport an sich ist heute einfach anders, der Wettbewerb im Feld ist extrem eng und es ist verdammt schwer geworden, das Geschehen zu dominieren.“
Den Hauptgrund für diese Entwicklung sieht der Meister-Crew-Chief im technischen Reglement des Next-Gen-Autos. Die Zeiten, in denen sich einzelne Top-Teams über Wochen hinweg einen uneinholbaren Vorsprung herausarbeiten konnten, gehören seiner Ansicht nach endgültig der Vergangenheit an.
„Als ich vor 15 Jahren angefangen habe, konnten sich Teams allein über ihr Auto einen massiven Vorteil erarbeiten, wodurch bestimmte Fahrer echte Siegesserien hingelegt haben“, blickte Wolfe zurück. „Das sieht man heute kaum noch. Genau deshalb sollte man sich niemals abschreiben, nur weil man auf Platz zehn in den Punkten liegt. Wir sind dafür ein gutes Beispiel und das stimmt uns durchaus optimistisch für den Start in die Playoffs.“
Der Beweis für diesen Wandel liegt in der eigenen Aufholjagd des Teams Penske. Logano steckte monatelang im Formtief fest und lag zeitweise außerhalb der Chase-Ränge, ehe zwei Siege und ein dritter Platz innerhalb von fünf Rennen das Blatt komplett wendeten.
„Es öffnet einem wirklich die Augen, wie viel Boden wir tatsächlich gutgemacht haben“, gestand Wolfe. „An einem Punkt der Saison ging es für uns nur darum, überhaupt irgendwie reinzurutschen. Jetzt liegen wir auf Rang neun und haben Platz acht direkt vor Augen. Das zeigt einfach: Wenn du in einen Lauf kommst und eine Serie starker Rennen hinlegst, kannst du plötzlich mehr Punkte sammeln, als man für möglich gehalten hätte.“
Nach einem 14. Platz auf dem New Hampshire Motor Speedway reist Logano als Neunter der Gesamtwertung nach Daytona. Dort trennen ihn lediglich 26 Zähler von Chase Elliott auf Rang sieben, während Chris Buescher auf Rang zehn nur sechs Punkte hinter ihm lauert. Es steht beim Draft-Spektakel in Florida also noch einiges auf dem Spiel, doch die Botschaft aus dem Penske-Lager steht fest: Wenn der Titelkampf beginnt, werden die Karten für alle 16 Anwärter komplett neu gemischt.
Dir hat dieser Artikel gefallen? Journalismus auf Leadlap.de ist und bleibt dauerhaft werbefrei und für alle ohne Bezahlschranke kostenlos. Damit ich dieses Projekt auch in Zukunft unabhängig und in dieser Tiefe betreiben kann, freue ich mich über deine freiwillige Unterstützung. Jeder Beitrag hilft direkt dabei, die Qualität und Vielfalt meiner Berichterstattung zu sichern.
Jetzt Leadlap.de und André Wiegold unterstützen via PayPal
(Hinweis: Freiwilliger Beitrag zur Förderung journalistischer Inhalte, inkl. USt., keine steuerlich absetzbare Spende.)
Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.





