Erlösung nach 424 Anläufen: Ryan Sieg triumphiert bei der O’Reilly Series in Daytona

Erlösung nach 424 Anläufen: Ryan Sieg triumphiert bei der O’Reilly Series in Daytona
Foto: NASCAR Media / Chris Graythen/Getty Images

In Daytona feierte Ryan Sieg nach endlosen Anläufen seinen allerersten Sieg in der zweiten NASCAR Liga – Der Routinier profitierte von einer mutigen Reifenstrategie in der Overtime und sicherte sich knapp den ersten Platz

Es war ein langer Weg, bis Ryan Sieg endlich in die Victory Lane fahren durfte: Nach 424 Starts in der zweiten NASCAR-Liga war es in Daytona so weit. Der 42-jährige Pilot aus Georgia sicherte sich seinen ersten Sieg in einer hochdramatischen Verlängerung.

Der Pilot aus Tucker, der für sein eigenes Team antritt, profitierte von einem späten Boxenstopp, bei dem sich seine Crew strategisch clever nur für zwei frische Reifen entschied. Beim Restart zur zweiründigen Overtime startete er von der Außenbahn aus der zweiten Reihe.

Mit hohem Geschwindigkeitsüberschuss zog er an den aus der ersten Reihe gestarteten JR-Motorsports-Teamkollegen Carson Kvapil und Justin Allgaier vorbei und fuhr der Konkurrenz davon. Letztlich überquerte sein Ryan-Sieg-Racing-Chevrolet die Ziellinie hauchdünn, 0,149 Sekunden vor Austin Hill. Obwohl in den Schlussrunden ein enormer Druck auf dem Routinier lastete, bewahrte er einen kühlen Kopf und verdiente sich seinen ersten Sieg in der NASCAR O’Reilly Series.

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„Es ist einfach unfassbar, unglaublich – vor allem, dass es ausgerechnet hier in Daytona passiert“, strahlte Sieg, nachdem er von seinem Bruder Kyle umarmt und von seiner Freundin geküsst worden war. „Ich komme hierher, seit ich ein Baby war, wir waren jeden Sommer bei diesem Rennen.“

Der Sieg sei der verdiente Lohn jahrelanger Arbeit: „Dass wir es genau jetzt und auf diese Weise geschafft haben, ist fantastisch. Das war längst überfällig. Im letzten Rennen haben wir die Pole geholt und nun kamen wir nach Daytona zurück, wo ich unbedingt gewinnen wollte – und wir haben es verdammt noch mal geschafft!“

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Drama bei JR Motorsports

Sein härtester Konkurrent war Kvapil, der auf der Jagd nach seinem nächsten Erfolg war. Der 23-Jährige verlor jedoch beim entscheidenden Overtime-Restart, der durch eine Kollision zwischen seinen Teamkollegen Justin Allgaier und Rajah Caruth ausgelöst wurde, die Oberhand.

Trotz des Drehers reichte es für Caruth überraschenderweise für den Einzug in die Playoffs. Der JR-Motorsports-Pilot profitierte vom massiven Pech der Konkurrenz, überlebte eine wilde Nacht in Daytona und rettete sich buchstäblich in den Chase.

„Ich glaube nicht, dass er [Allgaier] das mit Absicht gemacht hat“, kommentierte Caruth den unglücklichen Schubser. „In diesem Moment ärgert mich das Rennende natürlich sehr, denn ich dachte, wir wären in einer hervorragenden Ausgangsposition. Aber morgen beginnt ein neues Kapitel und wir machen uns wieder an die Arbeit.“

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Den Grundstein für sein Weiterkommen hatte Caruth bereits zuvor gelegt: Er machte einen Rückstand von 15 Punkten auf die Cut-Line wett, holte einen starken zweiten Platz in Stage 1, gewann das zweite Segment und schaffte trotz des Unfalls noch den Sprung in die Postseason.

Desaster für Joe Gibbs Racing

Das Team von Joe Gibbs Racing (JGR) war am Freitagabend mit drei Fahrern ins Rennen gegangen, die in der Punktetabelle extrem eng um die Cutoff-Linie gedrängt lagen. Am Ende überlebte nur ein einziger der drei JGR-Toyotas die Schlacht um die letzten Tickets – Taylor Gray.

Gray bewies Nervenstärke, als er in Runde 44 geschickt einem Unfall mit fünf Autos auswich. Er beendete das Rennen auf Platz 26 und schnappte sich damit einen der letzten beiden Playoff-Plätze. Gray, der sich im finalen Rennabschnitt im Hintergrund hielt, beendete die reguläre Saison als Elfter der Gesamtwertung, knappe drei Punkte vor Caruth auf Platz zwölf.

„Wir waren dieses Jahr so schnell unterwegs, und es ist meine eigene Schuld, dass ich in Daytona überhaupt in dieser brenzligen Position war“, resümierte Gray selbstkritisch, blickte aber optimistisch voraus: „Ich glaube, dass es in den Playoffs viele tolle Strecken für uns gibt, auf denen wir glänzen können.“

Foto: NASCAR Media / James Gilbert/Getty Images

Für seine Teamkollegen endete der Abend hingegen mit viel Altmetall. Bereits in der 27. Runde sorgte ein Unfall, durch den Stage 1 vorzeitig beendet wurde, für schwere Schäden an den Fahrzeugen mehrerer Chase-Anwärter. Neuling Brent Crews, der mit nur einem Punkt Vorsprung auf die Cut-Line nach Daytona gereist war, musste seinen stark beschädigten Toyota in die Garage fahren. Zwar kehrte er nach einem Kühlerwechsel mit 31 Runden Rückstand auf die Strecke zurück, kam aber nicht über Platz 35 hinaus, wodurch sich seine Chancen in Luft auflösten.

„Es ist definitiv frustrierend“, gab der 18‑Jährige zu, der aufgrund von Altersbeschränkungen zu Saisonbeginn ohnehin mehrere Rennen verpasst hatte und am Ende nur mit sechs Punkten am Cut scheiterte. „Letztendlich habe ich uns aber selbst in diese Lage gebracht, als ich in Iowa 20 Punkte liegengelassen habe. Man kann viel über das ‚Was wäre, wenn‘ nachdenken, aber ich weiß, dass es aus einem bestimmten Grund passiert ist.“

William Sawalich konnten sich zunächst von den Schäden des ersten Unfalls erholen. Doch für Sawalich währte die Erleichterung nur kurz: In der bereits erwähnten Runde 44 wurde sein Auto in den Massencrash verwickelt, den ein Kontakt zwischen Anthony Alfredo und Corey Day ausgelöst hatte.

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Damit war sein Rennen vorzeitig beendet. „Wir haben nach Chicagoland extrem hart im Simulator und überall sonst gearbeitet, um unseren Punkterückstand aufzuholen“, zeigte sich Sawalich sichtlich enttäuscht. „Wir wurden dann einfach abgeräumt. Es ist einfach nur bitter.“ den Playoffs zu sichern.

Die Teams haben keine Zeit zum Durchatmen: Der Startschuss für die heiße Phase der Saison fällt bereits nächste Woche. Die NASCAR O’Reilly Series kehrt auf den altehrwürdigen Darlington Raceway in South Carolina zurück. Dort beginnt mit dem Fleetio 250 der „Chase“.

Position Startnummer Name Punkte
17Justin Allgaier2100
21Carson Kvapil2075
300Sheldon Creed2065
42Jesse Love2060
521Austin Hill2055
620Brandon Jones2050
717Corey Day2045
88Sammy Smith2040
999Parker Retzlaff2035
1041Sam Mayer2030
1154Taylor Gray2025
1288Rajah Caruth2020

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Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.

Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.

Erik Resch

Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws. Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.