Formel-1-Flair in Italien: Nelson Piquet Jr. stürmt in Vallelunga zum ersten EuroNASCAR-Sieg

Formel-1-Flair in Italien: Nelson Piquet Jr. stürmt in Vallelunga zum ersten EuroNASCAR-Sieg
Fotp: NASCAR Euro Series / Nina Weinbrenner

Nelson Piquet Jr. hat beim Playoff-Auftakt der NASCAR Euro Series auf dem Autodromo di Vallelunga seinen ersten Sieg in der europäischen V8-Meisterschaft gefeiert – Der frühere Formel-1-Pilot trotzte extremer Hitze und führte Alumitec Racing zu einem umjubelten Doppelsieg auf italienischem Boden

Der ehemalige Formel-1-Pilot und Formel-E-Meister Nelson Piquet Jr. hat am Samstag beim Playoff-Auftakt der NASCAR Euro Series auf dem Autodromo di Vallelunga nahe Rom seinen ersten Sieg in der V8GP-Division gefeiert. Im ersten Halbfinalrennen über 18 Runden setzte sich der 41-jährige Brasilianer in Diensten von Alumitec Racing gegen den Griechen Thomas Krasonis durch und verteidigte seine Führung bis ins Ziel gegen seinen heranstürmenden Teamkollegen Gianmarco Ercoli.

Mit diesem Triumph komplettierte Piquet Jr. nicht nur einen viel umjubelten Doppelsieg für den Rennstall, sondern fügte seiner beachtlichen Vita nach Erfolgen in den US-amerikanischen NASCAR-Divisionen nun auch eine europäische Siegertrophäe hinzu.

Zu Beginn des Rennens hielt sich der Routinier im Cockpit seines Ford Mustang mit der Startnummer 48 taktisch klug zurück. Piquet Jr. schonte das Material und lauerte geduldig auf eine Chance gegen den führenden Krasonis im Chevrolet von PK Carsport. Der entscheidende Moment spielte sich in Runde acht an der berühmt-berüchtigten Tornantino-Haarnadelkurve ab: Krasonis verschaltete sich am Kurveneingang, der Ex-Grand-Prix-Pilot fackelte nicht lange, stach innen durch und übernahm das Kommando.

Neben dem Druck der Konkurrenz verlangten die extremen Temperaturen im römischen Umland Mensch und Maschine alles ab. „Es war verdammt heiß!“, schnaufte ein sichtlich gezeichneter, aber überglücklicher Piquet Jr. nach dem Aussteigen. „Ich weiß noch, wie ich Ercoli gesagt habe, dass wir im September nach Rom reisen und es bestimmt nicht mehr so heiß sein wird. Er entgegnete nur: ‚Wie bitte?‘ Es ist tatsächlich wärmer als in Brasilien! Auf diese Hitze war ich wirklich nicht vorbereitet, aber es ist unser erster Sieg in der NASCAR Euro Series.“

Für den Brasilianer ist der Erfolg auf europäischem Asphalt ein ganz besonderes Karrierekapitel. Nach seinen Triumphen in der Nationwide-Serie (heute NASCAR O’Reilly Auto Parts Series) in Road America sowie Erfolgen in der Truck- und heutigen ARCA-Serie im Jahr 2012 schließt sich für ihn nun ein Kreis.

„Ich bin wirklich glücklich. Ich war in Amerika und habe in der Nationwide, bei den Trucks und in der K&N gewonnen. Ich habe nun in den meisten NASCAR-Divisionen gesiegt und freue mich riesig, das in meinen Lebenslauf eintragen zu können. Ein riesiger Dank geht an das gesamte Team. Ich weiß, wie hart wir in diesem Jahr kämpfen mussten, aber heute zahlt sich all das aus. Wir haben einen Doppelsieg geholt und stehen jetzt bei drei Saisonsiegen in der V8GP. Glückwunsch an alle im Team für ihren unermüdlichen Einsatz!“

Foto: NASCAR Euro Series / Nina Weinbrenner

Hinter dem Sieger bot Ercoli den heimischen Tifosi ein echtes Kämpferherz-Drama. Der Lokalmatador ging mit einem lädierten Daumen ins Rennen, den er sich beim Finale der regulären Saison im tschechischen Most zugezogen hatte. Angepeitscht von den italienischen Fans biss sich der Römer durch die Schmerzen, sicherte den zweiten Rang ab und machte den Doppelerfolg für Alumitec Racing perfekt.

Pechvogel Thomas Krasonis rettete nach seinem Schaltfehler Rang drei ins Ziel. Damit sicherte sich der Grieche nicht nur wertvolle Meisterschaftspunkte, sondern feierte auch den Sieg in der Junior-Trophy-Wertung. Thomas Toffel, der nach einer Strafe im Qualifying zwei Startplätze zurückversetzt worden war, zeigte eine starke Aufholjagd und beendete das Rennen als Vierter, womit er sich den Sieg in der Challenger Trophy für die Elite-Amateure sicherte.

Dahinter komplettierte Fabrizio Armetta bei seinem Heimspiel als Fünfter ein starkes Ergebnis vor Garrett Lowe, der als Gesamtsechster den zweiten Platz in der Junior Trophy belegte. Titelfavorit Vittorio Ghirelli erwischte derweil ein zähes Rennen: Der Meisterschaftsführende haderte mit der Balance seines Boliden und überquerte die Ziellinie lediglich auf Position sieben. Da sein schärfster Verfolger Jordan O’Brien jedoch nicht über Rang neun hinaus kam, baute Ghirelli sein Punktepolster an der Tabellenspitze sogar noch leicht aus.

Paul Jouffreau kassierte nach einer Berührung mit Ghirelli eine Zeitstrafe und wurde auf Rang elf gewertet, was ihm immerhin noch Rang drei in der Junior-Trophy einbrachte. In der Challenger Trophy kletterte Davit Kajaia dank Rang 13 an die Spitze der Klassenwertung, dicht gefolgt von Brad Ranson auf Platz 16. Im Titelkampf der V8GP führt Ghirelli vor den weiteren Playoff-Entscheidungen mit 28 Punkten Vorsprung vor O’Brien, während sich Nelson Piquet Jr. mit seinem Coup um vier Plätze in der Gesamtwertung auf Position fünf nach vorne katapultierte.

Dir hat dieser Artikel gefallen? Journalismus auf Leadlap.de ist und bleibt dauerhaft werbefrei und für alle ohne Bezahlschranke kostenlos. Damit ich dieses Projekt auch in Zukunft unabhängig und in dieser Tiefe betreiben kann, freue ich mich über deine freiwillige Unterstützung. Jeder Beitrag hilft direkt dabei, die Qualität und Vielfalt meiner Berichterstattung zu sichern.

Jetzt Leadlap.de und André Wiegold unterstützen via PayPal

(Hinweis: Freiwilliger Beitrag zur Förderung journalistischer Inhalte, inkl. USt., keine steuerlich absetzbare Spende.)

Autor(en)

Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.