NASCAR 26: Schafft es der neueste iRacing-Teil das Phänomen NASCAR zu transportieren?

NASCAR 26: Schafft es der neueste iRacing-Teil das Phänomen NASCAR zu transportieren?
Foto: NASCAR Media

Seit dem 15. September ist der neueste Teil der offiziellen NASCAR‑Reihe für die ersten Käufer spielbar – iRacing Studios verspricht mehrere neue Features die das NASCAR-Feeling besser transportieren sollen

NASCAR 26 ist der zweite Teil der offiziellen NASCAR-Spielreihe aus dem Hause iRacing Studios. Mit einer dynamischen Strecke, einem überarbeiteten Reifen- und Fahrmodell, neuen Karriere-Elementen sowie plattformübergreifendem Multiplayer will der Titel die Schwächen seines Vorgängers adressieren und die Besonderheiten des Stockcar-Rennsports stärker in den Mittelpunkt rücken.

Käufer der Gold Edition können NASCAR 26 seit dem 15. September im Frühzugang spielen. Die Standard Edition erscheint am 18. September für Xbox Series X|S, PlayStation 5 und PC via Steam.

Für iRacing Studios ist NASCAR 26 mehr als ein jährliches Update. Der Titel baut auf NASCAR 25 auf, dem ersten eigenständigen offiziellen NASCAR-Spiel des Simracing-Unternehmens. Nach dem Lizenzwechsel von Motorsport Games zu iRacing im Jahr 2023 war NASCAR 25 der Neustart für die offizielle Spielreihe. NASCAR 26 soll nun den nächsten Entwicklungsschritt darstellen.

Die Entwickler wollen dabei nicht einfach nur aktuelle Fahrer, Lackierungen und Strecken in ein neues Spiel übertragen. Im Vordergrund stehen laut iRacing Studios vorwiegend Änderungen am Fahrgefühl, an der künstlichen Intelligenz und am Rennverlauf. Damit zielt NASCAR 26 auf genau jene Aspekte, die NASCAR-Rennen von vielen anderen Motorsportspielen unterscheiden: Reifenverschleiß, wechselnde Gripverhältnisse, Luftströmungen im Verkehr, strategische Gelbphasen und die Bedeutung von Track Position.

Nick Rend, Vizepräsident für interaktive und neue Plattformen bei NASCAR, erklärte sinngemäß, die Reaktionen auf NASCAR 25 hätten gezeigt, dass die Spielreihe Potenzial besitze, zugleich aber auch verdeutlicht, wo Verbesserungen nötig seien. NASCAR und iRacing Studios hätten im vergangenen Jahr eng zusammengearbeitet und Rückmeldungen aus der Community berücksichtigt. Das Ergebnis sei ein Spiel, in dem sich Fortschritte beim Fahrverhalten, bei der Streckenentwicklung und beim plattformübergreifenden Multiplayer zeigen sollten.

Preislich günstiger als iRacing

NASCAR 26 verfolgt ein anderes Geschäftsmodell als die bekannte iRacing-Simulation. Die Standard Edition kostet im deutschen Xbox Store 62,99 Euro. Die Gold Edition bietet zusätzlich drei Tage Frühzugang, Bonusinhalte für den Karrieremodus sowie den Season Pass.

Der Preisvergleich mit iRacing zeigt, an wen sich NASCAR 26 richtet. Während NASCAR 26 als vollständiges Lizenzspiel einmalig gekauft wird, funktioniert iRacing über eine Mitgliedschaft. Das reguläre Monatsabo liegt derzeit bei 14,75 US-Dollar. Für viele NASCAR-Serien reichen Mitgliedschaft und kostenloser Grundcontent jedoch nicht aus: Zusätzliche Fahrzeuge kosten in der Regel 11,95 US-Dollar, Strecken 11,95 oder 14,95 US-Dollar.

Wer in iRacing eine komplette Cup-Saison fahren möchte, muss nicht nur eine aktive Mitgliedschaft besitzen, sondern auch ein passendes Next-Gen-Fahrzeug sowie den Großteil des Rennkalenders kaufen. Die 36 Cup-Punkterennen verteilen sich 2026 auf 27 unterschiedliche Streckenlayouts. Viele dieser Strecken sind nicht Teil des kostenlosen Einstiegsangebots.

Damit ist NASCAR 26 für Fans, die ein vollständiges NASCAR-Paket mit Karriere, Einzelrennen und Online-Multiplayer suchen, deutlich planbarer und günstiger. iRacing bleibt dagegen die umfangreichere Simracing-Plattform mit Lizenzsystem, Safety Rating, iRating, festen Rennserien und langfristigem Wettbewerb. NASCAR 26 ist deshalb kein direkter Ersatz für iRacing, sondern ein zugänglicherer Einstieg in die virtuelle NASCAR-Welt.

EditionXbox Series X|SPlayStation 5PC (Steam)
Standard Edition62,99 €61,99 €61,99 €
Gold Edition79,99 €80,99 €80,99 €
Preisstand: 16. September 2026. Digitale Preise können sich durch Aktionen, regionale Anpassungen oder Änderungen der Plattformbetreiber jederzeit ändern.

Die Strecke wird zum Faktor

Die vermutlich wichtigste Neuerung in NASCAR 26 ist die dynamische Strecke. Sie soll dafür sorgen, dass sich der Belag über ein komplettes Rennwochenende hinweg verändert. Trainings, Qualifying und Rennen hinterlassen dabei ihre Spuren auf dem Asphalt: Gummi kann sich auf der Fahrbahn ablagern, die Ideallinie verändert sich und der verfügbare Grip soll nicht über die gesamte Renndistanz gleich bleiben.

Für ein NASCAR-Spiel ist diese Funktion mehr als ein grafischer Effekt. Gerade auf Ovalen entscheidet sich ein Rennen oft nicht nur über die Geschwindigkeit des Autos, sondern über die Fähigkeit eines Fahrers, den Zustand der Strecke richtig einzuschätzen. 

Das Spiel soll diese Entwicklung mit einem überarbeiteten Reifenmodell verbinden. Reifenverschleiß könnte dadurch stärker in die Strategie einfließen. Dann würde nicht mehr allein die schnellste Runde zählen, sondern auch die Frage, ob ein Fahrer seine Reifen über einen langen Green-Flag-Run schont, früh zum Boxenstopp kommt oder möglichst lange Track Position verteidigt.

Gerade dieser Punkt kann darüber entscheiden, ob NASCAR 26 die Eigenheiten des realen Stockcar-Rennsports überzeugend transportiert. In der NASCAR ist ein schneller Fahrer nicht automatisch der erfolgreichste Fahrer. Wer Reifen spart, auf Cautions reagiert und die richtige Linie zur richtigen Zeit findet, kann ein Rennen auch gegen ein zunächst schnelleres Auto gewinnen.

Drafting, Verkehr und KI

Auch die Luftströmungen zwischen den Autos sollen in NASCAR 26 stärker berücksichtigt werden. iRacing Studios spricht von einem verbesserten Drafting-Modell und der Einführung von Side-Drafting. Das ist hauptsächlich auf Superspeedways wie Daytona und Talladega ein wichtiges Element.

Beim klassischen Drafting reduziert ein Fahrer den Luftwiderstand, indem er dicht hinter einem anderen Fahrzeug fährt. Side-Drafting beschreibt dagegen den Einfluss, den ein Auto auf den Luftstrom eines Konkurrenten hat, wenn es direkt neben diesem fährt. In der Realität kann dadurch das Tempo des Gegners beeinflusst werden, um ein Überholmanöver vorzubereiten.

Eine zentrale offene Frage bleibt die künstliche Intelligenz. Die KI-Gegner sollen in NASCAR 26 nach Unfällen oder technischen Defekten ausfallen können. Dadurch könnten Rennverläufe abwechslungsreicher und weniger vorhersehbar werden. 

Ob NASCAR 26 diese Dynamik glaubwürdig abbildet, wird sich erst im Alltag zeigen. Entscheidend ist nicht nur, ob KI-Autos ausfallen oder Cautions auslösen können. Wichtig wird auch sein, ob virtuelle Gegner vernünftige Boxenstoppentscheidungen treffen, sich im dichten Verkehr realistisch verhalten und bei Restarts nachvollziehbar kämpfen.

Karriere, Chase und neue Inhalte

Der Karrieremodus soll gegenüber NASCAR 25 erweitert worden sein. Spieler sollen ihre Laufbahn über die vier nationalen NASCAR-Serien gestalten können und dabei nicht nur Rennen fahren, sondern auch Entscheidungen rund um Team, Ressourcen und Entwicklung treffen. Ergänzt wird der Karrieremodus durch die neue Peak-Performance-Schule mit Jamie McMurray, der Fahrtechnik und NASCAR-spezifische Grundlagen vermitteln soll.

Neben Karriere, Quick Race, Meisterschaft und Multiplayer bietet NASCAR 26 außerdem den neuen Spielmodus The Chase. Dieser orientiert sich an dem neuen NASCAR-Meisterschaftsformat und setzt den Fokus auf einen kompakten Titelkampf über mehrere Rennen. 

Zum Umfang gehören zudem neue beziehungsweise überarbeitete Inhalte wie der Qualcomm Circuit auf der Naval Base Coronado bei San Diego, der Kurs von St. Petersburg und Chicagoland. Hinzu kommen ein erweitertes Paint Kit, ein Trophy Room, frei anpassbare Fahrerbewertungen sowie NASCAR-Spotter Freddie Kraft, der unter anderem als Spotter von Bubba Wallace bekannt ist.

Der Season Pass soll bis Ende des Jahres weitere Inhalte in mehreren monatlichen Paketen liefern. Dazu gehören zusätzliche Lackierungen, Fahreranzüge und Boni für den Karrieremodus. Crossplay zwischen PC, PlayStation 5 und Xbox Series X|S ist dagegen Bestandteil des Grundspiels und soll die Zahl möglicher Gegner im Multiplayer erhöhen. 

Mehr als ein jährliches Update?

Ziel von NASCAR 26 ist es nicht, die technische Tiefe von iRacing zu erreichen. Das Spiel verfolgt einen anderen Ansatz: Es soll die offizielle NASCAR-Welt mit bekannten Fahrern, mehreren Serien, Karrierefortschritt, schnellen Einzelrennen und unkomplizierterem Multiplayer in einem Paket abbilden.

Die interessantere Frage lautet deshalb: Wie gut vermittelt NASCAR 26, was NASCAR-Rennen besonders macht? Schafft es der neue Teil, durch Reifenverschleiß, wechselnde Streckenbedingungen, Luftströmungen im Verkehr, Restarts und Gelbphasen nicht nur langjährigen Fans, sondern auch Spielern aus der Formel 1, dem Langstreckensport oder der DTM zu zeigen, dass NASCAR weit mehr ist als 40 Autos, die im Kreis fahren?

Die bisherigen Informationen deuten darauf hin, dass iRacing Studios genau in diese Richtung gehen möchte. Ob die neuen Features im fertigen Spiel zuverlässig zusammenspielen, wird sich jedoch erst nach dem Release der Standard Edition und mit unabhängigen Erfahrungen aus Karriere- und Online-Rennen zeigen.

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Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.

Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.

Erik Resch

Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws. Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.