Gladiatoren von Valencia: So kämpften Ercoli und Visser ohne Servolenkung
Gianmarco Ercoli und Beitske Visser mussten sich in Valencia durch jeweils ein Rennen quälen, da die Servolenkung ausgefallen war – So begrenzten sie den Schaden
In der gnadenlosen Hitze von Valencia verwandelten sich die Cockpits von Gianmarco Ercoli und Beitske Visser am vergangenen Wochenende in echte Folterkammern. Beide Piloten mussten beim Saisonauftakt der NASCAR Euro Series 2026 ihre bulligen V8-Boliden ohne Servolenkung über den Circuit Ricardo Tormo prügeln – eine physische Tortur, die viele Fahrer zuvor schon zur Aufgabe gezwungen hat.
Während Seriendebütantin Visser am Samstag trotz blutiger Blasen an den Händen den 16. Platz rettete, kämpfte sich Ercoli am Sonntag bis zum physischen Kollaps auf Rang zwölf, um im Kampf um den Titel wichtige Schadensbegrenzung zu betreiben.
Ein EuroNASCAR-Bolide ist ohnehin eine Maschine für Puristen, die ohne jegliche elektronische Fahrhilfen auskommt. Wenn jedoch die Lenkunterstützung bricht, mutiert das Steuern zur Schwerstarbeit, bei der jede Kurve einen massiven Kraftakt gegen die Fliehkräfte und den Widerstand der Reifen bedeutet. In Valencia, wo eine Kurve die nächste jagt, wurde dieser technische Defekt zur ultimativen Prüfung für die Biomechanik der Fahrer.
Visser erwischte es bei ihrer Premiere für Rehberg + Bremotion besonders hart, da die Technik bereits in der Einführungsrunde streikte. Mit schmerzhaften Blasen an den Handflächen und brennender Muskulatur weigerte sich die Niederländerin von BS+COMPETITION dennoch, den „Zebra-Camaro“ abzustellen. Sie biss sich über die volle Distanz durch und bewies eine Zähigkeit, die im Fahrerlager für staunende Gesichter sorgte.
Am Sonntag wiederholte sich das Drama bei Gianmarco Ercoli, der zu diesem Zeitpunkt auf Siegkurs lag. Dass der Italiener trotz der ausgefallenen Lenkung noch Rundenzeiten von 1:44.722 in den Asphalt brannte, unterstreicht seine Ausnahmestellung in der Serie. Nach der Zieldurchfahrt war der Akku des Champions jedoch so tief im roten Bereich, dass er seinen Ford Mustang sofort abstellen musste und zur Erstversorgung ins Medical Center gebracht wurde.

„Visser ist eine Heldin“, zollte Ercoli der NASCAR-Debütantin nach dem Rennen größten Respekt. Er selbst schilderte den Defekt als einen schleichenden Prozess, der in einer Katastrophe endete. Erst wurde die Lenkung steif, dann platzte die Pumpe und verteilte zu allem Überfluss auch noch Öl auf der Windschutzscheibe, was ihm die Sicht komplett raubte.
„Nach drei Runden war das Lenkrad unmöglich zu drehen“, erklärte der Italiener seinen heroischen Kampf. Er habe sich nur noch von Runde zu Runde gequält, da er wisse, dass am Ende der Saison jeder einzelne Punkt über den Titel entscheiden kann. Letztlich habe er seine Hände vor lauter Schmerz nicht einmal mehr schließen können – ein Test der reinen Willenskraft, der einen sicher geglaubten Sieg verhinderte.
Mit diesem Auftakt im Rücken zieht der Tross nun weiter nach Frankreich zum Circuit Paul Ricard. Am 23. und 24. Mai wird sich in Le Castellet zeigen, ob die Gladiatoren der Serie ihre geschundenen Körper regeneriert haben.
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Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.






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