Speed wie die Champions, aber keine Krönung: Chase Briscoe und der bittere Titelkampf

Speed wie die Champions, aber keine Krönung: Chase Briscoe und der bittere Titelkampf
Foto: NASCAR Media / David Jensen/Getty Images

Vor dem NASCAR-Saisonfinale in Homestead zieht Chase Briscoe ein klares Fazit über das vorzeitige Meisterschafts-Aus seines Teams – Trotz phasenweise dominanter Pace und einer überragenden Boxencrew kosteten folgenschwere Patzer in den ersten Chase-Läufen alle Hoffnungen auf den großen Wurf

Dass Chase Briscoe im #19 Toyota Camry von Joe Gibbs Racing zu den schnellsten Piloten im Feld gehört, untermauerte er am Freitag auf dem Homestead-Miami Speedway mit der Trainingsbestzeit noch einmal eindrucksvoll. Doch im Titelkampf spielt der 31-Jährige am Wochenende keine Rolle mehr. Im Rückblick auf das NASCAR-Jahr 2026 dominiert bei Briscoe deshalb die Ernüchterung über eine Saison, in der fahrerische und taktische Nachlässigkeiten den verdienten Lohn kosteten.

„Wenn man diesen Grundspeed hat, muss man in der Lage sein, ihn in Siege und Spitzenresultate umzumünzen“, bilanzierte Briscoe selbstkritisch mit Blick auf die Chase-Phase. „Unser Speed im #19 Team war in den vergangenen zehn Wochen mindestens auf Augenhöhe mit der Startnummer 5 [Kyle Larson], wenn nicht sogar besser. Bei der Umsetzung haben wir allerdings nicht einmal die Hälfte von dem erreicht, was ihm gelungen ist. Einige Dinge lagen außerhalb unserer Kontrolle – das gehört zum Motorsport. Doch es gab auch auf meiner Seite Fehler in den Schlussphasen von Rennen, die einfach nicht passieren dürfen.“

Besonders die Unbarmherzigkeit des Meisterschaftsmodus sieht Briscoe als nachhaltige Lektion für seine weitere Laufbahn: „Aus diesen zehn Wochen nehme ich eine Erfahrung mit, die mich meine gesamte Karriere über begleiten wird: Man darf sich absolut keine schwachen Wochen erlauben. Wenn ich die Playoffs noch einmal von vorn beginnen könnte, würde ich vieles anders machen. Wir haben uns mit zwei Ergebnissen jenseits von Platz 30 in den ersten drei Rennen von Beginn an ein tiefes Loch gegraben. In Bristol allein habe ich in den letzten vier Runden 28 Punkte weggeworfen. Im alten Format gab es Resets – heute verzeiht das System solche Patzer nicht mehr.“

Einen großen Lichtblick sieht Briscoe in der Entwicklung seiner Boxencrew, die sich über den Saisonverlauf zur Referenz in der Boxengasse mauserte: „Unsere Crew hat einen unglaublichen Schritt nach vorn gemacht. Zu Beginn zählten wir keineswegs zu den Besten, doch in der zweiten Saisonhälfte und speziell in den Playoffs haben die Jungs fantastisch gearbeitet. Sie sind mit Abstand die stärkste Mannschaft in der Boxengasse. Umso mehr schmerzt es, dass wir dieses Potenzial am Sonntag nicht um die Meisterschaft ausspielen können.“

Für die Zukunft gelte es daher, die Rennintelligenz der Konkurrenz zu adaptieren: „Der reine Speed ist da, aber die Umsetzung zu perfektionieren, ist im Rennsport oft deutlich schwieriger, als bloß das Auto schneller zu machen. Niemand garantiert dir, dass du im nächsten Jahr wieder ein derart dominantes Fahrzeug hast. Wir müssen uns die Startnummer 5 genau ansehen: Sie waren vielleicht nicht immer die Schnellsten, haben die Ergebnisse aber eiskalt ins Ziel gebracht. Genau das ist die Kunst, die wir lernen müssen.“

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite | + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.