Vier Monate als NASCAR-Chef: O’Donnell drückt der Serie seinen Stempel auf

Vier Monate als NASCAR-Chef: O’Donnell drückt der Serie seinen Stempel auf
Foto: NASCAR Media / Sean Gardner/Getty Images

Seit April 2026 ist Steve O’Donnell als Geschäftsführer der NASCAR am Ruder – Das sind seine Pläne und der Status quo, mit dem er sich auseinandersetzen muss

Im April 2026 gab es in der NASCAR ein Novum: Steve O’Donnell wurde zum Geschäftsführer des Stock-Car-Verbandes ernannt, und somit ist erstmals kein Familienmitglied der France-Familie am Ruder. Doch welche Pläne hat der heute 57-Jährige, der seit drei Jahrzehnten im Sport aktiv ist? Und in welchem Zustand hat er NASCAR übernommen?

Das Sports Business Journal hat genau das zusammengefasst. Eine heiße Frage, die auch vielen Zuschauern im deutschsprachigen Raum immer wieder unter den Fingernägeln brennt, ist, ob NASCAR wächst oder schrumpft – gerade, weil an einigen Strecken die Tribünen nicht besonders voll aussehen, wie zuletzt in Indianapolis.

Das sagen die Daten der NASCAR

Neun der bisher 22 Rennen in der regulären Saison waren ausverkauft. Die Ticketverkäufe der Strecken sollen sich immerhin um neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr verbessert haben – der letzten Saison des Playoff-Systems. Die TV-Ratings liegen in den USA hingegen ein Prozent unter dem Schnitt von 2025, doch laut den Nielsen-Daten von NASCAR schauen sich im Durchschnitt satte 3,083 Millionen Menschen die Cup-Rennen im Fernsehen an.

Ein echter Kassenschlager war das Rennen auf der Militärbasis in San Diego, das vor allem neue Menschen in den Sport gebracht hat. Das Event war mit 125.000 Besuchern ausverkauft. Laut den Daten von NASCAR sollen 67 Prozent erstmals ein NASCAR-Rennen überhaupt besucht haben.

Mehr Mitspracherecht der Teams und Fahrer

O’Donnell bezieht außerdem die Teams und die Fahrer wieder deutlich mehr ein, als es in der Vergangenheit der Fall war. Das NASCAR Team Owner Council gibt es seit Jahren, doch der neue Boss hat sieben neue Komitees gegründet, um die Zukunft des Sports gemeinsam mit seinen wichtigen Playern zu formen. RFK-Fahrer und -Mitbesitzer Brad Keselowski spricht von einer „Zusammenarbeit, die es vorher wahrscheinlich noch nie gegeben hat“.

Foto: NASCAR Media / Jared C. Tilton/Getty Images

Doch worum geht es in diesen Komitees? Im Fokus stehen die Zukunft des NASCAR-Autos, die Motoren, die Hersteller, der Kalender, das Format am Wochenende, das Erlebnis der Fans, Sponsoren sowie Teams an der Strecke, das wirtschaftliche Wachstum, internationale Angelegenheiten, der Wettbewerb auf der Strecke, die Entwicklung des gesamten Produkts und die Platzierung in den Medien, um die Fanbasis zu vergrößern.

O’Donnell bezieht die Teams und Fahrer also in alle wichtigen sportlichen und wirtschaftlichen Themen mit ein. „Es soll die Basis sein, wo der Sport heute steht und wohin wir gehen wollen“, so der Boss. „Dann kreieren wir einen Plan, wie wir das zusammen erreichen können – was sind die Prioritäten? Das hat gut begonnen, und die gute Nachricht ist: Wir haben ein sehr, sehr solides Fundament.“

Die Zusammenarbeit mit Ben Kennedy

Der neue Geschäftsführer ist natürlich nicht allein am Ruder, sondern hat mit Ben Kennedy einen Verbündeten aus der France-Dynastie, der mit 34 Jahren frischen Wind in die Serie bringen könnte – auch dank seiner Erfahrung als Manager und Fahrer. Interessant: Das Sports Business Journal spricht sogar von möglichen internationalen NASCAR-Rennen und bringt Regionen und Länder wie Kanada, England, den Nahen Osten und Asien ins Spiel. Kennedy ist bereits in der NASCAR Euro Series gestartet.

Wichtig: Da der aktuelle Mediendeal mit einem Wert von 1,1 Milliarden Dollar noch bis 2031 läuft, liegt der Fokus wohl darauf, was in den 2030er-Jahren passieren könnte. Mit sofortigen Veränderungen will O’Donnell aber auch das aktuelle Produkt verbessern. Ein Beispiel dafür ist die Anpassung des Superspeedway-Pakets für das Daytona-Sommerrennen mitten in der Saison, die helfen soll, das Racing auf den gigantischen Ovalen zu verbessern.

Foto: NASCAR Media / Sean Gardner/Getty Images

„Wir wollen schnell reagieren“, so John Probst, der für den Wettbewerb zuständig ist. „Steve O’Donnell, unser neuer CEO, fordert von uns allen jederzeit Feedback ein und dass wir sofort auf dieses Feedback reagieren können. Wir haben Veränderungen vorgenommen, die das größte Potenzial zeigen, aber gleichzeitig mit dem geringsten Risiko. Wir haben noch nicht den ganzen Hebel genutzt, den wir einsetzen könnten, denn das würde bedeuten, dass wir 15 Autos nach Daytona [zum Testen] bringen müssten.“

O’Donnell ist old-school, blick aber in die Zukunft

Das Fazit: O’Donnell hat drei Jahrzehnte Erfahrung in der NASCAR, kennt das Fahrerlager in- und auswendig und hat sich von ganz unten an die Spitze des Verbandes gearbeitet. „Die gute Nachricht ist, dass wir Leute eingestellt haben, die Erfahrung und Beziehungen im Sport haben“, so O’Donnell. „Sie gehen weiter hinaus, um mit der Industrie zusammenzuarbeiten.“ So möchte der CEO Vertrauen in die NASCAR-Führungsetage aufbauen, denn er glaubt, dass die Partner mit diesem Personal Jahr für Jahr zusammenarbeiten können.

„Das ist kein kurzfristiges Projekt“, stellt er klar. „Wir konzentrieren uns auf die nächsten fünf Jahre und darauf, wohin wir gemeinsam gehen. Diese bestehenden Beziehungen sind dabei ein wichtiger Schlüssel.“

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.