Befreiungsschlag von Piquet Jr. in Vallelunga: Ex-Formel-1-Star jagt Ghirelli im Titelkampf
Mit einem perfekten Sweep auf dem Autodromo di Vallelunga hat Nelson Piquet Jr. seine Titelambitionen in der V8GP-Division der NASCAR Euro Series untermauert – Tabellenführer Vittorio Ghirelli rettete trotz einer Strafe wichtige Zähler ins Ziel, muss sich beim großen Finale in Zolder nun aber warm anziehen
Nelson Piquet Jr. hat sich am Sonntag beim Playoff-Halbfinale der NASCAR Euro Series auf dem Autodromo di Vallelunga mit einem dominanten Doppelsieg endgültig als heißester Titelanwärter in Position gebracht. Von der Pole-Position gestartet, fuhr der Brasilianer im Ford Mustang von Alumitec Racing der Konkurrenz auf und davon, sicherte sich seinen zweiten Sieg binnen 48 Stunden und verkürzte den Rückstand in der V8GP-Meisterschaft auf Tabellenführer Vittorio Ghirelli drastisch.
Noch vor dem Rennwochenende in Italien fehlte Piquet Jr. ein V8GP-Triumph in seiner illustren Vita, die immerhin Formel-1-Starts, den ersten Formel-E-Weltmeistertitel und Triumphe in diversen US-NASCAR-Serien umfasst. Innerhalb von nur zwei Tagen wandelte sich der Routinier vom bloßen Außenseiter zum schärfsten Verfolger an der Tabellenspitze.
In der Victory-Lane sprach ein sichtlich gelöster Piquet Jr. seinem Team die größte Anerkennung aus. „Zuallererst ein riesiges Dankeschön an die gesamte Mannschaft“, jubelte der Pilot des Mustang mit der Startnummer 48. „Sie haben dieses Wochenende so hart gearbeitet! Nur dank ihnen haben wir uns von unserem ursprünglichen Stand in der Meisterschaft dorthin gekämpft, wo wir jetzt stehen.“

Der Rennverlauf verlangte dem Brasilianer dennoch taktisches Geschick ab, insbesondere in der hektischen Anfangsphase auf dem anspruchsvollen Kurs nahe Rom. „Danke an jeden, der an mich geglaubt hat. Das Auto lag fantastisch. Zu Rennbeginn hatten wir es allerdings schwer. Ich glaube, wir hatten den Reifendruck etwas zu weit abgesenkt“, erklärte Piquet Jr. nach der Zieldurchfahrt.
Entscheidend für seine frühe Flucht an der Spitze war das dichte Gedränge im Verfolgerfeld. „Ercoli hat sich dahinter in ein paar enge Tür-an-Tür-Duelle verstrickt. Das hat mir genau das Polster verschafft, das ich gebraucht habe“, analysierte Piquet Jr. nüchtern. „Vielen Dank an alle, danke an unsere Sponsoren – das war zweifellos ein fantastisches Wochenende und ein genialer Einstand hier in Vallelunga!“
Hinter dem enteilten Spitzenreiter ging es auf dem Asphalt drunter und drüber. Gleich zwei Titelkandidaten handelten sich saftige Strafen der Rennleitung ein: Lokalmatador Vittorio Ghirelli kassierte fünf Strafsekunden wegen eines Fehlstarts, während Paul Jouffreau nach einem unerlaubten Überholmanöver mit Kontakt sogar mit zehn Strafsekunden belegt wurde. Beide Piloten pushten daraufhin am Limit, um den Schaden in Grenzen zu halten.
Nutznießer dieser Strafenflut war Thomas Krasonis. Der Grieche blieb den beiden Streithähnen dicht auf den Fersen und erbte nach Verrechnung der Zeitstrafen den zweiten Gesamtrang, was ihm gleichzeitig den Sieg in der Junior Trophy der unter 25-Jährigen einbrachte.
Ghirelli rettete trotz seiner Hypothek noch den dritten Platz auf dem Podium und hielt damit die Schadensbegrenzung aufrecht. Jouffreau hingegen wurde durch die Zehn-Sekunden-Strafe bis auf Gesamtrang fünf zurückgereicht, womit er sich in der Junior Trophy mit Rang zwei begnügen musste.
Zwischen die beiden Bestraften schob sich Fabrizio Armetta, der vor heimischer Kulisse bis zum letzten Meter kämpfte und sein erstes Gesamtpodest seit drei Jahren als Vierter nur haarscharf verpasste. Ercoli rettete Rang sechs über die Ziellinie, gefolgt von Martin Doubek und Sebastiaan Bleekemolen, der sich mit einer bravourösen Aufholjagd von Startplatz 17 wichtige Bonuszähler sicherte. Garrett Lowe und Jordan O’Brien komplettierten die Top 10.
Ein bitteres Drama gab es in der Challenger Trophy, als der Gesamtzweite Thomas Toffel das Rennen vor dem Start gar nicht erst aufnehmen konnte. Tabellenführer Davit Kajaia nutzte die Gunst der Stunde eiskalt, fuhr auf Gesamtrang 15 und sicherte sich seinen ersten Klassensieg seit Brands Hatch vor Giovanni Cartechini und Brenna Schubert.
In der Meisterschaftstabelle spitzt sich die Lage vor dem Showdown dramatisch zu. Ghirelli verteidigte im Boliden von PK Carsport zwar die Führung mit 381 Punkten, doch Piquet Jr. lauert mit nur noch 31 Zählern Rückstand in Schlagdistanz. Dahinter teilen sich O’Brien und Krasonis mit 42 Punkten Rückstand den dritten Rang, während auch Lowe und Doubek punktgleich auf Rang fünf lauern.
Die Entscheidung über die V8GP-Krone der NASCAR Euro Series fällt damit beim großen Saisonfinale am 17. und 18. Oktober auf dem traditionsreichen Circuit Zolder in Belgien.
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Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.







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