„Fröhliche Weihnachten“: Joey Logano staubt NASCAR-Sieg auf dem Bristol Motor Speedway ab
Joey Logano profitierte in Bristol vom Zweikampf zwischen Ty Gibbs und Carson Hocevar und sicherte sich seinen dritten Saisonsieg in der NASCAR – In der Boxengasse gerieten Ryan Blaney und Carson Hocevar nach einem Zwischenfall aneinander
Mit einem breiten Grinsen wie an Heiligabend stieg Joey Logano im „letzten großen Kolosseum“, wie der Bristol Motor Speedway genannt wird, aus seinem gelb-roten Ford mit der Startnummer 22 und feierte seinen dritten Saisonsieg. In Runde 494 von 500 profitierte der Penske-Pilot von einem harten Zweikampf an der Spitze und schlüpfte auf der Innenbahn an den beiden Favoriten des Abends, Ty Gibbs und Carson Hocevar, vorbei.
„Wir haben ein Team, das weiß, wie man Meisterschaften gewinnt“, freute sich Logano. „Für einen Moment dachte ich: Okay, vielleicht werde ich hier heute Abend nur Dritter oder Vierter. Aber dann hat sich alles zu unseren Gunsten entwickelt und ich dachte mir nur: Frohe Weihnachten an mich selbst! Das war ein echtes Geschenk.“

Das Publikum war von Loganos drittem Streich jedoch weniger begeistert und würdigte den Sieg mit lauten Buhrufen. Der Routinier nahm es gelassen: „Kommt schon, Bristol! Ich höre euch da unten. Ich hatte einfach ein richtig gutes Auto, Team Penske hat hervorragende Arbeit geleistet. Wir konnten die erste Stage gewinnen und wussten, dass es am Ende aggressiv zugehen würde. Ich war einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“
„Es gibt nichts Vergleichbares wie das Bristol Night Race“, fügte er hinzu. „Es ist einfach die coolste Erfahrung als Rennfahrer, vor all diesen Fans zu stehen, alle schreien und jubeln zu hören – und manchmal eben auch buhen. Das ist völlig in Ordnung. Es ist einfach großartig.“
Crash und Faustkampf: Blaney und Hocevar geraten aneinander
Ähnlich viele Unstimmigkeiten wie zwischen Logano und den Fans auf den Tribünen gab es auf der Strecke zwischen Hocevar und Ryan Blaney. Der Penske-Pilot war als Vierter der Chase-Wertung mit 33 Punkten Rückstand auf den Führenden in das Wochenende gegangen. Ein Zwischenfall mit dem Spire-Piloten bedeutete für Blaney jedoch das vorzeitige Aus und ließ den Meister von 2023 auf Rang sechs im Klassement abrutschen.
Blaney und Hocevar gerieten spät im Rennen im Kampf um Rang zwei aneinander. Blaney ging mit der Startnummer 12 auf der Innenbahn an Hocevar vorbei und versuchte anschließend, die Linie zuzumachen. Hocevar ging jedoch nicht vom Gas, traf Blaney am Heck und drehte ihn unweigerlich in die Mauer.

„Ich hatte einfach das Gefühl, dass er nicht gelupft hat“, erklärte Blaney den Unfall. „Runde zuvor habe ich ihm noch mehr als genug Platz gelassen. Ich habe ihn nicht geschnitten oder in die Mauer gedrückt, was ich problemlos hätte tun können. Ich habe die untere Linie verteidigt, und er hat einfach beschlossen, dass er auch dort sein will. Er ist nicht vom Gas gegangen und hat mich abgeräumt.“
Das Resultat: Blaney war raus, Hocevar beendete das Rennen auf Platz drei. Als Hocevar nach der Zieldurchfahrt aus seinem Wagen stieg, war Blaney bereits zur Stelle, um ihn zur Rede zu stellen. Er ging mit einem heftigen Schubser auf Hocevar los, woraufhin der Spire-Pilot mit mehreren Schlägen antwortete. Hocevar wirkte nach der handfesten Auseinandersetzung fast schon gleichgültig.
„Es wurde gar nicht viel geredet“, sagte er lapidar. „Er hat nur eine Sache gesagt und ist dann auf mich losgegangen. Das wollte ich mir nicht bieten lassen.“ Bezüglich des harten Rennens ergänzte er: „Ich wurde im Kampf um den Sieg oft angerempelt. Es ging immerhin um Platz zwei und wenn er sich danach prügeln will … Wir haben hier eben eine klassische Old-School-Bristol-Show geboten.“

Fanliebling Ty Gibbs schrammt knapp am Sieg vorbei
Gibbs, der neben Hocevar an diesem Abend zu den großen Favoriten zählte, war der absolute Fanliebling. In einer besonderen M&M’s-Folierung, die an Kyle Buschs legendäre Erfolge erinnerte, führte er das Feld für 120 Runden an und schien lange auf Siegkurs. Er schien förmlich in die Fußstapfen des „Rowdy“ zu treten, der hier acht Cup-Rennen gewinnen konnte.
Gibbs bewies enormen Kampfgeist, als er nach einem Überholmanöver gegen Hocevar in Runde 432 nur knapp einem Desaster an der Start-Ziel-Linie entkam. Er versuchte, sich in einem Three-Wide durch die Lücke zwischen Alex Bowman und Cole Custer zu quetschen.
Bowman zog jedoch nach oben und klemmte den Toyota von Gibbs ein. Wie durch ein Wunder überstand Gibbs die harten Berührungen auf beiden Seiten – die für Bowman das Aus bedeuteten – und konnte seinen Speed zunächst beibehalten.

Dem Youngster machten am Ende jedoch älteren Reifen einen Strich durch die Rechnung. Er konnte dem Druck von Hocevar und dem beim letzten Restart von Platz vier heranstürmenden Logano nicht mehr standhalten und überquerte die Ziellinie letztlich als Fünfter.
„Es war eine Ehre, den M&M’s-Camry zu fahren, das werde ich nie vergessen“, resümierte Gibbs. „Das Rennen hat unglaublich viel Spaß gemacht. Schade, dass wir es noch aus der Hand gegeben haben. Ich habe einfach versucht, in den Kurven 1 und 2 etwas zu lange auf der äußeren Linie zu bleiben, um die 77 [Hocevar] aufzuhalten, dann ist die 5 [Larson] reingestochen und wir haben es ein bisschen verhauen. Aber wir werden weiter hart arbeiten und uns verbessern.“
Larson schnappt sich Chase-Führung

Gibbs’ Teamkollege Christopher Bell sicherte sich am Samstag einen unauffälligen und vierten Platz. Er verlässt das „Thunder Valley“ als Vierter der Meisterschaft, 17 Punkte hinter Kyle Larson. Larson ist der einzige Fahrer, der in allen drei bisherigen Playoff-Rennen in die Top 5 fuhr und nun die Chase-Wertung vor Denny Hamlin anführt.
„Es läuft gut“, bilanzierte Larson. „Aber es liegt noch so viel Racing vor uns. Wir müssen einfach weiterhin konstante Ergebnisse liefern. Drei Top-5-Platzierungen zum Auftakt der Playoffs sind stark, und es sieht so aus, als würden wir die Punktewertung jetzt mit einem Zähler Vorsprung anführen. Wir kommen jetzt zu Strecken, die uns liegen, die aber auch für die Toyotas stark sind – Vegas, Kansas, Charlotte. Da kann sich in den kommenden Wochen noch viel ändern. Wir müssen auf alles vorbereitet sein und einfach weiter unser Ding machen.“
Josh Berry beendete das Rennen als Sechster und war damit der einzige Nicht-Playoff-Fahrer in den Top 10. Bubba Wallace, Hamlin, William Byron und Ryan Preece komplettierten die Top 10. Die nächste Station im Kalender ist der Kansas Speedway mit dem Hollywood Casino 400 am 27. September.
Guter Journalismus braucht mehr als Vollgas: Er braucht Treibstoff für Recherchen, Reisen, Technik und Lebensunterhalt. Leadlap.de liefert dir fundierte Hintergründe ohne Bezahlschranke. Wenn du den virtuellen Tank für die nächste Analyse füllen oder einen schnellen Espresso an die Boxenmauer schicken möchtest, hilft jeder Beitrag direkt weiter.
Jetzt Leadlap.de und André Wiegold unterstützen via PayPal
(Hinweis: Freiwilliger Beitrag zur Förderung journalistischer Inhalte, inkl. USt., keine steuerlich absetzbare Spende.)
Autor(en)
Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.
Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.







Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.