Durchbruch in der Stockcar F2: Hoeboer bekommt das gelbe Dach
Jaime Lee Hoeboer wird ab sofort mit einem gelben Dach in der Stockcar F2 fahren und somit aus der zweiten Startgruppe starten – Grund dafür waren starke Ergebnisse in Posterholt
Jaime Lee Hoeboer hat in seiner jungen Stockcar-F2-Karriere den ersten großen Sprung gemacht: Er gewann Rennen auf dem JaBa Circuit in Posterholt und bekam aufgrund seiner Punkte das gelbe Dach, was ihn in die zweite Startgruppe spült. Der Deutsche, der 2026 in das Abenteuer in der Vollkontakt-Klasse gestartet ist, ist hungrig, weiteren Speed zu finden. Das ist ein Bericht aus der Perspektive eines Debütsiegers.
„Also für uns hat Posterholt eigentlich angefangen am 2. Mai beim Trainingstag“, erklärt Hoeboer gegenüber Leadlap.de. „Da bin ich dann auch zum allerersten Mal überhaupt in Posterholt gefahren. Wir haben eigentlich sofort gemerkt, dass das Auto besser eingestellt ist als in Venray und in Lelystad, dass ich mich viel wohler fühle direkt von Anfang an. Die Zeiten waren auch näher dran an den anderen als auf den anderen Ovalen.“
„Wir sind fünf Läufe gefahren am Trainingstag und ich habe mich von einer 17,0 im ersten Lauf im Laufe des Tages auf eine 16,9 verbessert. Das ist im Vergleich zu den schnellen Fahrern immer noch ein gutes Stück, was da fehlt, aber es war auf jeden Fall erst einmal Grundtempo, was uns eigentlich ganz gut gefallen hat. Es hat sich auch sehr gut angefühlt und alles und wir konnten auch Änderungen am Auto machen, die dann auch geholfen haben.“
„Also wir verstehen immer mehr, was wir ändern müssen am Auto, um gewisse Sachen zu erzielen und sind somit hinterher eigentlich ziemlich zufrieden vom Training nach Hause gefahren“, erinnert sich Hoeboer an seine ersten Erfahrungen auf dem kleinen Oval unweit der niederländisch-deutschen Grenze.
„Wir haben in der Garage noch ein bisschen Feinarbeit gemacht und sind dann am 8. Mai nach Posterholt gefahren. Am 9. Mai ging es dann los mit den ersten Rennen und ich hab mir eigentlich nicht viel erhofft“, so Hoeboer weiter. „Ich habe einfach darauf gewartet, was auf mich zukommt und was ich hinkriege. Ich habe mein Bestes gegeben.“

Der junge Rennfahrer überraschte nicht nur die Konkurrenz, sondern sich selbst: „Als ich dann im ersten Lauf den dritten Platz gemacht habe, natürlich von ganz vorne gestartet, und zum ersten Mal auf die Waage musste zur Kontrolle, da haben wir gemerkt, dass einiges drin ist an dem Wochenende an Punkten und somit haben wir uns dann richtig reingebissen und haben geschaut, dass immer alles gut eingestellt ist.“
„Dann im zweiten Lauf wurde ich Zweiter vor Wim Peters, der mir noch letzte Kurve einen guten Stoß gegeben hat, wo ich dann aber knapp vor ihm ins Ziel gekommen bin. Das war auch sehr geil, das war auch echt ein tolles Gefühl, weil er dann auch danach zu mir gekommen ist und mir die Hand gegeben hat. Das war schon cool und es zeigt auch, dass ich mich verbessert habe.“
„Dann kam der dritte Lauf, das Finale am Samstag“, so Hoeboer weiter. „Das war der vierte Platz. Da war ich auch eigentlich zufrieden mit. Es war natürlich ärgerlich, dass die ersten drei im Finale einen Pokal kriegen. Es gibt ja keine Tageswertung, sondern es gibt nur Trophäen im Finale. Deswegen: Wäre ich einen Platz besser gewesen, hätte ich schon einen Pokal bekommen. Der vierte Platz im Finale, damit bin ich super zufrieden und alle Platzierungen davor auch.“
Doch der große Wurf kam noch: „Das Grand National war der letzte Lauf am Tag, auch da bin ich wieder von vorne gestartet. Wir haben Feinarbeiten gemacht, wir haben alles top eingestellt. Ich bin gut weggekommen am Start und habe einfach Runden abgespult, hab versucht, so konstant wie möglich zu bleiben und so schnell wie möglich zu bleiben. Dann bin ich vorne einfach weggefahren.“
„Ich habe irgendwann im Spiegel geguckt und ich habe immer noch keinen Konkurrenten gesehen, der näher gekommen ist. Ich habe dann auf die Rundenzahl geguckt und sah noch fünf Runden. Ich guckte in den Spiegel und ich sah immer noch keinen, der näher kommt oder so nah ist, dass es gefährlich werden könnte. Ich dachte, wenn ich jetzt keinen Fehler mache, dann gewinne ich das Grand National und so ist es auch gekommen.“
„So habe ich meinen ersten Rennsieg jemals eingefahren, das Grand National am 9. Mai. Da war ich sehr stolz drauf, habe mich auch echt gefreut und auch meine Freundin, Mama, Papa, Roland Sudniks und seine Frau, die uns auch viel helfen und alles immer mitmachen, mitschrauben. Ich bin richtig dankbar, dass uns alle so helfen, das ist echt nicht selbstverständlich.“

„Sie haben alle so mitgefiebert und geschrien und gezittert, dann durfte ich zum ersten Mal meine Siegerblumen abholen. Ich habe ja schon Pokale in Formel Toyota oder Formula Free bekommen, aber so ein Rennen zu gewinnen, das ist schon echt ein verrücktes Gefühl. Unbeschreiblich irgendwie und das in so einer krassen Klasse wie BriSCA Stockcar F2. Ich konnte das irgendwie nicht realisieren oder kann es immer noch nicht so ganz fassen. Wir haben uns natürlich sehr gefreut, haben ein bisschen gefeiert und ich habe auch eine Konfettikanone abbekommen. Ja, das war natürlich ein super Tag.“
„Am zweiten Tag stand dann der Euromaster-Lauf an, der auch aufregend war. Ich wusste, dass es an dem zweiten Tag schwerer werden würde“, so Hoeboer weiter. „Im ersten Lauf am Sonntag musste ich dann von den weißen Dächern ganz hinten starten, wir waren drei Autos in der Gruppe. Ich bin als Dritter gestartet und bin dann dementsprechend nicht ganz so schnell weggekommen wie als Erster.“
„Ich habe trotzdem eigentlich einen ganz guten Start hingekriegt, hab beide weißen Dächer ein bisschen weggeschoben, was ja erlaubt ist, wodurch ich dann vorbeigekommen bin und dann bin ich im ersten Lauf Vierter geworden.“
„Im zweiten Lauf bin ich auch wieder als Dritter gestartet, aber nicht ganz so gut weggekommen“, sagt der Deutsche. „Wir haben ein bisschen was am Setup probiert, was uns dann im Endeffekt langsamer gemacht hat, das Auto sehr instabil gemacht hat. Dann kamen die ganz schnell von hinten und ich bin Neunter geworden. Das war das schlechteste Ergebnis am Wochenende.“
„Der dritte Lauf war das Euromaster-Rennen mit Fahrervorstellung“, so Hoeboer weiter. „Das war mein erstes Mal und es war natürlich auch ein super Gefühl, hinten auf dem Auto zu stehen. Mein Papa fuhr das Auto – das war natürlich auch ein kleiner Traum von ihm, eine Bitte von ihm, dass er mich mal in einer Fahrervorstellung fahren darf. Das war ein cooles Gefühl, wie die Zuschauer alle winken.“

„Ich bin dann aufgrund der Platzierungen aus der dritten Startreihe außen gestartet zwischen allen Top-Fahrern. Und ich wusste, das wird sehr schwierig.“ Hoeboer fuhr zu diesem Zeitpunkt 16,8er-Zeiten, während die Top-Fahrer 16,6er-Zeiten in den Asphalt brannten. Anders als in den regulären Rennen, in denen die besten Fahrer von hinten starten, fand sich Hoeboer inmitten des Pulks der Elitepiloten wieder.
„Dann ging das Rennen los, es gab natürlich wie immer viel Action am Start“, erinnert er sich. „In der ersten Kurve ging es nur ums Überleben, gucken, wo ich hinkomme, wo ich durchkomme. Dann hatte ich einen guten Kampf mit zwei Fahrern, die dann leider ausgefallen sind. Darüber beschwere ich mich nicht, aber natürlich war das blöd für den Kampf. Aber ich muss sagen, das hat sehr viel Spaß gemacht.“
„Die Spannung und alles im Auto: Ich spürte das alles, auch wie die Zuschauer alle gespannt zuguckten, das merkte ich irgendwie“, erklärt er seine Gefühlswelt. „Ich war ja so voller Adrenalin und alles war irgendwie geil. Der Lauf hat richtig Spaß gemacht und dann bin ich im Euromaster-Lauf als Zehnter ins Ziel gekommen. Damit bin ich total zufrieden, denn ich hatte Jan Bekkers hinter mir und andere bekannte Namen.“
„Es folgte das Finale am Sonntag. Normalerweise wäre es ein Grand National gewesen, aber die haben das umverlegt, dass es ein Zusatzfinale ist, weil es beim Grand National keine Pokale gäbe, beim Finale aber schon. Ich durfte wieder als Erster starten und die Chance habe ich natürlich gesehen. Wir haben wieder alles super eingestellt und dann habe ich wieder Gas gegeben.“
„Dann waren die Runden fast um, ich guckte wieder in den Spiegel und ich sah wieder keinen Gegner, der mir gefährlich nah kommt. Dann irgendwann kam Peters im Spiegel näher, aber ich hatte genug Abstand und habe dann mein erstes Finale gewonnen. Das war so surreal, an einem Wochenende direkt zwei Läufe zu gewinnen – nach zwei Renntagen wie Lelystad und Venray hätte ich das echt nicht gedacht. Das war echt schon sehr heftig und ein sehr krasses Gefühl.“
„Dann ging es wieder auf die Waage, es wurde alles kontrolliert, was kein Problem war“, so Hoeboer. „Was ziemlich glücklich für uns war: Der Schlauch von der Spritpumpe zum Filter hin ist abgebrochen und somit ist das Auto danach nicht mehr angesprungen und ging nicht mehr wirklich. Das ist zum Glück erst nach der Zieleinfahrt passiert. Also wenn es ein bisschen früher gewesen wäre, dann wäre ich vielleicht sogar ein paar Runden vor Schluss ausgefallen.“
„Aber so war es vom Timing her glücklicherweise ganz gut. Wichtig: Denn wenn du ein weißes oder gelbes Dach hast und dann ein Finale gewinnst, dann steigst du sofort eine Dachfarbe auf, was heißt, ich gehöre jetzt zu den gelben Dächern“, erklärt Hoeboer.
„Was ganz wichtig war: Sonntag war ja Muttertag und somit habe ich dann auch einen Blumenstrauß für Mama gewonnen“, freut sich der Youngster. „Den Pokal kriege ich am nächsten Renntag in Posterholt. Weil das so spontan geändert wurde, hatten die keine Pokale für das Finale mehr da. Es war auf jeden Fall sehr cool, am Samstag einen Blumenstrauß für meine Freundin und dann am Sonntag zu Muttertag einen Blumenstrauß für Mama gewonnen zu haben. Das war schon echt sehr schön und besser, als wir uns jemals erhofft hätten.“
Dieser Artikel besteht zum Großteil aus direkten Zitaten, um euch Lesern einmal zu zeigen, wie ein Fahrer, der seinen ersten großen Meilenstein in einer neuen Klasse erreicht, emotional tickt. Hoeboer hat einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht und wird nun versuchen, auf diesen Erfolgen aufzubauen.
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Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.






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