Ein Lichtblick bei RCR: Zweifaches Top-10-Ergebnis sorgt für Hoffnung
Bei der NASCAR in Watkins Glen landeten beide RCR-Piloten Kyle Busch und Austin Dillon in den Top-10 – Das Team feierte nach einer personellen Umstellungen wichtige Erfolge auf dem Rundkurs
Am 27. April setzte Richard Childress Racing (RCR) ein klares Zeichen: Per Pressemitteilung wurde verkündet, dass Kyle Busch mit Andy Street einen neuen Crew-Chief an die Seite gestellt bekommt. Diese personelle Neuausrichtung war mit einer unmissverständlichen Ansage von „Rowdy“ verbunden: Das Feuer in ihm brenne nach wie vor, und er sei hungrig darauf, endlich wieder Top-Ergebnisse einzufahren. Nach dem Auftritt in Watkins Glen lässt sich nun eine erste Bilanz ziehen. Dort gelang es RCR tatsächlich, beide Autos in die Top-10 zu bringen.
Die Statistik sprach im Vorfeld von Watkins Glen nicht unbedingt für Busch. In den vergangenen vier Rennen in New York mit dem Next-Gen-Auto landete er auf Platz 14 oder schlechter. Überhaupt war RCR auf diesem Kurs zuletzt kaum konkurrenzfähig. In den letzten 13 Rennen sprangen lediglich zwei Top-10-Platzierungen heraus, beide erzielt durch Tyler Reddick.
In Watkins Glen deutete jedoch vieles auf die lang ersehnte Wende hin. Busch kämpfte um sein erstes Top-5-Ergebnis des Jahres, bis ihm buchstäblich auf den letzten Metern der Atem ausging, was nicht in der TV‑Übertragung zu sehen war.

In der letzten Runde fing der Chevrolet mit der Startnummer 8 in den letzten beiden Kurven an zu stottern – der Tank war leer. Onboard-Aufnahmen zeigten, wie er Chase Briscoe im Kampf um Platz vier zunächst noch näherkam, bevor sein Camaro schließlich den Vortrieb verlor.
In einem verzweifelten Versuch, den Rennwagen durch heftiges Schütteln nach links und rechts noch den letzten Tropfen Benzin zu entlocken, musste Busch zusehen, wie Reddick in der letzten Kurve an ihm vorbeizog. Auch sein Teamkollege Austin Dillon und A.J. Allmendinger passierten ihn auf der Zielgeraden, während Busch nur noch über die Linie rollte. Am Ende rettete er mit stumpfen Waffen Platz acht ins Ziel, knapp vor dem heranstürmenden Austin Cindric.
Trotz der verpassten Top-5 und des Frusts über Funk überwog bei Busch später der Optimismus. Auf X schrieb er: „P8! Ein wirklich solider Tag. Wir hatten ein Auto für die Top-5, uns ist nur in der letzten Runde der Sprit ausgegangen. Seit den vergangenen Wochen geht es definitiv in die richtige Richtung!“
Besorgniserregend wurde es jedoch während des Rennens am Funk, als Busch nach einem Arzt verlangte: „Kann mal jemand versuchen, Bill Heisel zu finden? Das ist ein Arzt. Sagt ihm bitte, ich brauche ihn nach dem Rennen.“
Obwohl dieser Funkspruch für Aufsehen sorgte, blieb der Vorfall – zumindest nach dem, was bisher öffentlich bekannt ist – ohne schwerwiegende Folgen für den Piloten.

Selbstvertrauensboost für Austin Dillon
Während der eine RCR-Chevrolet mit dem Sprit kämpfte, feierte der andere ein echtes Erfolgserlebnis. Mit einem Durchschnittsergebnis von Rang 20 war Dillon in der Startnummer 3 2026 bisher eher ein Dauergast im Mittelfeld, doch in Watkins Glen fuhr er sein erstes Top-10-Ergebnis der Saison ein.
Dillon gab sich nach dem Rennen selbstbewusst: „Ich habe einen guten Job beim Spritsparen gemacht“, sagte der 36-Jährige und klopfte sich dabei metaphorisch selbst auf die Schulter. „Ich habe es aus eigener Kraft zurück in die Box geschafft, also hätten wir vielleicht sogar noch etwas härter pushen können. Kyle [Busch] hat am Ende extrem Gas gegeben und mich in der Schikane überrascht. Als er das tat, dachte ich, er hätte früher im Rennen mehr gespart – aber er ist dann vor uns liegen geblieben, sodass wir ihn auf der Ziellinie wieder abfangen konnten.“
„Ich wünschte, ich wäre noch an Chase [Briscoe] vorbeigekommen; ich glaube, wir hätten vor ihm landen können. Aber das wäre schwierig geworden, weil er sofort gekontert hätte“, fügte Dillon hinzu.

Dillon sieht im zweifachen Top-10-Ergebnis eine Bestätigung der harten Arbeit: „Wir sind ein Team, das niemals aufgibt. Wir wollen nicht hinterherfahren, wir wollen vorne mitmischen. Dass uns das heute ausgerechnet auf einem Rundkurs gelungen ist, fühlt sich großartig an.“
Durch den Erfolg in Watkins Glen machte Dillon in der Gesamtwertung fünf Plätze gut und liegt nun auf Rang 22. Der Weg in den Chase bleibt bei 63 Punkten Rückstand auf den provisorischen Ausscheidungsplatz zwar weit, aber ein Lichtblick bei RCR ist erkennbar.
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Autor(en)
Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.
Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.






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