Ein Stück Kuba in der EuroNASCAR: Warum Valentino Gambarotto für eine ganze Community in Miami fährt
Valentino Gambarotto sorgt in der NASCAR Euro Series nicht nur mit starken Leistungen für Aufsehen auf der Strecke – Der 18-jährige Italo-Kubaner bewegt mit seiner tiefen familiären Geschichte eine riesige Community von Europa bis nach Florida
Der 18-jährige Valentino Gambarotto bricht in der laufenden Saison 2026 der NASCAR Euro Series mit einer außergewöhnlichen Familiengeschichte die kulturellen Barrieren des Motorsports auf. Der junge Rennfahrer mit italienischen und kubanischen Wurzeln kämpft für das Top-Team CAAL Racing in der OPEN-Division um Podestplätze, während er abseits der Strecken zu einer Symbolfigur für die kubanische Exil-Community in den USA heranwächst.
Mit starken Ergebnissen beim jüngsten Rennwochenende im britischen Brands Hatch setzte der Youngster ein dickes Ausrufezeichen im Kampf um die Master Trophy. Hinter dem sportlichen Aufstieg steht eine tiefe persönliche Verbindung zu einer von Krisen geschüttelten Region, in der klassischer Motorsport eigentlich keinen Platz hat.
Geboren als Sohn eines italienischen Vaters und einer kubanischen Mutter, verbrachte Gambarotto seine Kindheit zwischen zwei völlig gegensätzlichen Welten. Diese Zerreißprobe und die Sehnsucht seiner Familie prägen den Charakter des Nachwuchsfahrers bis heute maßgeblich.

„Meine Mutter ist Kubanerin und mein Vater ist Italiener, also bin ich mit zwei sehr unterschiedlichen Kulturen aufgewachsen, die mich beide zu dem gemacht haben, der ich heute bin“, erklärt Gambarotto stolz. „Seit ich ein Baby war, haben mich meine Eltern immer nach Kuba mitgenommen, und ich bin mit meinen kubanischen Wurzeln verbunden, solange ich denken kann.“
„Mein erster Trip dorthin war, als ich erst neun Monate alt war. Kuba hat schon immer einen besonderen Platz in meinem Herzen gehabt. Einige meiner besten Kindheitserinnerungen stammen aus der Zeit, die ich dort mit Familie und Freunden verbracht habe.“
Doch das karibische Paradies der Kindheit hat eine schmerzhafte Kehrseite, die den Teenager früh mit den Realitäten von Flucht und politischer Unterdrückung konfrontierte. Große Teile seiner Familie machten sich in den vergangenen Jahren auf die Suche nach Freiheit und bauten sich eine neue Existenz an der Küste Floridas auf.
„Gleichzeitig habe ich aber auch gesehen, wie schwierig das Leben für viele Menschen auf der Insel sein kann“, schildert der Italiener die Schattenseiten. „Für Jahrzehnte haben die Kubaner unter einer Diktatur gelebt, und viele Familien, inklusive Menschen, die mir sehr nahestehen, wurden gezwungen zu gehen, um nach besseren Möglichkeiten und einer besseren Zukunft zu suchen.“
„Aus diesem Grund leben viele meiner Verwandten und Freunde jetzt in den Vereinigten Staaten, speziell in Miami, wo es eine große kubanische Community gibt. Zu sehen, wie anders ihr Leben nach dem Verlassen von Kuba wurde, hat einen großen Eindruck bei mir hinterlassen und mir geholfen zu verstehen, wie glücklich wir uns schätzen können, bestimmte Freiheiten und Möglichkeiten zu haben.“
Diese transatlantische Brücke hat in den USA mittlerweile eine enorme Welle der Begeisterung ausgelöst und den EuroNASCAR-Piloten in den Fokus der großen spanischsprachigen Medien gerückt. Ein vielbeachtetes Live-Interview beim Fernsehsender Telemundo 51 in Miami machte den Drifter über Nacht in der gesamten Region bekannt.

„Vor ein paar Monaten hat meine Mom angefangen, meine Renngeschichte innerhalb der kubanischen Community zu teilen“, erinnert sich Gambarotto an den plötzlichen Hype. „Dank Leuten wie Aldo Ruiz habe ich entdeckt, wie stolz viele Kubaner waren zu sehen, dass jemand mit kubanischen Wurzeln eine Karriere im Motorsport verfolgt und dieses Erbe international repräsentiert.“
„Das führte zu anderen Gelegenheiten, inklusive eines Interviews mit dem Journalisten Yoghe Adrian von Telemundo 51 in Miami. Die Resonanz war unglaublich, und ich habe so viel Support von Kubanern aus der ganzen Welt erhalten.“
Für den Rennfahrer ist die Unterstützung aus Übersee mittlerweile zu einer mentalen Triebkraft geworden, die weit über das bloße Sammeln von Pokalen hinausgeht. Das Bewusstsein, für die Träume einer ganzen Gemeinschaft zu fahren, beflügelt ihn bei jedem Start.
„Zu sehen, wie diese Verbindung wächst, und diese Ermutigung zu spüren, war etwas wirklich Spezielles für mich“, betont der CAAL-Pilot gerührt. „Ich hoffe, dass Kuba eines Tages eine hellere Zukunft haben wird und dass ich in das Haus meiner Familie dort zurückkehren und einige der Erinnerungen durchleben kann, die meine Kindheit so unvergesslich gemacht haben.“
„Wann immer ich Nachrichten von kubanischen Fans sehe, erinnert es mich daran, dass es beim Rennenfahren um viel mehr als nur um Resultate geht. Es geht darum, Menschen zu inspirieren, zu repräsentieren, woher man kommt, und seine Familie und Community stolz zu machen.“
Dass Gambarotto überhaupt in den brachialen V8-Boliden der EuroNASCAR sitzt, verdankt er seinen außergewöhnlichen Reflexen, die er sich in einer völlig anderen Motorsport-Disziplin angeeignet hat. Seine Karriere begann nämlich nicht auf dem klassischen Weg der Formel-Monoposti, sondern in der spektakulären Welt des Driftsports.
„Ich habe mit dem Kartfahren angefangen, als ich gerade einmal drei Jahre alt war, und bin mit vier mein erstes Rennen gefahren“, blickt das Talent aus Abano Terme zurück. „Unglücklicherweise musste ich mit sieben Jahren aus familiären Gründen aufhören. Über die folgenden Jahre habe ich verschiedene Motorsport- und Actionsportarten ausprobiert, darunter Downhill-Biken und Motocross, aber nichts gab mir dasselbe Gefühl wie das Rennenfahren.“
„Als ich 13 war, kaufte mir mein Dad ein BMW E36 Driftauto, und genau da begann meine kompetitive Reise. Ich bestritt mein erstes Driftrennen mit 14, holte meinen ersten Sieg mit 15, und mit 16 Jahren hatte ich die Meisterschaft sowohl in der Pro- als auch in der Pro2-Kategorie gewonnen. Im selben Jahr fuhr ich auch im Ibiza Cup und gewann sieben von zehn Rennen.“
Diese radikale Fahrzeugbeherrschung am Limit ebnete schließlich den Weg zu einem überraschenden Anruf, der die Karriere des Nachwuchsfahrers komplett auf den Kopf stellte.

„Dann rief mich mein Dad eines Tages an und sagte, er habe einige Kontakte, die mir helfen könnten, eine Chance in der NASCAR Euro Series zu bekommen“, beschreibt Gambarotto den Schlüsselmoment. „Für mich fühlte sich NASCAR so weit entfernt an wie die Formel 1 – etwas, wovon man träumt, aber niemals wirklich erwartet, ein Teil davon zu sein.“
„Die Möglichkeit alleine war unglaublich. Ich absolvierte einen Test mit CAAL Racing, und sie boten mir die Gelegenheit sofort an. Von diesem Moment an begann ein komplett neues Kapitel meiner Karriere.“
Der Einstieg im Jahr 2025 in die schweren Tourenwagen ohne elektronische Fahrhilfen war eine harte Schule, in der sich der Rookie gegen etablierte Routiniers beweisen musste. Doch die Entwicklungskurve zeigte von Beginn an steil nach oben.
„Meine erste Saison war im Jahr 2025, mit meinem Debüt in Valencia auf dem Circuit Ricardo Tormo“, blickt Gambarotto zurück. „Ich erinnere mich noch an die Aufregung dieses Wochenendes, aber auch daran, wie herausfordernd es war, mit den erfahreneren Fahrern mitzuhalten. Alles war neu, und ich lernte noch jeden Aspekt der Meisterschaft kennen. Mit Blick auf 2026 war die Verbesserung riesig.“
„Ein gutes Beispiel ist Valencia selbst: 2025 qualifizierte ich mich als 17., so weit hinten, dass ich die Startlichter kaum sehen konnte! Dieses Jahr habe ich mich in Brands Hatch als Gesamtsiebter und Zweiter in meiner Kategorie qualifiziert. Das zeigt, wie viel Fortschritt wir in relativ kurzer Zeit gemacht haben. Jedes Mal, wenn ich ins Auto steige, ist mein Ziel simpel: mich Runde für Runde zu verbessern und ein besserer Fahrer zu werden.“
Die aktuelle Saison 2026 hielt für das Team rund um Teamchef Luca Canneori jedoch bittere Nackenschläge bereit, die das Punktekonto früh belasteten. Technische Defekte warfen den Ford Mustang mit der Startnummer 73 in den ersten Rennen aussichtsreich zurück.
„Unglücklicherweise startete die Saison 2026 nicht so, wie wir es gehofft hatten“, gibt der Italiener unumwunden zu. „In Rennen 2 in Valencia erlitt ich in Führung liegend in meiner Kategorie ein mechanisches Problem, das mich in Kurve 1 von der Strecke schickte und in einem DNF endete. Diese Punkte zu verlieren, war ein schwerer Schlag für unsere Meisterschaftskampagne.“
„Die nächste Runde in Frankreich war sogar noch frustrierender. Aufgrund von Motorproblemen am Auto meines Teamkollegen und anderen technischen Herausforderungen war ich nicht in der Lage, eine einzige Runde am gesamten Wochenende zu absolvieren. Es war enttäuschend, weil es bedeutete, noch mehr wertvolle Meisterschaftspunkte zu verlieren, ohne die Chance zu haben, auf der Strecke um sie zu fighten.“
Die fällige Trotzreaktion folgte auf dem legendären Indy-Kurs von Brands Hatch, wo Gambarotto mit fehlerfreien Rennen die Kastanien aus dem Feuer holte und wichtige Zähler sammelte.
„Nach diesen Rückschlägen war Brands Hatch exakt die Antwort, die wir brauchten“, zeigt sich Gambarotto erleichtert. „Ich qualifizierte sich als Siebter und finishte Rennen 1 auf dem sechsten Platz im Gesamtklassement sowie als Zweiter in der Masters-Kategorie. In Rennen 2 startete ich wieder als Siebter und kam als Gesamtsiebter ins Ziel, womit ich ein weiteres Top-Ergebnis in der Trophy sicherte.“
„Beide Rennen waren intensive Schlachten von Start bis Ziel, aber wir haben es geschafft, starke Resultate nach Hause zu bringen und wichtige Punkte für die Meisterschaft einzufahren. Auch wenn die Saison bisher ihre Höhen und Tiefen hatte, denke ich, dass sie gezeigt hat, wie sehr ich als Fahrer gewachsen bin. Selbst wenn die Dinge nicht nach unseren Vorstellungen laufen, bleibt der Fokus derselbe: weiter pushen, weiter lernen und das Beste aus jeder Gelegenheit machen.“
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Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.






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