Funkverkehr entlastet van Gisbergen: Das Protokoll hinter dem Chicagoland-Urteil

Funkverkehr entlastet van Gisbergen: Das Protokoll hinter dem Chicagoland-Urteil
Foto: NASCAR Media / Logan Riely/Getty Images

Der Vorfall auf Runde 48 erhitzte in Chicagoland die Gemüter, doch die Rennleitung ließ die Rennentscheidung unangetastet – Ein klärendes Gespräch im Cup-Hauler soll nun verhindern, dass die Fehde in Atlanta weiter eskaliert

NASCAR hat nach einer intensiven Analyse aller Telemetrie- und Funkdaten beschlossen, nach dem emotionsgeladenen Cup-Series-Lauf am vergangenen Sonntag auf dem Chicagoland Speedway keine Strafen gegen Shane van Gisbergen oder Austin Hill zu verhängen.

Der folgenschwere Vorfall ereignete sich in Runde 48, als van Gisbergen den Richard-Childress-Piloten Hill unsanft in die Mauer beförderte. Da kein Fahrer über den Boxenfunk eine Absicht einräumte, fehlte den Offiziellen das finale Beweisstück für eine Sanktionierung.

Die Vorgeschichte des Duells verlieh der Szene zusätzliche Brisanz, da Hill den Neuseeländer bereits zwei Wochen zuvor bei einem Restart in einen Crash verwickelt hatte. Van Gisbergen bezeichnete sich damals im typischen Kiwi-Slang als „filthy“, was seine tiefe Frustration über die Aktion zum Ausdruck brachte. Als Hill nun in Chicagoland in der Mauer landete, witterte das Team der Startnummer 33 sofort einen gezielten Racheakt.

In der Live-Übertragung von TNT Sports sezierten die Experten die SMT-Daten der Fahrzeuge, wobei Ex-Pilot Jamie McMurray felsenfest von einem vorsätzlichen Manöver ausging. Die Rennleitung bewertete die Faktenlage hinter den Kulissen jedoch wesentlich nüchterner und vorsichtiger. Ohne ein klares Geständnis via Funk sahen die Offiziellen kein Fundament für ein hartes Durchgreifen gegen den Trackhouse-Piloten.

NASCAR-Kommunikationschef Mike Forde legte die detaillierte Vorgehensweise der Liga in der aktuellen Ausgabe des Hauler-Talk-Podcasts offen. „Wir haben geprüft, ob es während des Rennens Anomalien gab, die möglicherweise eine Vergeltungsmaßnahme für frühere Vorfälle darstellten“, erklärte Forde den Ablauf der Untersuchung. Die Kommissare ließen dabei keinen Stein auf dem anderen, um Licht ins Dunkel des Crashs zu bringen.

„Wir sind alle Funkübertragungen durchgegangen, um zu sehen, ob es etwas gab, das einer rauchenden Pistole gleicht“, beschrieb Forde die fieberhafte Suche nach einem Beweis. Trotz des Einsatzes modernster Technik blieb das Ergebnis am Ende für eine Bestrafung unzureichend. „Kamerawinkel und alle verfügbaren Ressourcen, wie wir immer sagen. Und in unseren Augen hat nichts definitiv bewiesen, dass dies zu 100 Prozent absichtlich und strafwürdig war“, so Forde weiter.

Auch die anschließende Reaktion von Hill, der van Gisbergen noch unter gelber Flagge einen heftigen Bodycheck verpasste, blieb von den Kommissaren ungeahndet. Ganz ausgestanden ist die Sache für die beiden Kontrahenten aber noch nicht, da die Chefetage ein Nachspiel abseits der Strecke erzwingt. Beide Fahrer müssen am kommenden Rennwochenende zu einem offiziellen Krisengipfel antreten.

Die obersten Regelhüter wollen die Situation beruhigen, bevor die Startflagge beim nächsten Lauf fällt. „Wir wollen ein Gespräch führen und sicherstellen, dass die Sache in Atlanta oder darüber hinaus nicht zu einem erheblichen Problem heranbrodelt“, betonte Forde die Absichten des Verbandes. „Deshalb planen wir, dieses Gespräch am Samstag zu führen.“

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.