Taktik-Schachzug: Warum William Byron trotz Dominanz das Nachsehen hatte
William Byron dominierte weite Strecken des Rennens in Chicagoland, doch am Ende reichte es nur für Platz vier – Der Hendrick-Pilot analysiert, warum der finale Boxenstopp das Ergebnis nicht allein entschied
William Byron hat am Sonntag beim NASCAR-Cup-Rennen auf dem Chicagoland Speedway trotz einer dominanten Vorstellung den greifbaren Sieg aus den Händen gegeben. Der Hendrick-Motorsports-Pilot führte das Feld über weite Strecken an, wurde jedoch beim finalen Boxenstopp-Zyklus unter grüner Flagge rund 53 Runden vor Ende von der Konkurrenz überrumpelt und landete letztlich auf dem vierten Platz.
Ausschlaggebend für die Niederlage war laut Byron aber nicht die Boxenstrategie, sondern der pure Speed der Konkurrenz im entscheidenden Schlussspurt.
Der Wendepunkt kam, als der spätere Rennsieger Chase Briscoe eine Runde früher als Byron zum Service abbog und sich so dank der frischeren Reifen die Führung schnappte. Byron, der bis zu diesem Zeitpunkt das Geschehen diktierte, fand danach kein Vorbeikommen mehr und musste im Finale auch noch Christopher Bell und Denny Hamlin ziehen lassen.
„Letztendlich ist er mir in diesem Stint ohnehin davongefahren“, analysiert Byron den Vorstoß von Briscoe nüchtern. Zwar keimte im Cockpit der Startnummer 24 kurzzeitig noch einmal Hoffnung auf, doch die Gegner waren im Finale im Vorteil. „Ich kam wohl zehn Runden vor Schluss noch einmal nah heran, aber dann war Bell super schnell, und Denny ebenfalls.“
Selbst ein fehlerfreier Stopp hätte den Ausgang des Rennens wohl nicht maßgeblich verändert. „Wer weiß, was passiert wäre, selbst wenn ich die Führung behalten hätte“, grübelt der viertplatzierte Byron nach dem Rennen. „Aber diese Jungs waren im letzten Stint einfach verdammt schnell.“
Dabei erlebte das Team rund um die Startnummer 24 den mit Abstand stärksten Auftritt der bisherigen Saison. Byron fegte im Chevrolet durch das Feld, sicherte sich den Sieg in beiden Stages und spulte 94 Führungsrunden ab. Diese Ausbeute war für den Hendrick-Piloten ein regelrechter Befreiungsschlag, da er an diesem einzigen Nachmittag mehr Runden an der Spitze verbrachte als in den vergangenen 18 Saisonrennen zusammen.
Am Ende fehlten dem Auto schlicht die entscheidenden Nuancen, um den permanenten Druck der Verfolger im Rückspiegel standzuhalten. „Diese Jungs waren einfach schnell“, musste Byron anerkennen. „Selbst als ich führte, konnten sie irgendwie an mir dranbleiben, und bei uns hätte alles absolut perfekt sein müssen.“
„Letztendlich wurden wir bei diesem Boxenstopp-Zyklus überholt, aber sie hatten als Zweitplatzierte eben den Vorteil, genau das tun zu können“, erklärt Byron die strategische Zwickmühle. „Ich habe das Gefühl, wenn ich auf diesem letzten Teilstück perfekt gewesen wäre, hätte ich etwas näher herankommen können, aber wir hatten einfach nicht ganz die Pace, die sie hatten.“
Am Ende entschied auch die Aerodynamik auf dem schnellen Oval über Sekt oder Selters. „Ich denke, das war für uns so ziemlich das Maximum“, bilanziert der Chevrolet-Fahrer. „Sie haben am Ende die saubere Luft bekommen, und dagegen ist es einfach verdammt schwer, sich zu verteidigen.“
Trotz des verpassten Pokals nimmt die Hendrick-Mannschaft eine gehörige Portion Selbstvertrauen mit aus Illinois. Für Byron war das Rennen der ultimative Beweis dafür, dass die Formkurve der eigenen Autos nach oben zeigt und man die Lücke zur dominanten Toyota-Phalanx schließt. Bereits vor drei Wochen in Pocono fuhr Byron als Dritter aufs Podest, was den Aufwärtstrend auf den klassischen Ovalen untermauert.
„We müssen jetzt einfach Schritt für Schritt weiter herankommen und hoffentlich noch ein bisschen was finden“, blickt Byron kämpferisch auf die kommenden Aufgaben.
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Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.





