Siegen oder Schrott“: Garet Williamson bricht den Bann in der World of Outlaws

Siegen oder Schrott“: Garet Williamson bricht den Bann in der World of Outlaws
Foto: World of Outlaws / Tyler Carr

Nach unzähligen Rückschlägen und verpassten Chancen hat Garet Williamson endlich seinen ersten Sieg bei den World of Outlaws eingefahren – Nur 24 Stunden später feierte Carson Macedo nach einem heftigen Logistik-Drama eine triumphale Rückkehr in die Victory-Lane

Garet Williamson hat am Freitag auf dem River Cities Speedway in Grand Forks seinen allerersten Sieg in der World of Outlaws Sprint Car Series gefeiert, ehe Carson Macedo am Samstag auf dem Fix It Forward Speedway in West Fargo triumphierte. Der 26-jährige Williamson setzte sich im 40 Runden langen Hauptrennen gegen Titelverteidiger David Gravel durch und beendete damit eine lange Serie bitterer Enttäuschungen. Für Macedo markierte der Erfolg beim Danny Schatz Memorial wiederum das Ende einer 24 Rennen andauernden Durststrecke, nachdem sein Team tags zuvor noch mit massiven Transporter-Problemen gekämpft hatte.

Für Williamson fiel im „Peace Garden State“ North Dakota eine gewaltige Last von den Schultern. In der laufenden Saison 2026 hatte der Pilot aus Columbia im US-Bundesstaat Missouri reihenweise Rückschläge weggesteckt: ein Crash in Führung liegend im Juni im Angell Park, der dramatische Führungsverlust kurz vor der weißen Flagge in Wilmot und der verpasste Triumph beim prestigeträchtigen Kings Royal auf dem Eldora Speedway.

Auf dem feuchten Viertelmeilen-Dirt-Track von Grand Forks startete Williamson neben Polesetter David Gravel aus der ersten Reihe. Gravel übernahm zunächst das Kommando, doch Williamson lauerte im dichten Überrundungsverkehr auf seine Chance. Im 26. Umlauf setzte der Fischer-Motorsports-Pilot in den Kurven 3 und 4 das entscheidende Manöver und entriss dem Champion die Führung.

„Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll“, rang Williamson im Ziel nach Worten. „Ich saß vor dem Start im Auto und hatte einfach so ein Gefühl. Wir waren so oft nah dran und ich konnte das Gerede darüber einfach nicht mehr hören – den Jungs ging es genauso. Ich wollte es einfach zu Ende bringen, koste es, was es wolle.“

Williamson ging im Rennen volles Risiko und ließ sich auch von den Gelbphasen nicht aus dem Rhythmus bringen. „Ich war frustriert, denn immer wenn wir in den Verkehr kamen, schien eine Caution nach der anderen zu folgen“, erklärte er. „Meine Teambesitzer sagten mir vergangene Woche: ‚Es ist uns egal, ob du die Karre im Verkehr wieder zerlegst – mach nur nicht das Gleiche wie vergangene Woche.‘ Mann, ich habe dem Ding die Sporen gegeben! Entweder gewinnen wir das Rennen, oder wir machen Schrott daraus.“

Mit diesem Erfolg trug sich Williamson in seinem 163. Feature-Start als 159. Laufsieger in die Geschichtsbücher der Serie ein. Er ist erst der fünfte Fahrer aus Missouri nach Danny Lasoski, Brian Brown, Ken Schrader und Gary Scott, dem ein Sieg bei „The Greatest Show on Dirt“ gelang. Hinter ihm kamen Gravel, Michael „Buddy“ Kofoid, Spencer Bayston und Logan Schuchart ins Ziel.

Nur einen Tag später folgte auf dem Fix It Forward Speedway die nächste packende Wendung. Carson Macedos Rennteam Jason Johnson Racing hatte am Freitag aufgrund von Pannen am Teamtransporter das Rennen in Grand Forks komplett verpasst. Macedo war dort kurzfristig mit einem Ersatzwagen seines Bruders Cole angetreten, schied jedoch nach einem Unfall vorzeitig aus.

Am Samstag war das Einsatzfahrzeug rechtzeitig einsatzbereit und Macedo pflügte von Startplatz sechs in Windeseile durch das Feld. Bereits in Runde 15 übernahm er das Zepter von Bill Balog und fuhr souverän zu seinem fünften Saisonsieg sowie dem 63. Triumph seiner Karriere. Williamson verpasste den perfekten Doppelschlag als Zweiter nur knapp, während Balog das Podest komplettierte.

„Wir hatten zuletzt eine Phase, in der wir immer dann, wenn wir schnell waren, ein wenig Pech hatten“, bilanzierte Macedo seinen Befreiungsschlag. „Ich kann es nicht wirklich erklären, aber so läuft es im Motorsport manchmal. Jason Meyers sagte mir mal: ‚Wenn du einen Lauf hast, läuft es. Aber wenn es kalt ist, kommt man nur schwer aus dem Winter heraus.‘“

Den Grundstein für die Machtdemonstration legte laut Macedo vor allem die Crew an den Schraubenschlüsseln. „Das ging voll auf das Konto von Crew-Chief Philip Dietz. Das Auto war absolut unglaublich und mit großem Abstand das beste im Feld. Ich konnte einfach die Linie wechseln und an den anderen vorbeiziehen. Hut ab vor Philip, er hat den Wagen über den Abend hinweg immer noch besser gemacht.“

Michael „Buddy“ Kofoid hat am Montagabend den wegen Regens zweifach verschobenen Abschluss des North-Dakota-Tripleheaders auf dem Nodak Speedway in Minot gewonnen. Der 24-jährige Kalifornier rang im Gerdau Metals Recycling Magic City Showdown nach einem atemberaubenden Duell Carson Macedo nieder und sicherte sich seinen elften Saisonsieg. Hinter dem Spitzenduo komplettierte Sheldon Haudenschild das Podium.

Vom Start weg diktierte Polesetter Macedo im Wagen von Jason Johnson Racing das Geschehen an der Spitze, geriet jedoch in Runde acht erstmals in dichten Überrundungsverkehr. Kofoid nutzte die Lücke sofort und setzte in den Kurven 1 und 2 zu einem aggressiven Slide-Job an. Macedo konterte postwendend mit einem Crossover-Manöver, bei dem sich beide Boliden leicht berührten. Kofoid fackelte nicht lange, stach in Kurve 3 erneut innen durch, machte die Tür rigoros zu und riss die Führung wieder an sich.

„Als ich den Slide-Job gegen ihn gefahren bin und er mich unten wieder ausgekontert hat, wurde es schon ganz schön haarig“, rekapitulierte Kofoid die wilde Anfangsphase. „Ich bin einfach nur froh, dass wir beide weiterfahren und den Fans eine so fantastische Show liefern konnten.“

In der Schlussphase schloss Macedo im Verkehr wieder bis auf wenige Zentimeter auf den Führenden auf. Beim Schwenken der weißen Flagge setzte er in den finalen Kurven alles auf eine Karte und feuerte einen beherzten Slide-Job an Kofoid vorbei. Doch der Roth-Motorsports-Pilot behielt kühlen Kopf, tauchte am Kurvenausgang wieder innen durch und rettete den Sieg hauchdünn über die Linie.

„Es war verdammt knifflig da draußen“, schilderte Kofoid die entscheidenden Meter. „Ich habe die ganze Zeit die obere Linie attackiert, merkte aber, wie ich immer mehr rutschte. Als vor mir zwei Autos aneinandergerieten, musste ich lupfen, weil ich nicht wusste, wo sie hinwollten – genau das hat Carson die Tür noch einmal geöffnet. Ich hatte die Außenbahn schon fast aufgegeben, aber nach der Zielflagge merkte ich, dass sie immer noch funktionierte.“

Mit diesem Erfolg ist Kofoid nun der alleinige Spitzenreiter bei den Siegen in der laufenden Saison 2026. Insgesamt steht er bei 33 Karriereerfolgen, von denen er 31 für den Rennstall von Dennis und Teresa Roth einfuhr. Macedo blieb nach dem dramatischen Fotofinish der zweite Platz, gefolgt von Haudenschild, Grand-Forks-Sieger Williamson und Spencer Bayston.

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.