Nach NASCAR-Einsatz im Privatjet: Kyle Larson siegt spektakulär bei den Knoxville Nationals

Nach NASCAR-Einsatz im Privatjet: Kyle Larson siegt spektakulär bei den Knoxville Nationals
Foto: Tyler Carr / World of Outlaws

Eigentlich sollte sein Sprint-Car am Samstagabend gar nicht erst starten, doch das Wetter spielte Kyle Larson perfekt in die Karten – Nach seinem NASCAR-Rennen in Richmond jettete der US-Amerikaner nach Knoxville und fuhr zum vierten Nationals-Titel seiner Karriere

Kyle Larson hat in der Nacht auf Sonntag die 65. Auflage der traditionsreichen Knoxville Nationals auf dem berühmten Knoxville Raceway in Iowa gewonnen. Nach seinem NASCAR-Cup-Einsatz in Richmond reiste der Kalifornier per Privatjet und mit Polizeieskorte pünktlich zum Finale an, übernahm von der Pole-Position das Kommando und fuhr in einem dominanten 50-Runden-Lauf zu seinem vierten Titel beim prestigeträchtigsten Sprint-Car-Rennen der Welt.

Eigentlich stand der Start des Silva-Boliden mit der Startnummer 57 auf der Kippe, da Larson zeitgleich für Hendrick Motorsports auf dem Richmond Raceway in der NASCAR Cup Series antrat und dort Rang sechs belegte. Der ursprüngliche Plan sah vor, dass Crew-Mitglied Trevor Canales den Sprint-Car lediglich starten und nach Freigabe abstellen sollte. Doch Dauerregen über Iowa verzögerte das Programm in Knoxville entscheidend und eröffnete Larson ein unverhofftes Zeitfenster.

Hendrick-Crew-Chief Cliff Daniels schmiedete noch während des Cup-Laufs den Notfallplan, woraufhin Larsons Flug nach Iowa zum meistbeobachteten Flug des Abends im Internet avancierte. Genau zum Start des C-Mains setzte der Jet auf, ehe Larson im Eiltempo an die Strecke gebracht wurde. Pünktlich zur Fahrervorstellung saß der Superstar in seinem Arbeitsgerät, um das Feld von der ersten Startposition ins 200.000 US-Dollar schwere Hauptrennen zu führen.

„Es ist absolut surreal“, fasste ein sichtlich bewegter Larson den Tag zusammen. „Wenn man über die Gefühle nachdenkt: In den vergangenen Tagen hatte ich mich emotional schon damit abgefunden, nicht fahren zu können, auch wenn man wegen des Wetterberichts noch einen kleinen Funken Hoffnung hatte.“

„Als ich ins Cup-Auto stieg, zeigte die Vorhersage für 18 Uhr nur zehn Prozent Regenrisiko, da war ich kurz niedergeschlagen und konzentrierte mich voll auf Richmond“, verriet Larson weiter. „Wir hatten zu kämpfen, verbesserten uns aber, und plötzlich funkte Cliff, dass es in Knoxville eine Regenverzögerung gibt und noch nicht einmal die Trainingsrunden liefen. Da bekam ich sofort einen Adrenalinkick. Es ist einfach wild, wie ich heute Nacht hier gelandet bin.“

Im 50 Runden langen A-Main ließ der Silva-Pilot der Konkurrenz keine Chance, kontrollierte das Geschehen vom Start weg und feierte einen souveränen Start-Ziel-Sieg. Sheldon Haudenschild und Kasey Kahne versuchten in verschiedenen Rennphasen Druck auszuüben, fanden auf dem griffigen Halbmeilen-Oval jedoch kein Mittel gegen den Führenden. Hinter Sieger Larson sicherte sich Haudenschild Rang zwei vor Kahne, James McFadden und Logan Schuchart.

„Kasey ging früh an mir vorbei und ich folgte ihm eine ganze Weile, während Kyle einfach immer weiter davonzog“, rekapitulierte Haudenschild sein Rennen. „Ich bin überhaupt nicht frustriert, denn wir hatten eine großartige Woche und endlich den nötigen Grundspeed. Ganz ehrlich: Ich bin froh, dass Kyle es geschafft hat. Wenn ich dieses Rennen gewinnen will, dann will ich ihn und die Besten der Welt schlagen.“

Auch Kahne zeigte sich nach Rang drei hochzufrieden mit seinem Auftritt im eigenen Boliden: „Ich lag auf Rang zwei und habe alles versucht, um an Kyle dranzubleiben. Er zog zwar langsam weg, aber wir waren in einer sehr guten Position. Während der Rotphase haben wir noch etwas am Auto gearbeitet, und in den zweiten 25 Runden konnte ich bei perfekten Runden seine Zeiten mitgehen.“

Mit seinem vierten Knoxville-Nationals-Sieg schloss Larson in der ewigen Bestenliste zu Legenden wie Kenny Weld und Danny Lasoski auf. Zudem krönte er eine makellose Woche: Nach Siegen beim Capitani Classic, dem Front Row Challenge und seinem Vorlauf am Donnerstag feierte Larson seinen 16. Gesamtsieg auf dem Knoxville Raceway und den 40. Erfolg in der World of Outlaws.

Den Grundstein für die Pole-Position im Finale hatte Larson bereits am Donnerstagabend bei der Toyota Qualifying Night gelegt. Von Startplatz acht aus kämpfte er sich nach vorne und rang Leader Garet Williamson sechs Runden vor Schluss mit einem beherzten Move nieder. „Garet hat beim ersten Restart etwas gemacht, womit ich nicht gerechnet hatte“, so Larson nach seinem Vorlaufsieg. „Ich habe daraus gelernt, nutzte unten in Kurve eins den Platz für den Slidejob und zog außen wieder vorbei.“

Der Auftakt am Mittwoch hatte den Fans bereits ein Finish für die Geschichtsbücher beschert. Sheldon Haudenschild fing James McFadden und den lange führenden Jace Park in der letzten Kurve auf der Innenbahn ab und triumphierte mit einem hauchdünnen Vorsprung von 0,006 Sekunden im Fotofinish.

„Ich schreibe mich niemals vorzeitig ab“, jubelte Haudenschild am Mittwoch. „Die beiden vor mir haben in der letzten Runde Spielchen gespielt, und als die 21 quer über die Strecke rutschte, wusste ich: Wenn ich meine Linie treffe, habe ich eine Chance.“ McFadden ärgerte sich hingegen über den verpassten Sieg: „Der Überrundete war zuvor jede Runde unten gefahren, verpasste aber die Linie. Ich habe die falsche Spur gewählt und Sheldon die Tür geöffnet. Das ist eben Racing, Mann.“

Auch Sprint-Car-Ikone Donny Schatz sorgte für Schlagzeilen, als er das witterungsbedingt auf den Samstagnachmittag verlegte FVP-Vorlaufrennen dominierte. Der elfmalige Knoxville-Champion pflügte von Startplatz sieben an die Spitze und sicherte sich seinen 31. Knoxville-Erfolg. „Die Jungs haben einen grandiosen Job gemacht und die Strecke kam uns absolut entgegen“, erklärte Schatz, der sich damit trotz eines schwierigen Wochenendes noch einmal eindrucksvoll in Szene setzte.

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.