Carson Hocevar polarisiert: Warum dem Youngster niemand helfen will
Carson Hocevar bringt frischen Wind in die NASCAR Cup Series, doch macht er sich damit nicht nur Freunde: Wurde er in Atlanta deshalb von der Konkurrenz links liegen gelassen?
Carson Hocevar findet Woche für Woche neue Fans, die den 23-Jährigen vergöttern. In den Kommentarspalten in den sozialen Medien wird er bereits als „Retter der NASCAR“ bezeichnet. Auf der Strecke und im Fahrerlager sieht die Stimmung jedoch etwas anders aus, denn seine Fahrweise und seine Aussagen stoßen immer wieder auf Widerstand, weshalb er laut Denny Hamlin in Zukunft Probleme bekommen wird.
Dabei ist es erfrischend, wie Hocevar mit seiner jugendlichen Fröhlichkeit die Top-Liga der NASCAR aufmischt. Er streamt regelmäßig auf Twitch und ist damit seinen Fans so nahe wie kein anderer Fahrer. In Atlanta durften Fans ihre Fanshirts anderer Fahrern gegen Merch aus seinem Bestand eintauschen – da klingelte bei seinem Erzrivalen Zane Smith sicherlich die Kasse, auch wenn die Shirts am Ende in der Tonne von Hocevar landeten.
In der letzten Caution trällerte er seinen Ohrwurm, woraufhin sein Crew-Chief Lucas Lambert Cutting Crew „(I just) Died in Your Arms Tonight“ über den Funk abspielte – als „extra Motivation“. In den Interviews sagt Hocevar immer wieder, wie sehr er als Kind Fan der NASCAR war, und jetzt einfach seinen Traum leben will. Für Kinder nimmt er sich immer viel Zeit und schreibt Autogramme ohne Ende.
Das klingt doch eigentlich super sympathisch und nach einer Geschichte, die das Fahrerlager inspirieren sollte. Doch sein aggressiver Fahrstil, seine Äußerungen über andere Piloten und seine „Leck-mich-am-Arsch“-Einstellung werden unter den anderen Piloten nicht besonders positiv aufgenommen. Nicht nur Smith gehört zu den Kritikern, der in Atlanta betonte: „Ich mag Carson einfach nicht.“
„Es gab heute in unserer Besprechung [von Joe Gibbs Racing und 23XI Racing] Fahrer, die gesagt haben, dass sie Carson Hocevar unter keinen Umständen zu einem Sieg anschieben werden“, sagt Hamlin in seinem Podcast Actions Detrimental. „Absolut nicht. Sie würden jeden anderen anschieben. Du kannst sie auf und abseits der Strecke nicht so respektlos behandeln.“
Ist das auch der Grund, warum Hocevar auf dem EchoPark Speedway letztlich keine Chance auf den Sieg hatte? Rennsieger Ryan Blaney wurde von Christopher Bell zum Sieg geschubst, Bubba Wallace bekam die Unterstützung von Ty Gibbs. Beim Zielsprint bekam Hocevar in der Mitte der Threewide-Situation keinerlei Unterstützung, die bei den Windschattenschlachten so wichtig ist. Zufall? Oder doch Kalkül der Konkurrenz?

„Aber ich meine, als Konkurrent stimme ich der Analyse von [Jeff] Burton und Jamie [McMurray] weitgehend zu. Du fährst keine Rennen gegen die Fans, du fährst gegen deine Konkurrenten, und von denen gibt es mehr als von dir“, so Hamlin weiter.
„Und die Konkurrenten spielen definitiv eine große Rolle dabei, wie du Woche für Woche abschneidest. Ich denke also ganz sicher, dass solche Worte in einem Interview zwar gut klingen mögen, sie dir aber am Ende eines Rennens manchmal deine Platzierung im Ziel kosten können.“
„Du kannst den Fahrern nicht sagen: ‚Wenn ihr Krieg wollt, könnt ihr ihn haben‘, und dann erwarten, dass sie dir auf der Rennstrecke helfen. Und außerdem weiß ich zwar nicht, ob Bell so gedacht hat, aber wenn man sich Bells Tabellensituation ansieht, ist es für ihn die bessere Entscheidung in der Gesamtwertung, Blaney anzuschieben, anstatt Hocevar.“
„Bell wird immer die Entscheidung treffen, von der er glaubt, dass sie ihm das beste Endergebnis bringt. Ich denke, es gibt einige Fahrer, die in einem Sekundenbruchteil aus Kurve 4 heraus – wo man die Wahl hat – erkennen können, welches Auto den nötigen Schwung hat, um an demjenigen vorbeizuziehen, gegen den sie gerade fahren.“
„Was gut für Klicks ist, ist nicht immer gut für den Wettbewerb“, so Hamlin weiter. Er vergleicht den Youngster mit Dale Earnhardt Sr., der für seinen aggressiven Fahrstil bekannt war, sich aber auch entschuldigt hat. Zudem bringt er die Fehde zwischen Joey Logano und Matt Kenseth an. Logano äußerte sich kürzlich, dass er Kenseth niemals anders auf der Strecke behandelt hätte, aber in der Retrospektive das Gespräch gesucht hätte, um den legendären Martinsville-Vorfall zu verhindern.
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Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.






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