Millimeter-Krimi nach Mitternacht: Blaney siegt im wilden Threewide-Finish von Atlanta
Ein bärenstarker Ryan Blaney dominierte das Geschehen auf dem EchoPark Speedway, musste am Ende aber bis zum allerletzten Meter zittern – Dank tatkräftiger Schützenhilfe aus dem gegnerischen Lager rettete der Penske-Pilot den Sieg hauchdünn über die Ziellinie
In der Nacht von Sonntag auf Montag bezwang der ehemalige NASCAR-Champion Ryan Blaney nicht nur das Wetter-Chaos, sondern auch die Konkurrenz auf dem EchoPark Speedway in Atlanta. Nach einer dominanten Vorstellung im Overtime-Krimi sicherte er sich den Sieg beim Quaker State 400.
Der Penske-Pilot führte überragende 171 von 263 Runden an und krönte sein bärenstarkes Rennen mit einem spektakulären Manöver in der letzten Runde, das ihm den zweiten Saisonsieg bescherte.
Für Ford war der Erfolg auf dem blitzschnellen 1,5-Meilen-Oval ein historischer Meilenstein, denn Blaney bescherte dem US-Hersteller den geschichtsträchtigen 750. Triumph in der NASCAR Cup Series. Auf dem Weg dorthin musste der 32-Jährige allerdings bis zur allerletzten Millisekunde beißen, als das Feld in einem wilden Overtime-Finale völlig unkontrolliert und Stoßstange an Stoßstange Richtung Ziellinie jagte.
Der entscheidende Impuls kam schließlich von Toyota-Pilot Christopher Bell, der Blaney anschob, während Carson Hocevar beim Überqueren der weißen Flagge noch die Nase vorn hatte. Ein epischer Dreikampf auf den letzten Metern endete mit einer bitteren Strafe für Bubba Wallace wegen einer Vorteilsnahme unter der gelben Linie, wodurch Bell offiziell Rang zwei mit nur 0,068 Sekunden Rückstand erbte.
„Ziemlich verrückt“, kommentierte ein sichtlich erleichterter Blaney seinen Husarenritt im Ziel. „Bubba gab mir beim Restart super Anschubhilfe, wir haben uns richtig gut eingeklinkt und bekamen mächtig Schwung auf der Start-Ziel-Geraden, wodurch ich außen an Carson vorbeigehen konnte.“
Besonderen Dank schickte der Polesetter und zweifache Stage-Sieger an einen Konkurrenten aus dem gegnerischen Toyota-Lager. „Ich muss Christopher Bell ein riesiges Lob aussprechen, der mir in den Kurven drei und vier direkt an der Stoßstange hing und mich massiv angeschoben hat. Er war ein Hauptgrund für diesen Sieg, danke dafür, Christopher.“
Das packende Finish entschädigte die Fans für eine lange Geduldsprobe, nachdem eine mehr als dreistündige Regenunterbrechung das Rennen in der 108. Runde lahmgelegt hatte. Neben Blaney stahl vor allem Youngster Hocevar im Chevrolet die Show, der am Ende den dritten Platz belegte, nachdem er vor dem finalen Restart sogar noch gut gelaunt „(I Just) Died In Your Arms“ von Cutting Crew geträllert hatte.
„Gibt es eigentlich ein Zeichen für Verlierer, weil wir nicht gewonnen haben?“, scherzte Hocevar trotz der knapp verpassten Sensation. „Ich bin extrem glücklich mit unserem Tag, denn anfangs des dritten Segments habe ich noch entspannt in die Zuschauerränge geschaut, bevor wir zwölf Runden vor Schluss plötzlich vorne voll um den Sieg kämpften.“
Hinter Hocevar komplettierten Ty Gibbs und Erik Jones die Top 5, während Rundkurs-Spezialist Shane van Gisbergen mit Platz sechs ein weiteres Ausrufezeichen auf einem Oval setzte. In der Meisterschaft konnte Tyler Reddick als Achter den Rückstand auf Leader Denny Hamlin verkürzen, während Blaney sich mit diesem Befreiungsschlag wieder mitten in den Kampf um die Regular-Season-Krone katapultierte.
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Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.





