NASCAR Whelen Euro Series

Casoli über ihre Anfänge im SimRacing: “Ich bin eine absolute Anfängerin!”

NASCAR Whelen Euro Series / Guillaume Hesnault

Mit der Einführung der EuroNASCAR Esports Series haben viele Rennfahrer erstmals die virtuelle Rennsport-Welt betreten – Auch Arianna Casoli muss sich noch an die neue Herausforderung gewöhnen

Als die Coronavirus-Pandemie weltweit den Motorsport lahmgelegt hat, sprossen überall SimRacing-Meisterschaften aus dem Boden. Die NASCAR Whelen Euro Series (NWES) arbeitete ebenfalls hart an einer Lösung und präsentierte dann die EuroNASCAR Esports Series (ENES) für die Fahrer und Teams der NWES. Viele Fahrer, darunter auch Arianna Casoli, mussten sich an die neue Disziplin aber erst einmal gewöhnen.

“Ich bin eine absolute SimRacing-Anfängerin und erstmals ein Auto der NASCAR Cup Series zu fahren war wie ein Trauma”, scherzt die Italienerin gegenüber ‘Leadlap.de’. “Ich musste erst einmal alles lernen: wie ich die Simulation installiere, ein Profil erstelle, wie die Simulation funktioniert, wie das Auto sich verhält und so weiter. Wenn du das einmal geschafft hast, geht es nur noch darum, das Auto zu fahren.”

Eine echte Herausforderung

Da iRacing – auf dieser Simulation basiert die ENES – zu den realistischsten, aber auch schwierigsten Softwares gehört, ist es für Rennfahrer nicht einfach, sich an diese Art von Rennsport zu gewöhnen. Die Piloten bekommen das Feedback des Autos nur über das Lenkrad und die Pedale weitergegeben und das ist für viele reale Rennsportler einfach eine ungewohnte Situation.

“Ich muss mich an die Simulation gewöhnen und lernen, wie ich vom physischen zum virtuellen Gefühl wechsle”, erklärt Casoli. “Ich muss erst einmal lernen, auf die neuen Einflüsse zu reagieren, um auf der Strecke zu überleben.” Dabei spielt auch die Frustration eine große Rolle, denn zu Beginn hat Casoli – wie viele SimRacing-Beginner auch – oft Bekanntschaft mit der Streckenbegrenzung gemacht. Jedoch bekommt die NWES-Pilotin ihr virtuelles Gefährt immer besser in den Griff.

Da Casoli nur begrenzte Zeit zum Trainieren hat, steckt sie sich in der ersten ENES-Saison keine großen Ziele. Für die CAAL-Racing-Fahrerin wäre es schon ein Erfolg, sich bei einem Event für das Hauptrennen mit 36 Startplätzen zu qualifizieren. Dafür will Casoli hart arbeiten und sich stetig verbessern.

Was können Rennfahrer von der Simulation lernen?

Credits: Michael Großgarten

Doch kann ihr Start in der ENES 2020 auch Auswirkungen auf die reale NWES-Saison haben? Casoli ist geteilter Meinung, ob der virtuelle Rennsport helfen kann, sich als Rennfahrer zu verbessern. Die Italienerin sieht sowohl positive als auch negative Faktoren, die Einfluss auf die Entwicklung eines Rennsportlers haben könnten.

“Es hilft sicher, die Strecken zu lernen”, erklärt sie. “So können wir die schwierigen Stellen auf einer Strecke erkennen und üben. Außerdem hilft die Simulation, die Konzentrationsfähigkeit zu trainieren und am Setup zu arbeiten. Wir können so viele Tests fahren, wie wir wollen, ohne Risiko und ohne hohe Kosten.”

Jedoch sieht sie auch ein Risiko: “Das kann den realen Motorsport aber nicht ersetzen, weil sowohl physische als auch psychologische Faktoren in der virtuellen Welt einfach verloren gehen. Es ist ein Spiel, das Spaß macht und helfen kann, aber letztlich nur ein Spiel bleibt.” Das ist aber noch nicht der wichtigste Punkt, den Casoli kritisch sieht.

“Ich habe Angst davor, dass die neue Generation nur noch Simulationen nutzt, um schnell zu werden”, so Casoli weiter. “Dabei könnten die jungen Fahrer einen wichtigen Teil des Lernprozesses verpassen. Sie lernen so vielleicht nicht, was es heißt, einen Unfall zu haben oder ihn zu verhindern und das könnte dazu führen, dass sie in ihrem Gehirn den Sinn für Sicherheit ausschalten. Die ESC-Taste gibt es in der Realität einfach nicht.” Laut Casoli gibt es sehr viele Faktoren, die wichtig sind, um ein guter Rennfahrer zu werden und diese können nur in der Realität erlernt werden.

Ein Blick auf die reale NWES-Saison 2020

Im Jahr 2020 wird Casoli in der EuroNASCAR-2-Meisterschaft mit CAAL Racing sowohl um die Lady Trophy als auch Legend Trophy kämpfen. Mit Julia Landauer hat die Italienerin in der Frauenwertung harte Konkurrenz bekommen. Doch Casoli greift auf vier Jahre NWES-Erfahrung zurück. Außerdem bekommt sie mit Gianmarco Ercoli einen neuen Teamkollegen, da Alon Day zu PK Carsport gewechselt ist.

“Ich freue mich darauf, das Auto mit Gianmarco zu teilen”, sagt Casoli. “Er ist jung, schnell und es wird großen Spaß machen, mit ihm zusammenzuarbeiten.” Aufgrund der Coronavirus-Pandemie und der damit verbunden schwierigen Zeit möchte Casoli für die Saison 2020 noch keine echten Ziele setzen. Sie sagt, sie wolle “Spaß” haben und mit dem Team “das Beste” geben.

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