Crew-Chief-Wechsel bei Kyle Busch: Street übernimmt für Pohlmann
Richard Childress Racing ersetzt wegen einer anhaltenden Krise Crew-Chief Jim Pohlmann durch Andy Street in der NASCAR Cup Series – Das Team reagierte damit auf den schwächsten Saisonstart von Kyle Busch seit zwei Jahrzehnten
760 Rennen, 254 Top-5-Ergebnisse, 63 Siege und damit Platz neun in der ewigen Bestenliste (Stand April 2026) – diese Statistiken sprechen eigentlich für sich, wenn es um Kyle Busch geht. Doch sein Start in die Saison 2026 markiert einen Tiefpunkt seit 22 Jahren. Richard Childress Racing (RCR) zieht nun die Reißlein und ersetzt Crew-Chief Jim Pohlmann mit sofortiger Wirkung durch Andy Street.
Street übernimmt die Rolle und nimmt vorerst bis zum Saisonende auf dem Kommandostand der Startnummer 8 Platz. Wie der Rennstall am Montag bekannt gab, bleibt Pohlmann der Organisation erhalten und wechselt intern in die Wettbewerbsabteilung.
Zuvor hatte Pohlmann in der O’Reilly Series bewiesen, dass er Erfolge liefern kann, und führte 2024 Justin Allgaier zum Titel in der zweiten Liga, doch die Chemie zwischen ihm und Busch wollte einfach nicht zünden. Abgesehen von einer Pole-Position beim Daytona 500 sorgte die Kombination für keine Nenneswerten Erfolge.

Ein bekanntes Gesicht kehrt zurück
Mit Andy Street kehrt nun ein bekanntes Gesicht zurück. Er arbeitete bereits in den letzten Rennen der Saison 2025 mit Busch zusammen, nachdem der langjährige Crew-Chief Randall Burnett das Team verlassen hatte. Street ist seit zwei Jahrzehnten fester Bestandteil von RCR und war zuletzt als Performance-Leiter tätig.
Seine Bilanz als Team-Chief in der zweiten Liga ist sehenswert: In 167 Rennen in der O’Reilly Series feierte er elf Siege, führte Austin Hill 2024 ins Finalrennen und verhalf Myatt Snider zu dessen einzigem Karrieresieg.
Ein Blick auf die Zahlen zeigt, warum RCR zum Handeln gezwungen war. In den letzten fünf Rennen der Saison 2025 unter Streets Leitung fuhr Busch die Plätze 34 (nach Unfall), acht, 19, 13 und einen starken fünften Platz beim Saisonfinale ein. Davon ist man aktuell weit entfernt: Nach zehn absolvierten Rennen in diesem Jahr steht für Busch lediglich ein einziges Top-10-Ergebnis zu Buche – ein zehnter Platz am vergangenen Sonntag auf dem Talladega Superspeedway.
Nach dieser Durststrecke ist Busch nur 27. in der Gesamtwertung und liegt insgesamt 66 Punkte hinter dem letzten Spot im Chase, in dem die 16 bestgewerteten Fahrer der Saison um den Titel kämpfen.

Kritik von Denny Hamlin
Die Krise des Routiniers blieb auch der Konkurrenz nicht verborgen. Denny Hamlin analysierte den Performance-Einbruch seines ehemaligen Teamkollegen bereits in seinem Podcast Actions Detrimental und unterstellte Busch, dass er mit dem „Next Gen“-Auto schlichtweg nicht mehr klarkomme.
„Rein vom Talent her kann ich Kyle Busch nicht mal den Helm halten“, gab Hamlin zu. „Aber das hier ist nicht neu. Er kämpft jetzt seit fünf Jahren. Wir müssen ehrlich sein, was unsere Erwartungen angeht. Wer glaubt, dass Kyle Busch einfach so wieder regelmäßig in die Victory-Lane fährt, macht sich selbst etwas vor und wird bitter enttäuscht werden.“
Busch, der von 2008 bis 2022 bei Joe Gibbs Racing an Hamlins Seite fuhr, reagierte gewohnt dünnhäutig auf die Kritik: „Die Leute haben keine Ahnung, wovon zur Hölle sie reden. Und in diesem Fall habe ich das Gefühl, dass nicht mal Denny Hamlin weiß, wovon er spricht. Er kann mich so viel bashen, wie er will – ich kann ihm das Leben auf der Strecke definitiv zur Hölle machen.“
Busch wechselte 2023 zu RCR, nachdem er sich mit JGR nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen konnte. Sein Einstand bei Childress war mit drei Siegen und einem zwischenzeitlichen dritten Platz in der Tabelle erfolgreich, doch seither zeigt die Kurve steil nach unten. Nachdem Randall Burnett das Team im Winter verlassen hatte, sollte eigentlich Pohlmann die Wende bringen – ein Plan, der nun vorzeitig begraben wurde.

Hoffnung bei RCR
„Bei diesem Wechsel geht es darum, unsere Leute in die bestmögliche Position zu bringen, um erfolgreich zu sein“, erklärte Richard Childress. „Wir haben enorme Talente in dieser Organisation und konzentrieren uns darauf, jeden an der richtigen Stelle einzusetzen, um die Ergebnisse zu liefern, die wir von uns selbst erwarten.“
Auch RCR-Präsident Mike Verlander untermauerte die Entscheidung: „Wir glauben fest an unsere Mitarbeiter. Gleichzeitig erwarten wir bessere Resultate, und das erfordert kontinuierliche Evaluation und Anpassung. Jim Pohlmann blickt auf zwei Jahrzehnte voller Erfolg in diesem Sport zurück und bleibt ein wichtiger Pfeiler unseres Teams. Aber wir sind überzeugt, dass Andy Street durch seine bisherige Arbeitsbeziehung mit Kyle die Nummer 8 wieder nach vorne bringt, damit wir auf höchstem Niveau konkurrenzfähig sind.“
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Autor(en)
Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.
Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.






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