Nur noch vier Oval-Schauplätze: IndyCar fahndet nach neuen Rennen für 2028

Nur noch vier Oval-Schauplätze: IndyCar fahndet nach neuen Rennen für 2028
Foto: Penske Entertainment: Chris Owens

Die IndyCar-Serie droht ihr markantestes Markenzeichen zu verlieren, denn für die Oval-Liebhaber bleiben im Kalender kaum noch Stationen übrig – Serienpräsident Doug Boles kündigt nun eine gezielte Suche nach neuen Austragungsorten an, während Nashville zurück auf die Straße drängt

Die IndyCar-Serie schlägt Alarm bei der Suche nach ihrer eigenen Identität: Nach den Plänen zur Rückkehr des Stadtrennens in der Innenstadt von Nashville steht die US-Formelserie vor einer massiven Verknappung ihrer Ovale mit Steilkurven. Serienpräsident Doug Boles hat deshalb öffentlich klargestellt, dass die Aufnahme neuer Ovalrennen ab der Saison 2028 oberste Priorität genießt. Die Serie will verhindern, dass ihre traditionsreiche DNS durch das drückende Übergewicht von zwölf Rund- und Stadtkursen vollends unter die Räder gerät.

Aktuell liest sich die Liste der Schauplätze für Highspeed-Liebhaber ernüchternd kurz. Gerade einmal vier Strecken – der Phoenix Raceway im März, der legendäre Indianapolis Motor Speedway im Mai, der World Wide Technology Raceway im Juni sowie das Doppel-Event auf der Milwaukee Mile Ende August – halten die Fahne der klassischen Ovale hoch. Fünf Wertungsläufe auf vier Schauplätzen bilden die magere Ausbeute einer Disziplin, die den US-Formelsport über Jahrzehnte hinweg weltweit berühmt gemacht hat.

Auslöser der aktuellen Diskussionen ist der Nashville Superspeedway, der ab dem kommenden Juli wohl von der Bildfläche verschwinden wird. Event-Promotor Scott Borchetta arbeitet mit Nachdruck daran, den Grand Prix wieder mitten in die Häuserschluchten der Musikmetropole zu verlegen. Die IndyCar-Führung unterstützt diesen Vorstoß, will den Verlust des 1,33-Meilen-Ovals in Tennessee jedoch keineswegs tatenlos hinnehmen.

„Ich denke, Nashville ist eine enorm wichtige Gemeinschaft für uns“, erklärt Serienchef Doug Boles die Gemengelage. „Es ist eine pulsierende Stadt mit unzähligen Aktivitäten abseits der eigentlichen Rennstrecke. Daher hat es für uns absolute Priorität, nach Nashville zurückzukehren – insbesondere direkt ins Zentrum, wo wir genau jene Energie entfachen können, die wir dort in den ersten Jahren gespürt haben.“

Gleichzeitig verschließt Boles nicht die Augen vor den Hürden, die eine solche Straßenschlacht mit sich bringt. „Es gibt einige Herausforderungen, um dieses Ziel zu erreichen, aber wir bleiben fokussiert“, betont der Serienpräsident. „Gleichzeitig ist es für IndyCar eine fundamentale Priorität sicherzustellen, dass Ovale ein gewaltiges Fundament unseres Sports bleiben.“

Der schleichende Abschied von den Steilkurven ist allerdings kein neues Phänomen, sondern ein Dauerbrenner seit über zwei Jahrzehnten. Nachdem die damalige Indy Racing League zwischen 1996 und 2004 ausschließlich auf Ovalen fuhr, öffnete sich die Serie ab 2005 mit dem Namen IndyCar den Rund- und Stadtkursen. Seit dieser Neuausrichtung kämpft die Chefetage Jahr für Jahr darum, genügend Oval-Veranstalter bei der Stange zu halten.

Die Liste der verlorenen Kurse liest sich mittlerweile wie das Who’s Who der US-Motorsportgeschichte. Traditionelle Austragungsorte wie Michigan, Fontana, Texas, Homestead-Miami, Richmond, Chicagoland, Kansas, Iowa, Las Vegas oder New Hampshire sind allesamt aus dem Rennkalender gekippt. Auch internationale Abstecher wie das Ovalrennen im japanischen Motegi gehören längst der Vergangenheit an.

„Nashville als Oval zu verlieren, ist natürlich etwas, das niemand von uns sehen möchte – ganz besonders nicht ich als bekennender Oval-Liebhaber“, stellt Boles unmissverständlich klar. „Eine weitere große Priorität für uns lautet daher, zusätzliche Ovale zu finden, die wir für 2028 und die Jahre danach in unseren Kalender aufnehmen können.“

Für die Verantwortlichen geht es dabei um nichts Geringeres als das Herzblut der Serie. „Genau das bildet die Historie und das Fundament dieses Sports“, schwärmt Boles von den schnellen Kursen. „Diese Vielfalt macht unsere Serie überhaupt erst so besonders und fantastisch. Es ist für uns also nicht nur wichtig, nach Nashville zu kommen, sondern das Hinzufügen weiterer Ovale ist eine massive Priorität, an der wir mit vollem Fokus arbeiten werden.“

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite | + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.