Nach 15 Jahren Pause: Dodge feiert NASCAR-Comeback mit Kaulig Racing
Das jahrelange Warten der US-Motorsportfans hat ein Ende: Dodge wagt den Sprung zurück in die NASCAR-Königsklasse – Kaulig Racing wird ab 2027 das offizielle Team stellen und das Feld der drei etablierten Hersteller aufmischen
Paukenschlag auf der SEMA Show in Las Vegas: Der US-Hersteller Dodge kehrt zur Saison 2027 nach 15 Jahren Pause offiziell in die NASCAR Cup Series zurück. Gemeinsam mit Kaulig Racing bringt die Stellantis-Marke zwei Dodge Charger an den Start, beginnend beim 69. Daytona 500 am 21. Februar 2027. Damit schließt sich für die Königsklasse des US-Stockcar-Sports eine riesige Lücke, denn seit dem Ausstieg von Dodge Ende 2012 teilten sich lediglich Chevrolet, Ford und Toyota das Feld.
Für NASCAR ist dieser Coup das Resultat eines jahrelangen Werbens um einen vierten Automobilhersteller. NASCAR-Chef Steve O’Donnell sprach von einem historischen Meilenstein für die gesamte Rennserie: „Die Rückkehr von Dodge in die NASCAR Cup Series ist ein gewaltiger Schritt für unseren Sport. Dieses Bekenntnis beweist, wie groß das Vertrauen von Dodge in unsere Plattform ist, und es gibt den Fans einen weiteren Grund, voller Vorfreude nach vorne zu blicken. Wir können es kaum erwarten, Dodge beim Daytona 500 und darüber hinaus wieder auf der Strecke zu sehen.“
Dass die Wahl auf Dodge fiel, war hinter den Kulissen längst ein offenes Geheimnis. John Probst, Präsident von NASCAR Event Management, betonte, dass der Traditionshersteller immer ganz oben auf dem Zettel stand: „Wir haben so lange darüber geredet, dass man phasenweise das Gefühl bekam, die Glaubwürdigkeit zu verlieren, weil es nie passierte. Aber es war im gesamten Prozess nie ein Geheimnis, dass Dodge unsere absolute Nummer eins war. Dodge gehört hierher, und es ist ein verdammt gutes Gefühl, sie endlich wieder zu Hause willkommen zu heißen.“

Hinter dem Comeback steht ein radikaler Zeitplan, den Tim Kuniskis, Markenchef von Stellantis North America und Dodge SRT, mit typischer Rennsport-Attitüde vorangetrieben hat. „Alle sagten, es sei völlig unmöglich, innerhalb eines Jahres zurückzukehren. Unsere Antwort lautete einfach: Schaut uns zu!“, stellte Kuniskis klar. „Sicher hätten wir drei Jahre lang am Schreibtisch planen, testen und alles perfektionieren können. Oder wir machen eben alles gleichzeitig in Echtzeit direkt auf der Rennstrecke. Das ist ungleich härter, aber langsam zu sein, gehörte noch nie zur Dodge-DNA. Let’s fucking go.“
Für Matt Kaulig und seine Truppe bedeutet der Deal den Aufstieg in die absolute Elite der NASCAR-Werksteams. Nachdem Kaulig Racing vor einem Jahrzehnt aus dem Nichts aufgebaut wurde, dient die Mannschaft nun als Speerspitze für Dodge und Ram. „Das ist ein unglaublich aufregender Moment für Team-CEO Chris Rice und mich“, so Teambesitzer Matt Kaulig. „Wir sind uns der enormen Verantwortung bewusst, die auf den Schultern unseres Teams lastet, und wir werden bereit sein. Diese Partnerschaft gibt uns die Stabilität und Rückendeckung, um auf Jahre hinaus ein siegfähiges Programm auf die Beine zu stellen.“
Dass Kaulig Racing und Dodge harmonieren, hat sich bereits in der NASCAR Craftsman Truck Series gezeigt, wo Stellantis die Truppe mit fünf Boliden ausrüstete und Hochkaräter wie Tony Stewart, Jamie McMurray und Ryan Newman ans Steuer holte. Nun folgt der logische und weitaus größere Schritt auf die wichtigste Bühne des Kontinents. Die Fahrerbesetzung für die zwei Cup-Renner soll bereits am kommenden Wochenende im Rahmen des Meisterschaftsfinales auf dem Homestead-Miami Speedway enthüllt werden.
Technisch hat das Next-Gen-Projekt bereits wichtige Hürden genommen, ohne dass man auf bestehende Daten früherer Generationen zurückgreifen konnte. „Wenn ein völlig neuer Hersteller ein neues Auto einreicht, bedeutet das normalerweise rund 18 Monate für Strömungssimulationen und Windkanaltests“, erklärte Probst das Prozedere. „Dodge hat die Windkanalprüfungen bereits erfolgreich gemeistert, und Mitte November erwarten wir die ersten echten Serienbleche für die Karosserie. Das ist inzwischen reines Abhaken von Checklisten.“

Auch wenn Probst über die exakte Motorenkonfiguration noch schwieg, bestätigte er knapp, dass das Aggregat vollumfänglich dem Reglement entspricht. Dodge kehrt mit einer stolzen Bilanz zurück: Zwischen 2001 und 2012 holte die Marke 57 Siege, gekrönt vom Cup-Titelgewinn durch Brad Keselowski im Herbst 2012. Der letzte Dodge-Rennerfolg datiert ebenfalls aus diesem Meisterschaftsjahr auf dem Dover Motor Speedway.
Die Rennfans müssen sich allerdings nicht bis 2027 gedulden, um den neuen Boliden erstmals zu Gesicht zu bekommen. Am 4. Dezember wird das Rennauto im Rahmen des traditionsreichen Snowball Derby auf dem Five Flags Speedway in Florida feierlich enthüllt. Begleitend dazu plant der Hersteller mit dem „Dodge Sno-Brawl“ ein Einladungsrennen, bei dem Stars in identischen Dodge-Charger-Late-Models gegeneinander antreten, bevor im Februar 2027 in Daytona endgültig wieder die V8-Motoren des Pentastar-Konzerns um NASCAR-Punkte dröhnen.
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Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.







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