„Diese Formel-1-Schwachköpfe“ & „Verzieh dich“: Magnussen und Gragson werden keine Freunde

„Diese Formel-1-Schwachköpfe“ & „Verzieh dich“: Magnussen und Gragson werden keine Freunde
Foto: NASCAR Media / Logan Riely/Getty Images

Das NASCAR-Debüt von Kevin Magnussen auf dem Stadtkurs in San Diego artete in einen brutalen, rundenlangen Blechkrieg aus – Nach heftigen Funksprüchen und permanenten Rammstößen endete das Duell mit Noah Gragson in der Mauer und einer filmreifen Konfrontation nach dem Rennen

Das NASCAR-Cup-Debüt von Kevin Magnussen auf dem Stadtkurs in San Diego ist in ein brutales, rundenlanges Duell ausgeartet, das nach 13 Runden Blechkrieg in einem Crash und einer viralen Konfrontation nach dem Rennen endete. Der dänische Ex-Formel-1-Pilot, der im Auto mit der Startnummer 91 für Trackhouse Racing saß, legte sich am vergangenen Sonntag mitten im Rennen mit dem US-Amerikaner Noah Gragson an. 

Die beiden Streithähne schenkten sich im Kampf um die Platzierungen im Mittelfeld absolut nichts, ramponierten gegenseitig ihre Autos und ließen am Funk ihren Frust völlig freien Lauf. Erst als Gragson nach einem gezielten Stoß von Magnussen in der Mauer landete, war das sportliche Drama vorbei – das menschliche ging in der Boxengasse erst richtig los.

Das Pulverfass explodierte in Runde 25 beim Kampf um Platz 33, als Magnussen dem Chevrolet-Piloten das erste Mal ins Heck krachte. Gragson fackelte nicht lange und drückte den Dänen auf der nächsten Geraden direkt in die Mauer. Als Gragson kurz darauf die Linie aggressiv blockierte, dämmerte Magnussen, mit welchem Kaliber er es hier zu tun hatte. 

„Ich hänge hinter diesem Typen fest, ich weiß nicht, wer das ist“, funkte der Däne sichtlich genervt in einer frühen Gelbphase. „Ich habe ihn leicht berührt, aber er zieht einfach vor mir rein, er ist also nicht gerade ein Denker. Ich werde irgendwann an ihm vorbeiziehen und dann haben wir eine gute Pace.“

Gragson dachte allerdings überhaupt nicht daran, den prominenten Gaststarter einfach so ziehen zu lassen. Als das Rennen wegen einer Massenkarambolage unter Rot unterbrochen wurde, schoss Gragson unerlaubt an Magnussen vorbei, bremste ihn aus und zeigte ihm den Mittelfinger. Am Funk holte der Amerikaner zum verbalen Rundumschlag gegen die gesamte europäische Formelsport-Elite aus. 

„Wie sieht meine hintere Stoßstange aus, nachdem mich die 91 in Kurve 12 quasi ramponiert hat?“, fragte Gragson seine Crew, die ihm zustimmte, dass der Kontakt absehbar war. Gragson wütend: „Ja, all diese Formel-1-Schwachköpfe denken einfach, sie hätten Kotflügel und eine verdammte Stoßstange, fahren nach innen und donnern in jeden rein. Ich habe die Schnauze voll.“

Magnussen nahm die Provokationen zu diesem Zeitpunkt noch mit einem sarkastischen Lächeln wahr, schwante aber Böses für den Neustart. „Ja, er ist ziemlich unglücklich, aber ich meine, was kann ich tun, er muss irgendwann darüber hinwegkommen“, entgegnete der Däne seiner Box. 

„Ich denke, wenn wir ihn in der Boxengasse überholen können, wäre mir das lieber, denn er wird uns abschießen, sobald wir an ihm vorbei sind. Er wird uns in der nächsten Kurve rammen.“ 

Als das Team Magnussen mitteilte, dass er beim Restart ohnehin wieder vor Gragson platziert wird, konterte der Däne amüsiert: „Okay. Ja, er lässt mich unter Gelb nicht vorbei. Er ist einfach nach vorne gefahren und hat gebremst, also ja, leitet mich da einfach durch.“

Die Warnung war berechtigt, denn Gragson wählte für den Restart in Runde 34 absichtlich die Spur direkt hinter dem Trackhouse-Auto. Beim Anbremsen von Kurve 3 krachte er Magnussen voll ins Heck und schob ihn in die Vorderleute, was selbst die Trackhouse-Crew fassungslos machte: „Er hat ihn gerade eiskalt abgeschossen.“ 

Gragson drückte Magnussen auf der Geraden erneut die Tür rein und hämmerte in einer engen Rechtskurve ein weiteres Mal in das Heck der Nummer 91. Magnussens Team verlor daraufhin endgültig den Respekt vor dem Front-Row-Piloten und funkte trocken: „Er ist nicht besonders schlau, wie du siehst.“ Magnussen antwortete nur: „Nun, er hat ein Rennen zu fahren, also wird er hoffentlich über sich selbst hinauswachsen.“

Das dicke Ende folgte in Runde 38 beim Kampf um den 15. Platz, als Magnussen in Kurve 4 innen ansetzte und erneut abgedrängt wurde. Dem Dänen riss endgültig der Geduldsfaden: Er blieb voll auf dem Gas stehen und drehte Gragson humorlos in die Außenmauer. 

„Heftiger Schaden. Vordere Spurstange, Frontschaden, die Lenkung ist hin“, meldete Gragson schockiert an seine Box, nachdem sein Arbeitstag vorzeitig beendet war. „Die 91 hat uns verdammt noch mal zerstört.“ Gragson wollte sogar mit dem Schrottauto zurück auf die Strecke, um sich zu rächen, was die NASCAR-Offiziellen wegen der Sicherheitsbestimmungen jedoch untersagten.

Nach dem Fallen der Zielflagge kam es schließlich zum großen Showdown in der Boxengasse, als ein kochender Gragson am Auto des Formel-1-Veteranen auf diesen wartete. Die beiden Streithähne lieferten sich ein rund 90 Sekunden langes, hitziges Wortgefecht von Angesicht zu Angesicht, bevor sie von Betreuern getrennt wurden. 

Gragson wollte eine Konfrontation, Magnussen erwiderte nur, dass sich der NASCAR-Pilot verziehen solle. Der Däne fragte Gragson sogar, ob dieser Englisch verstehen würde. Antworten bekam Gragson von Magnussen, der als Heißsporn bekannt ist, nicht.

Für Magnussen war es der brutale Beweis, dass im US-Motorsport mit harten Bandagen gekämpft wird. Gragson untermauerte damit einmal mehr seinen Ruf als Enfant terrible der NASCAR-Szene, der in seiner Karriere bereits dreimal handgreiflich in Schlägereien verwickelt war.

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.