„Es ist nicht fair“: Kurt Busch spricht offen über den Verlust seines Bruders

„Es ist nicht fair“: Kurt Busch spricht offen über den Verlust seines Bruders
Foto: NASCAR Media / David Jensen/Getty Images

In einem bewegenden Podcast-Interview mit Anderson Cooper spricht Kurt Busch erstmals detailliert über den plötzlichen Tod seines jüngeren Bruders Kyle im Alter von 41 Jahren – Der NASCAR-Champion gewährt schonungslose Einblicke in die dramatischen letzten Stunden, den Schmerz der Familie und eine unzertrennliche brüderliche Bindung

In einer hochemotionalen Ausgabe des CNN-Podcasts All There Is mit Moderator Anderson Cooper hat NASCAR-Legende Kurt Busch erstmals ausführlich über den tragischen Verlust seines Bruders Kyle gesprochen. Der zweimalige Cup-Champion und Rekordsieger aller drei nationalen NASCAR-Divisionen war vor wenigen Monaten völlig unerwartet im Alter von 41 Jahren verstorben. Für den älteren Busch-Bruder ist das Geschehene bis heute kaum greifbar, weshalb der Hall-of-Famer nun schonungslos offen über den Schmerz, Kyles dramatische letzte Stunden und das gemeinsame Erbe sprach.

Besonders die Umstände von Kyles plötzlichem Ableben verdeutlichen, wie abrupt das Schicksal zuschlug. Noch am Freitag vor der Tragödie siegte Kyle beim Truck-Rennen in Dover und eröffnete tags darauf gemeinsam mit Sohn Brexton eine Kartbahn. Nichts deutete darauf hin, dass eine reguläre Simulator-Session am darauffolgenden Mittwoch in einer Katastrophe enden würde.

„Er saß auf dem Badezimmerboden, mit dem Rücken an die Wand gelehnt“, schildert Kurt den Moment, als Kyles Crew-Chief nach dem Simulator-Einsatz nach dem Piloten sah. Kyle bat sofort darum, einen Notarzt zu rufen – für einen hartgesottenen Athleten ein völlig untypischer Schritt. „Das machen Sportler eigentlich nicht, niemand zeigt Schwäche. Dass er das sagte, zeigte sofort: Da stimmte etwas ganz und gar nicht.“

Foto: NASCAR Media / Sean Gardner/Getty Images

Mitten in der Nacht erreichte Kurt schließlich der Anruf seines Vaters, woraufhin er umgehend ins Krankenhaus eilte. Doch jede Hilfe kam zu spät: „Was ich in dieser Zwölf-Stunden-Spanne erlebt habe, war unbegreiflich – wie in einem Horrorfilm. Es lag nicht daran, dass wir Zeit verloren hätten oder keine gute Versorgung da war. Es war einfach ein Fall von eins zu einer Million, und du denkst nur: Nein, das kann nicht sein.“

Der Umgang mit dem Verlust verlangt der gesamten Familie bis heute alles ab. Kurt betonte, dass ihm therapeutische Hilfe enorm dabei helfe, für Kyles Witwe Samantha, die Kinder Brexton und Lennix sowie die Eltern da zu sein. „Ich versuche so zu trauern, dass ich anderen helfen kann. Gleichzeitig darf ich mir selbst nicht mehr aufbürden, als ich bewältigen kann“, erklärt Kurt den schwierigen Balanceakt.

Auch Besuche an der Rennstrecke fallen dem Champion von 2004 noch immer sichtlich schwer. Zwar spende die riesige Anteilnahme der Fans Trost, doch die ständige Konfrontation mit der Realität koste enorme Kraft. „Zu viel davon ist wie zu lange in der Sonne zu sein – man holt sich einen Sonnenbrand. An der Strecke ist alles so lebendig, weil gefühlt jeder ein Shirt mit der Startnummer 8 oder 18 trägt“, gestand Kurt.

Besonders der Moment beim Coca-Cola 600 auf dem Charlotte Motor Speedway, nur wenige Tage nach Kyles Tod, brannte sich tief in sein Gedächtnis ein. Die gesamte Familie versammelte sich vor dem Start auf dem Grid zu einer tränenreichen Schweigeminute. „Ich wollte eigentlich gar nicht an die Strecke, es fühlte sich nicht real an. Ich wollte mich nicht umdrehen; ich spürte die Anwesenheit von allen hinter uns, aber ich konnte einfach nicht zurückblicken, weil wir alle unter Schock standen.“

Trotz des tiefen Schmerzes blickt Kurt mit großem Stolz auf die gemeinsame Reise auf und neben dem Asphalt zurück. Als älterer Bruder ebnete er Kyle einst den Weg in die höchste NASCAR-Liga, was anfangs keineswegs ohne Reibereien ablief. „Ich habe überall versucht, ihm Brücken zu bauen, aber es gab Momente harter Aussprachen, in denen er mir vorwarf: ‚Mann, bei meinem allerersten NASCAR-Rennen haben sie mich nur wegen dir ausgebuht!‘“

Foto: NASCAR Media / Krista Jasso/Getty Images

Während Kurt in seinen Anfangsjahren selbst für Kontroversen sorgte, eignete sich Kyle schnell ein noch feurigeres Image an. „Er hat den schwarzen Hut des Bösewichts aufgesetzt und sich damit arrangiert“, so Kurt über die Rivalität, die 2007 beim All-Star-Race in einer Eiszeit zwischen den Brüdern gipfelte. Gleichzeitig musste Kurt früh anerkennen, dass Kyle ihn fahrerisch überflügeln würde: „Das war hart. Ich musste erwachsen werden und mir eingestehen: Du hast ihm geholfen, aber du bist einfach nicht so schnell wie er.“

Dass zwischen beiden dennoch eine unvergleichliche Harmonie herrschte, bewies Anderson Cooper mit einem Video von Kurts Richmond-Triumph 2012 am Steuer eines Autos von Kyles eigenem Team. Beim Anblick der gemeinsamen Siegerfeier kamen Kurt die Tränen: „Man spürt diese pure Freude, oder? Und dann drehe ich mich um, schaue dich an und denke mir: Verdammt, ja, er ist wirklich weg. Ich versuche mich immer an diese guten Zeiten zu klammern, denn das war einer unserer größten Höhepunkte.“

Am stärksten fühlt sich Kurt seinem verstorbenen Bruder verbunden, wenn er selbst wieder im Rennoverall sitzt. Bei sporadischen Einsätzen in historischen IROC-Fahrzeugen sucht er ganz bewusst die Nähe zu Kyle: „Ich steige eine halbe Stunde vor dem Training ins Auto, rede kurz mit mir selbst und halte ein kleines Gebet mit ihm ab. Sobald ich einsteige, melde ich mich kurz bei ihm.“

Genau diese unausgesprochene Chemie war es auch, die Kurt seinen letzten Karrieresieg im Jahr 2022 in Kansas bescherte, als Kyle auf der Gegengeraden bewusst vom Gas ging, um seinem Bruder freie Bahn im Kampf gegen Spitzenreiter Kyle Larson zu verschaffen. „Ich habe ihn danach angerufen und Danke gesagt, woraufhin er nur trocken meinte: ‚Ich weiß, ich weiß.‘ Das sind die Dinge, die ich am meisten vermisse – er hat mir geholfen, meinen letzten NASCAR-Sieg zu holen.“

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.