Frust und Fegefeuer in den Weinbergen: Die wilden Mittelfeld-Fehden von Sonoma
In den engen Kurven von Sonoma herrschte am Sonntag das Gesetz des wilden Westens – Nach harten Manövern fackelten die Betroffenen nicht lange und holten auf der Strecke zum Gegenschlag aus
Das NASCAR-Cup-Rennen auf dem Sonoma Raceway mutierte am vergangenen Sonntag im hinteren Teil des Feldes zu einer wilden Abrechnung, bei der mehrere Fahrer das Gesetz von „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ gnadenlos durchsetzten.
Nach harten Positionskämpfen und Kontakten in den engen Kurven des malerischen Rundkurses in Kalifornien ließen unter anderem Noah Gragson, Cody Ware und das Lager von 23XI Racing die Muskeln spielen. Da die NASCAR-Rennleitung bei solchen Revanche-Aktionen im Mittelfeld traditionell wegschaut, solange keine Absicht am Funk verkündet wird oder gefährliche Unfälle bei Highspeed entstehen, regelten die Piloten ihre Angelegenheiten kurzerhand selbst.
Gragson, der schon eine Woche zuvor nach einer heftigen Fehde mit Kevin Magnussen für Schlagzeilen gesorgt hatte, stand auch diesmal wieder im Auge des Sturmes. Im Kampf um den mageren 30. Platz geriet er mit Ware aneinander, der sich zuvor schon rundenlang über die harte Gangart der Konkurrenz beschwert hatte.
„Ich weiß nicht, was ich tun soll, außer dass wir einfach anfangen, die Leute links und rechts abzuschießen“, klagte ein frustrierter Ware über seinen Teamfunk. Er sei der Einzige, der so attackiert werde, während die Konkurrenz untereinander plötzlich sauber fahre. „Ich werde von sieben verschiedenen Leuten per Dive-Bomb erwischt. Ich habe es einfach satt“, wetterte der Rick-Ware-Pilot.
Die Quittung für Gragson folgte prompt, als Ware ihm in den ersten Kurven mehrfach ins Heck fuhr und schließlich vorbeizog. Gragson fackelte nicht lange, setzte beim Anbremsen der Haarnadelkurve von Kurve 11 den Hebel an und drehte seinen Widersacher gnadenlos um. „Ich habe die Schnauze so verdammt voll davon“, fluchte Ware, während er seinen Boliden mühsam wieder in Fahrtrichtung drehte.
Einige Plätze weiter vorne flogen derweil zwischen Gilliland und der Mannschaft von 23XI Racing die Fetzen. Wallace verschätzte sich beim Anbremsen von Kurve 11 komplett, rutschte seitlich in die Tür von Gilliland und presste sich vorbei. Nur wenige Augenblicke später folgte die Revanche beim harten Bergaufstück in Kurve 1, als Gilliland den Toyota von Wallace kurzerhand ins Unterholz beförderte.
„Es tut mir leid, dass ich da die Beherrschung verloren habe, aber ich finde, das war absolut unangebracht“, funkte Gilliland an seine Crew, während Wallace den Fehler sportlich nahm und zugab, dass die Rache durchaus gerechtfertigt war.
Damit war die Geschichte für das Team von Michael Jordan und Denny Hamlin jedoch noch nicht ausgestanden. Wallace-Teamkollege Riley Herbst zog direkt nach dem Vorfall mit Gilliland gleich, flog nach einer engen Kettenreaktion ebenfalls ins Dreck und schwor im Cockpit Rache.
Seine Boxencrew feuerte den Teilzeit-Piloten lautstark an: „Sei aggressiv!“ Herbst wurde via Funk unmissverständlich daran erinnert, die Gegner genau so zu behandeln, wie sie ihn behandelten. Beim nächsten Aufeinandertreffen in der Haarnadelkurve fackelte Herbst nicht lange, rammte das Heck von Gilliland und schickte ihn in den Dreher – die teaminterne Schützenhilfe war perfekt.
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Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.





