Frustration in Watkins Glen: Wie sich Van Gisbergen’s Sieg auf das Fahrerlager auswirkt
Shane van Gisbergen pflügte beim NASCAR-Rennen in Watkins Glen von außerhalb der Top 20 zum Erfolg – Die Extraklasse des Neuseeläders sorgte bei den Konkurrenten Michael McDowell, Ty Gibbs und Connor Zilisch für Frustration
Mit einer Aufholjagd der Extraklasse sicherte sich Shane van Gisbergen beim Rennen auf dem Watkins Glen International seinen ersten Sieg in der Saison 2026. Nachdem er mit seinem Crew-Chief auf eine offensive Strategie gesetzt hatte, fuhr der Neuseeländer in die Boxengasse, um Sprit und Reifen aufzustocken. Anschließend ließ er das gesamte Feld hinter sich. Seine Aufholjagd, die er außerhalb der Top 20 startete, sorgte bei Piloten wie dem Zweitplatzierten Michael McDowell, Ty Gibbs oder seinem Teamkollegen und Nachwuchstalent Connor Zilisch kollektiv für Frustration.
„Es gab Momente, in denen ich dachte, wir könnten an SVG dranbleiben. Aber es fühlte sich an, als würde er nur kurz das Tempo drosseln, um dann sofort wieder davonzuziehen“, erklärte McDowell, der selbst bereits einen Rundkurs-Sieg in der Next-Gen-Ära vorweisen kann. „Es ist hart. Der zweite Platz ist großartig und gibt uns nach ein paar schwierigen Wochen den nötigen Aufwind, aber natürlich wollten wir in die Victory Lane.“

McDowell, der auf die selbe Strategie wie das Team mit der Startnummer 97 gesetzt hatte, analysierte seinen Weg nach vorn nüchtern: „Wir sind beim Restart als 27. wieder ins Rennen gegangen und ich war mir nicht sicher, wie weit es [nach vorn] gehen würde. Wir haben uns schnell in die Nähe der Top 10 vorgearbeitet, und durch die Boxenzyklen gewannen wir weiter an Boden. Aber selbst wenn wir direkt hinter Shane gestartet wären, weiß ich nicht, ob wir seinen Speed hätten mitgehen können.”
„Beim letzten Stopp kamen wir zeitgleich mit ihm raus, und trotzdem war er uns einen Schritt voraus“, fügte der Spire-Pilot hinzu. „Wir haben noch Arbeit vor uns, aber das Ergebnis ist ein starkes Fundament. Unser Rundkurs-Programm greift: Top 5 in COTA, Top 5 in Mexiko – wir bauen darauf auf. Uns fehlt nur noch das letzte Quäntchen.“
Hinter McDowell sicherte Ty Gibbs den dritten Platz, nachdem er das Rennen über 17 Runden angeführt hatte. Der 23-jährige Joe-Gibbs-Pilot verfolgte jedoch eine andere Strategie als das Spitzenduo und war in der Schlussphase zum massiven Spritsparen gezwungen.
Auf die Frage nach seinem Befinden antwortete er ähnlich einsilbig wie die meisten Piloten, die an diesem Tag die Überlegenheit von „SVG“ anerkennen mussten: „Um ehrlich zu sein, ist es einfach frustrierend. Ich wünschte, wir hätten richtig racen können, aber leider musste ich nur noch Benzin sparen. Natürlich hätte ich lieber gewonnen, aber es hat heute trotzdem viel Spaß gemacht.“

Unglückliches Ende für Zilisch
Diesen Spaß verdankte Gibbs vordergründig dem Duell mit Connor Zilisch. Abseits von Van Gisbergens Marsch an die Spitze war die Endphase von einem fairen Schlagabtausch zwischen der Startnummer 54 von Joe Gibbs Racing und der 88 von Trackhouse geprägt. Für Zilisch endete der Kampf um das Podium jedoch abrupt: Wenige Runden vor Schluss beendete ein Reifenschaden vorne rechts alle Hoffnungen auf ein Top-Ergebnis. Ein bitterer Stopp war die Folge, obwohl der Kraftstoff laut Funksprüchen seines Crew-Chiefs bis zum Ende gereicht hätte.
„Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was den Reifen am Ende beschädigt hat“, gab ein sichtlich enttäuschter Zilisch nach dem Rennen zu. „Wir waren schon lange auf diesem Satz unterwegs. Hätte das Rennen die Distanz des Vorjahres von 92 Runden gehabt, wäre es für mich wahrscheinlich besser ausgegangen. Aber so ist es nun mal.“
Der Youngster machte aus seinem Frust keinen Hehl: „Ich bin einfach gefrustet. Schlimmstenfalls wäre ich in den Top 5 gelandet – das wäre mein mit Abstand bester Tag in dieser Serie gewesen. Shane hätte ich vermutlich nicht schlagen können, aber ich habe heute fast alles richtig gemacht. Manchmal läuft es eben so gegen dich. Ich muss den Kopf oben behalten; wir haben noch ein paar Rundkurse und andere Strecken vor uns, die Trackhouse liegen.“

Zilisch reflektierte zudem kritisch über sein Duell mit Gibbs: „Ich hätte an Ty [Gibbs] vorbeigehen müssen. Es hat mir nichts gebracht, hinter ihm zu bleiben. Ich denke, vor ihm hätte ich sogar noch mehr Sprit sparen können und wäre schneller gewesen. Daraus werde ich lernen.“
Nachdem der 19-Jährige die zweite NASCAR-Liga im Jahr 2025 mit Rekorden dominierte, wartet das Ausnahmetalent seit seinem Vollzeit-Einstieg in die Cup Series noch immer auf den großen Durchbruch. Ein elfter Platz bei einem Gaststart in Atlanta 2025 war bisher sein bestes Ergebnis – die Enttäuschung über das verpasste potenzielle Top-5-Resultat im Bundesstaat New York ist vor diesem Hintergrund verständlich.
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Autor(en)
Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.
Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.






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