Ein Duell unter Freunden: Connor Zilisch schlägt Jesse Love in Watkins Glen

Ein Duell unter Freunden: Connor Zilisch schlägt Jesse Love in Watkins Glen
Foto: NASCAR Media / Sean Gardner/Getty Images

Connor Zilisch besiegte seinen Freund Jesse Love beim Rennen der NASCAR O’Reilly Series in Watkins Glen – Das Nachwuchstalent nutzte einen Fehler in der letzten Kurve für den dritten Sieg in Folge auf dem Rundkurs

Connor Zilisch und Jesse Love gelten als die besten Freunde im Fahrerlager der NASCAR O’Reilly Auto Parts Series. In Watkins Glen lieferten sich beide jedoch einen erbitterten Kampf, den Zilisch am Ende mit 0,262 Sekunden Vorsprung für sich entschied.

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Für das erst 19-jährige Nachwuchstalent aus North Carolina war der Erfolg auf dem 3,94-km-langen Rundkurs bereits der dritte Triumph in Folge. Zilisch entschied das Rennen in einem Beschleunigungsduell für sich, nachdem er in der finalen Kurve die entscheidende Lücke auf der Innenbahn fand.

„Ich bin diese letzten 30 Runden [nach dem Restart in Runde 51] so hart gefahren, wie ich nur konnte, um diese Lücke zu schließen“, erklärte Zilisch im Ziel. „Eigentlich wollte ich Jesse in der letzten Kurve nicht attackieren, aber er hat zu spät gebremst und da habe ich meine Chance genutzt.“

Es war eine Aufholjagd der Extraklasse: Zilisch kämpfte sich mit seinem bereits angeschlagenen Chevrolet aus einem Rückstand von 18 Sekunden heran. Während Love seit seinem Stopp in Runde 48 massiv Sprit sparen musste, blies Zilisch zur Attacke und knabberte in den letzten 25 Umläufen teilweise ganze Sekunden vom Vorsprung seines Kumpels ab.

Foto: NASCAR Media / Sean Gardner/Getty Images

Dabei verlief Zilischs Jagd alles andere als reibungslos. Sechs Runden vor Ende fuhr er in der Bus-Stop-Schikane zu hart über das Gras und beschädigte sich dabei den Unterboden seines JR-Motorsports-Chevrolet.

„Ich wollte mich einfach nur in seinem Rückspiegel zeigen und ihn zu einem Fehler zwingen“, so Zilisch. „Ich wollte nicht auf eine unfaire Art gewinnen, auch wenn ich die Chance dazu gehabt hätte.“

Für den jungen Piloten war es ein besonderer Meilenstein: „Es ist großartig, hierher zurückzukehren und meinen dritten Sieg in Folge in Watkins Glen für JRM einzufahren. Besonders freut mich der Erfolg mit Rodney Childers – er ist bereits mein dritter Crew-Chief hier, mit dem ich gewinnen konnte.“

Dieses Duell war bereits die zweite bedeutende Begegnung der beiden innerhalb der letzten sechs Monate. Im November hatte Love beim Finale in Phoenix noch die Oberhand behalten, als er den favorisierten Zilisch schlug und sich die Meisterschaft sicherte.

„Am Ende des Tages ist es simpel: Ich habe eine Kurve verpatzt“, gab sich Love selbstkritisch. „Es war eine herausfordernde und lehrreiche Erfahrung. Ich musste noch nie auf einem Rundkurs Sprit sparen – das war mental extrem anstrengend. Aber eigentlich will ich Connor hier auf den Rundkursen unbedingt schlagen. Wir sind beste Freunde, aber wir haben uns auf der Strecke auch schon viel Schmerz zugefügt. Ich habe heute einfach nicht geliefert, als es darauf ankam. Ich bin so wortkarg, weil es mir schlicht peinlich ist. Als Rennfahrer darfst du dir solche Fehler nicht erlauben.“

Foto: NASCAR Media / Chris Graythen/Getty Images

Wie eng die Verbindung zwischen den beiden Familien ist, zeigte eine Szene direkt nach der Zieldurchfahrt: Die erste Person, die am Auto des unterlegenen Jesse Love auftauchte, war Zilischs Mutter, die ihn tröstend in den Arm nahm.

„Jesses Eltern behandeln mich wie ein Familienmitglied, und meine Eltern geben ihr Bestes, um das Gleiche zu tun“, erklärte der 19-jährige Sieger in der Pressekonferenz. „Es bedeutet mir sehr viel, so oft gegen einen meiner besten Freunde antreten zu können. Er wird schon bald seinen Weg in die Cup-Serie finden.“

Hinter dem Führungsduo sicherten sich Taylor Gray und Ross Chastain die Plätze drei und vier – beide ebenfalls mit einer extremen Spritspar-Strategie. Brandon Jones komplettierte die Top-5, gefolgt von Neuling Brent Crews, Parker Retzlaff, Shane van Gisbergen, Austin Green und Justin Allgaier. Allgaier baute seine Tabellenführung auf den Zweitplatzierten Sheldon Creed, der nur 29. wurde, auf nun 155 Punkte aus.

Pechvogel des Tages war Van Gisbergen. Der Neuseeländer war eigentlich ein Siegkandidat, bis es in der Boxengasse zu einer Berührung mit Zilisch kam. Dabei wurde der linke vordere Kotflügel an Van Gisbergens Chevrolet mit der Startnummer 9 aufgerissen. Während Zilisch weiterfahren konnte, musste sein Teamkollege für weitere Reparaturen erneut die Box ansteuern, was alle Siegchancen zunichtemachte.

Foto: NASCAR Media / Chris Graythen/Getty Images

Nach dem Sieg stieg Zilisch mit übertriebener Vorsicht aus seinem Chevrolet aus. Er war sichtlich bemüht, den Sturz von der Fensterkante aus 2025 in Watkins Glen zu vermeiden, der ihm einen Schlüsselbeinbruch eingebracht hatte.

Das nächste Rennen der O’Reilly Series findet bereits am nächsten Samstag um 22:00 Uhr deutscher Zeit auf dem Dover International Speedway statt.

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Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.

Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.

Erik Resch

Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws. Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.
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