O’Donnell über den Zustand von NASCAR: „Hat ein ermutigendes Momentum“

O’Donnell über den Zustand von NASCAR: „Hat ein ermutigendes Momentum“
Foto: NASCAR Media / Sean Gardner/Getty Images

NASCAR-Präsident Steve O’Donnell hat im Rahmen des Finalwochenendes auf dem Homestead-Miami Speedway über den Zustand des Verbandes gesprochen

NASCAR wird auf dem Homestead-Miami Speedway ihre drei Meister in der Truck-, O’Reilly- und Cup-Serie krönen. Vor den entscheidenden Rennen hat sich Präsident Steve O’Donnell zum Zustand des US-Verbandes geäußert. Der Boss sieht NASCAR auf dem richtigen Weg und untermauert das mit harten Fakten.

„Wenn wir also über das Jahr 2026 sprechen: Was ist der Tenor? Ich weiß, dass ich gefragt werde, wie meine Einschätzung ist“, sagte er bei der State-of-the-Sport-Rede. „Meine Antwort lautet: NASCAR hat ein ermutigendes Momentum, aber es liegt noch viel Arbeit vor uns. Wenn wir zurückblicken, hat die gesamte Branche allen Grund, stolz zu sein.“

„Unsere Teams und Fahrer haben uns großartigen Rennsport geboten. Die Fans strömen an die Rennstrecken. Neue Marken investieren wie noch nie zuvor in den Sport, und es ist lange her, dass man ein solches Engagement von Sponsoren im Umfeld unserer Teams und Fahrer gesehen hat – was fantastisch ist.“

Foto: NASCAR Media. David Jensen/Getty Images

Ein wichtiger Baustein ist das Meisterschaftsformat, das für die Saison 2026 angepasst wurde. Der Fokus liegt wieder mehr auf Konstanz und Fairness, ohne auf den Reiz eines Playoff-Systems zu verzichten. Er sagte: „Die Rückkehr des Chase-Formats hat, zumindest meiner Meinung nach, den Fokus wieder genau dorthin gelenkt, wo er hingehört: auf die Leistung der Fahrer, Woche für Woche.“

„Wenn man sich die Medienrunde zur Meisterschaft der Cup Series an diesem Wochenende ansieht: Da saß genau ein Fahrer. Ich würde sagen, das ist ein Erfolg. Wir haben uns auf den einen Fahrer konzentriert, der einen herausragenden Chase hingelegt hat, und genau dort sollte der Fokus meiner Ansicht nach auch liegen.“

Gute Zahlen am TV und an den Strecken

Auch in den Medien erlebt NASCAR wieder einen Aufschwung: „Die TV-Zuschauerzahlen, auf die wir uns alle als einen von vielen Faktoren für den Sport konzentrieren, sind durchweg stark. Das bleiben sie auch, aber sie sind und bleiben für die gesamte Branche in den kommenden Jahren ein Schwerpunkt. Wir alle kennen die Zahlen, und ich denke, es ist wichtig zu sehen, wo NASCAR steht.“

„Würde man NASCAR mit einer neu entstehenden Sportart vergleichen, würde man sagen, es ist eine unglaubliche Erfolgsgeschichte: Ein konstant großes TV-Publikum, 36 aufeinanderfolgende Wochenenden – das gehört zu den größten Reichweiten im Sport überhaupt. Dennoch kann und wird dieses Publikum weiter wachsen, und das ist ein Bereich, auf den wir uns in der Branche in Zukunft alle konzentrieren müssen“, so O’Donnell.

NASCAR zieht dabei auch wieder ein jüngeres Publikum an. An den Rennstrecken haben sich die Zuschauerzahlen ebenfalls positiv entwickelt: „Ich will Sie nicht mit Statistiken überhäufen, aber mit Blick auf die Saison 2026 sind das wichtige Werte: Die Eintrittskartenzahlen sind um fünf Prozent gestiegen und der Zuspruch bei Kindern bis zwölf Jahren sogar um zwölf Prozent.“

Foto: NASCAR Media / Chris Graythen/Getty Images

„Wir sehen also positive Trends. Und wenn Ben Kennedy und sein Team nach vorne auf 2027 blicken, setzt sich diese positive Entwicklung mit Blick auf Daytona und das erste Quartal des Jahres nahtlos fort.“

Um die jüngeren Fans zu halten, hat O’Donnell einen klaren Plan: „Im Mittelpunkt steht für uns der Dialog mit einer neuen Fan-Generation. Tim Clark und das Team zusammen mit Jess Smith haben eine neue Markenpositionierung entwickelt, von der wir fest glauben, dass sie Früchte trägt. Wie wir das messen? Anhand des Interesses in der jüngeren Zielgruppe der 18- bis 34-Jährigen.“

„Das liegt auf dem höchsten Stand seit 2013. Und bei den Social-Media-Impressionen haben wir den Ausstoß reduziert, aber eine viel größere Wirkung erzielt. Bei weniger Veröffentlichungen sind unsere Impressionen im Jahresvergleich um 34 Prozent gestiegen – wirklich starke Zahlen“, freute sich der Boss. „Die Merchandising-Verkäufe sind so hoch wie seit Jahren nicht mehr, und wir setzen weiterhin stark auf Gaming-Plattformen, um die nächste Generation von Fans zu erreichen.“

NASCAR will ihren Content schärfen

„Zum Thema Inhalte: Wir nutzen die Möglichkeiten unseres Produktionszentrums (NASCAR Productions) und kooperieren verstärkt mit Partnern außerhalb der eigentlichen Branche. Die Leute kennen bereits die Ankündigung der AMC-Serie ‚Thunder Road‘, die an den Start gehen wird. Jeder kennt hoffentlich ‚Tage des Donners‘ (Days of Thunder) und die anstehende Partnerschaft mit Skydance.“

„Wir haben eine Fülle neuer Content-Projekte in der Pipeline, die über verschiedenste Kanäle ausgespielt werden, einschließlich unseres FAST-Channels. Seit Oktober 2015 verzeichnet dieser Kanal bei den Content-Projekten einen Zuwachs der gemeldeten Zuschauer um 35 Prozent“, erklärte O’Donnell.

„Das sind erneute Belege dafür, wie stark die Menschen mit diesem Sport interagieren. Für die Zukunft wollen wir gemeinsam mit den Rennteams verstärkt an YouTube arbeiten – ein Thema, das ich bei zukünftigen Projekten noch öfter ansprechen werde –, um eine schlagkräftige Strategie aufzubauen. Es ist wichtig, dass wir auf YouTube an einem Strang ziehen; und das betrifft nicht nur NASCAR selbst, sondern Fahrer, Teams und Strecken gemeinsam, um diese Plattform voll auszuschöpfen.“

Ein Blick auf Dodge und NASCAR-International

Auch zum Einstieg von Dodge äußerte sich O’Donnell äußerst positiv: „Ich hoffe, jeder hat die Ankündigung gesehen, dass sie 2027 mit Kaulig Racing in die Cup Series zurückkehren – ein weiterer Grund, sich auf die kommenden Saisons zu freuen. Ich möchte Tim Kuniskis persönlich für sein Vertrauen in NASCAR danken, ebenso seinem gesamten Stellantis-Team, Matt Kaulig, Chris Rice und unseren eigenen Mitarbeitern, allen voran John Probst, der sehr hart gearbeitet hat, um das Wirklichkeit werden zu lassen.“

„Und dann die übrigen Partner – und damit meine ich unsere OEMs: Chevrolet, Ford und Toyota hätten nicht so offen reagieren müssen, als es darum ging, einen neuen Hersteller zu begrüßen. Es spricht Bände über diesen Sport, dass drei Partner einen neuen OEM dabei haben wollten und zusammengearbeitet haben, um das möglich zu machen. Genau dieser zukunftsorientierte Geist wird immer mehr Interesse an unserem Sport wecken.“

Foto: NASCAR Euro Series / Nina Weinbrenner

„Dieses Momentum beschränkt sich keineswegs nur auf die Vereinigten Staaten“, blickte O’Donnell über den Tellerrand hinaus. „Man vergisst manchmal, dass wir Rennserien außerhalb der USA haben. 2026 wurden unsere Cup-Rennen in über 185 Ländern und 25 Sprachen übertragen. Wir hatten Rekordzuschauerzahlen bei den europäischen Serienrennen, darunter 44.000 Fans in Tschechien. Mike Ford verriet mir, dass das laut Racing Insights die allererste NASCAR-Erwähnung Tschechiens überhaupt war – das wollte ich unbedingt mit der Runde teilen.“

„In Brasilien hat erstmals eine Frau ein Rennen gewonnen. In Mexiko treten drei Frauen auf höchstem Niveau an. Und mit Blick auf Kanada feiern wir das 20-jährige Bestehen der Serie. Die internationalen Perspektiven stimmen uns extrem optimistisch“, rundete der NASCAR-Präsident den Blick auf die internationalen Serien ab.

Wachstum und Fans stehen im Fokus

„Das übergeordnete Ziel von NASCAR lautet schlicht: So viele Zugangswege wie möglich zu schaffen, um Fans für den Sport zu begeistern. Das führt im besten Fall dazu, dass jemand sagt: ‚Ich will mir ein Rennen live ansehen!‘ Und was erhoffen wir uns davon? Dass sie sich für einen Fahrer begeistern.“

„Wahrer Erfolg bedeutet, dass ein Fan sein Herz an einen Piloten verliert und eine solche Leidenschaft entwickelt, dass er für drei oder vier andere Fahrer auf der Strecke absolute Abneigung hegt. Dann wissen wir, dass wir erfolgreich sind. Holt sie über jeden denkbaren Kanal ab, bringt sie dazu, einen Fahrer anzufeuern – diese ungefilterte Leidenschaft ist der Kern von NASCAR“, sagte O’Donnell.

„Das Ziel dahinter ist simpel: NASCAR besser zu machen“, gab sich O’Donnell über seine Pläne kämpferisch. „Das bedeutet ein gesundes Ökosystem für alle Beteiligten der Branche; einen Rennkalender, der langjährige Fans genauso begeistert wie Neueinsteiger; mehr Möglichkeiten, eine Bindung zu den Fahrern aufzubauen; und ein besseres Erlebnis für alle Fans – egal, ob sie zu Hause zuschauen, zum ersten Mal an die Strecke kommen oder seit Jahrzehnten dabei sind.“

Foto: NASCAR Media / Sean Gardner/Getty Images

„Meine Aufgabe als CEO besteht darin, die Richtung vorzugeben. Diese Verantwortung nehme ich sehr ernst“, so der Präsident, der auch als Geschäftsführer agiert. „Wir müssen greifbare Ergebnisse liefern. Man kann viel reden, aber am Ende zählen Resultate. Ich hoffe, Sie haben gesehen, dass wir gemeinsam mit der Branche entschlossen handeln, wenn es erforderlich ist.“

„Was mich dabei antreibt, ist unser hervorragendes Führungsteam. Hunderte Mitarbeiter bei NASCAR stehen bereit, um Hand in Hand mit der Branche zu arbeiten, und jeder von ihnen brennt für diesen Sport. Aber NASCAR – das muss deutlich gesagt werden – ist größer als wir selbst. Es ist größer als der Dachverband allein. NASCAR besteht aus Teams, Fahrern, Rennstrecken, Herstellern und Partnern.“

NASCAR hält zusammen

„Was mich an der Zusammenarbeit mit ihnen allen am meisten begeistert: Was den menschlichen Charakter, die Kraft dieses Sports und unsere Industrie angeht, sind wir im gesamten Sportgeschäft unübertroffen. All diese Akteure zusammen sind NASCAR. Wir haben als gemeinsame Branche die Chance, Millionen von Fans zu zeigen, was uns ausmacht“, so O’Donnell.

„Am Ende des Tages bin ich nicht naiv: Ich weiß ganz genau, dass es den Fans um packenden Rennsport geht“, fasste er letztlich zusammen. „Sie wollen die Fahrer sehen. Sie wollen ein unvergessliches Erlebnis an der Strecke. Wir wollen, dass sie am Bildschirm dranbleiben, wieder an die Strecke kommen und neue Gesichter mitbringen.“

„Ich blicke mit großer Zuversicht in die Zukunft – ganz besonders wegen unseres Teams und der Menschen, die nun an einem Strang ziehen, weil es zum ersten Mal seit sehr langer Zeit einen echten Schulterschluss bezüglich unseres Kurses gibt. Das Tagesgeschäft von Rennen zu Rennen beherrschen wir exzellent. Doch ein Fünfjahresplan, wo wir als Gesamtbranche hinwollen, stand bisher zu selten im Mittelpunkt. Das hat sich grundlegend geändert, und wir ziehen nun alle gemeinsam an einem Strang, um diesen Sport nach vorne zu bringen“, schloss O’Donnell seine Rede ab.

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite | + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.