Poker in der Boxengasse: Taylor Gray schnappt sich den Kansas-Sieg
Taylor Gray gewann in Kansas den Lauf der NASCAR O’Reilly Series am Samstagabend durch eine riskante Boxenstrategie – Sein Crew-Chief holte den Piloten früh zum Service und sicherte so den Erfolg
In Kansas zahlte sich am Samstagabend die risikofreudige Strategie von Taylor Grays Crew-Chief aus. Durch einen frühen Stopp sicherte sich der Joe-Gibbs-Pilot seinen zweiten Sieg in der NASCAR O’Reilly Auto Parts Series.
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Gray steuerte als erster Fahrer der Spitzengruppe im finalen 95-Runden-Stint die Box an. Durch diesen strategischen Schachzug übernahm er innerhalb des Boxenstopp-Zyklus die Führung und verteidigte diese bis ins Ziel erfolgreich gegen Sheldon Creed.
Crew-Chief Jason Ratcliff, der bereits 2003 mit David Green in Kansas erfolgreich war, holte Gray in Runde 143 von 200 zum Service. Creed, der das Rennen zu diesem Zeitpunkt anführte, und Brandon Jones kamen erst vier Runden später in die Box, was einen Zeitverlust von rund vier Sekunden zur Folge hatte.
Für Jones, der die ersten beiden Rennsegmente dominierte, platzte der Traum vom Sieg kurz darauf aufgrund einer Durchfahrtsstrafe. Creed hingegen schloss sich mit Justin Allgaier zusammen, um gemeinsam die Jagd auf den Führenden aufzunehmen. Am Ende fehlten ihm lediglich 0,718 Sekunden zum Erfolg.

„Was für eine Leistung von Jason Ratcliff!“, freute sich Gray nach dem Rennen. „Dieser Call war einfach genial. Wir hatten heute ein Auto, mit dem man gewinnen konnte. Vor dem Boxenzyklus hielt ich die 20 [Jones] zwar für etwas stärker, aber wir mussten einfach fokussiert bleiben. Jason hat den Wagen perfekt abgestimmt und uns durch den Stopp freie Bahn verschafft. Es war ein zäher Saisonstart – nicht, dass es uns an Speed gefehlt hätte, aber das Glück war einfach nicht auf unserer Seite. Umso schöner ist es, das Ding jetzt endlich mal nach Hause zu bringen.“
Durch den Erfolg kletterte Gray in der Gesamtwertung um drei Plätze auf Rang neun. Auch für den Zweitplatzierten Creed gab es Grund zur Freude: Als bestplatzierter von vier qualifizierten Fahrern sicherte er sich erstmals in seiner Karriere den „Dash-4-Cash“-Bonus in Höhe von 100.000 Dollar.
„Nachdem ich von ganz hinten starten musste, war das ein großartiger Tag“, erklärte Creed. „Ich habe sofort gemerkt, dass das Auto verdammt schnell ist. Es hat Spaß gemacht, mich durch das Feld nach vorne zu arbeiten. Die 100.000 Dollar für das Team einzufahren, ist cool. Natürlich hätte ich gerne auch den Sieg mitgenommen, aber die 54 [Gray] hat uns mit dem frühen Stopp eiskalt erwischt. Er hat die letzten 40 Runden fehlerfrei absolviert und den Verkehr so schnell passiert, dass ich nie nah genug herankam.“
Hinter dem Spitzentrio Gray, Creed und Allgaier komplettierten der amtierende Meister Jesse Love und Brent Crews die Top 5. Allgaier baute mit seinem dritten Platz die Meisterschaftsführung vor Creed auf 131 Punkte aus.
Dramatik in der Anfangsphase
In der ersten Stage sorgte das Rennen jedoch für einen Schreckmoment. Das Feld hatten noch keine zwei Runden abgespult, als sich Carson Kvapil auf der Gegengeraden überschlug. Nach einer Berührung mit William Byron stand Kvapil quer zur Fahrbahn. Parker Retzlaff konnte nicht mehr ausweichen und prallte mit voller Wucht in das Heck von Kvapils orangem Camaro. Die Startnummer 1 hob ab und überschlug sich mehrfach, bis sie auf dem Dach zum Liegen kam.
Die Rettungskräfte mussten das Wrack mithilfe eines Abschleppwagens aufrichten, bevor Kvapil aussteigen konnte. Nach einer vorsorglichen Untersuchung im Infield-Care-Center gab der Fahrer Entwarnung: „Auf Dirt-Tracks habe ich mich schon mal überschlagen, aber definitiv noch nie auf Asphalt oder in einem Stock-Car. Es war tatsächlich weniger schlimm, als ich im Moment des Überschlags dachte, aber es ist einfach extrem ärgerlich.“
In Runde 38 kam es zudem zu teaminternen Spannungen bei Richard Childress Racing: Jesse Love drängte seinen Teamkollegen Austin Hill in Kurve 4 hart in Richtung Apron. Hill verlor die Kontrolle, drehte sich und wurde frontal vom Toyota von William Sawalich getroffen. „Das werde ich mir merken“, funkte ein sichtlich bedienter Hill in Richtung seines Teamkollegen. Hill beendete das Rennen vorzeitig auf Platz 34. Auch für Corey Day riss eine Serie von acht Top-10-Platzierungen; er rettete nach einem Unfall in Runde 101 und einem anschließenden Reifenschaden immerhin noch Rang 12 ins Ziel.
Für das kommende Rennen am Samstag in Talladega haben sich Gray, Creed, Allgaier und Love erneut für das Bonusprogramm „Dash-4-Cash“ qualifiziert.
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Autor(en)
Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.
Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.




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