Spektakuläre Premiere auf der Naval Base Coronado: Layne Riggs gewinnt NASCAR-Truck-Rennen
Layne Riggs gewann das erste NASCAR-Rennen auf der Naval Base Coronado der Geschichte – Der Ford Pilot profitierte dabei von einem Fehler des Führenden Tyler Reif im Overtime-Finale
Das erste NASCAR-Rennen auf dem temporären Straßenkurs der Naval Base Coronado ist Geschichte und lieferte einen vielversprechenden Vorgeschmack auf das kommende Rennwochenende. Springende Autos, Nadelöhr-Engen und parkplatzbreite Passagen, gekrönt von harten Zweikämpfen, prägten das Bild. Am Ende war es Layne Riggs, der diese anspruchsvolle Kombination am besten meisterte und sich in der vorletzten Kurve in einem packenden Finish gegen Tyler Reif durchsetzte.
Overtime-Drama und ein teurer Fehler
Die heiße Schlussphase wurde durch einen harten Overtime-Restart eingeleitet, den Chandler Smith und Kaden Honeycutt anführten. Beide kämpften so hart um die Spitze, dass Honeycutt in seinem Truck mit der Startnummer 11 in der ersten Kurve die Außenmauer touchierte und mit Smith kollidierte. Dieser Vorfall machte die Siegeschancen für beide schlagartig zunichte.
Vom Rückfall des Führungsduos profitierten Riggs, Reif und Hemric, die sich in der vorletzten Runde einen packenden Dreikampf um die Spitzenposition lieferten. Alle Piloten kämpften mit harten Bandagen, sodass sich Reif direkt vor dem Truck von Hemric beinahe drehte.
Nach diesem Kontakt machten Riggs im Ford mit der Startnummer 34 und Reif im Niece-Motorsport-Truck den Sieg unter sich aus. Riggs setzte den Piloten im Camouflage-Truck jedoch so sehr unter Druck, dass dieser die Schikane der vorletzten Kurve verpasste.
Da die NASCAR bei einer solchen Abkürzung der Strecke einen vollständigen Stillstand vorschreibt, den Reif nicht lieferte, fiel die Entscheidung endgültig zugunsten von Riggs.

Historischer Sieg für Layne Riggs
„Layne van Risberger war heute in absoluter Spiellaune, Mann“, scherzte Riggs nach dem Aussteigen in Anlehnung an das Rundkursass der Cup Series, Shane van Gisbergen. „Wir sind auf Stadtkursen ungeschlagen, Respekt an Shane. Ich hoffe, ich kann eines Tages so gut sein wie du. Aber meinen ganzen Ruhm werde ich hier in der Truck Series einfahren.“
Das turbulente Ende fasste der Rennsieger so zusammen: „Ich weiß gar nicht genau, was am Schluss passiert ist, Funken flogen, Autos crashten, und ich bin einfach voll auf dem Gas geblieben. Mir ging auf der gesamten letzten Runde der Sprit aus. Es war wie in St. Pete, nur noch einmal“, spielte er auf seinen Saisonsieg bei einem weiteren neuen Stadtkursrennen an.
Sein Siegmanöver beschrieb er mit einem Augenzwinkern: „Ich habe einen Schlenker nach links angetäuscht, um ihn [Reif] zu erschrecken, und er hat die Kurve verpasst. Ich hatte eigentlich gar nicht vor, tief in die Kurve hineinzustechen, aber es hat für mich funktioniert. Ein unglaublicher, historischer Sieg.“

Reif hatte gehofft, in seinem erst siebten Start in der Serie einen Sieg einzufahren. Letztlich belegte er den 19. Platz, nachdem er für das Abkürzen in der letzten Runde zusätzlich eine 30-Sekunden-Strafe erhalten hatte. „Ich hörte, dass er nur noch eine Wagenlänge hinter mir war, und wollte ihm keine Chance geben, an mich heranzukommen“, gab Reif selbstkritisch zu.
„Es war mein Fehler und es ist sehr bedauerlich, dass mir das passiert ist. Ich weiß nicht, wie viele Chancen wie diese ich noch bekommen werde, aber ich bin sicher, es wird weitere geben. Ich werde jedenfalls sicherstellen, dass mir dieser Fehler nicht noch einmal passiert.“

Chandler Smiths verpasste Chance
Die letzten beiden Runden boten eine Fülle an unerwarteten Wendungen. Eine überlegene Strategie hatte Smith für den Overtime-Restart in Runde 52 an die Spitze des Feldes gespült.
Der Front-Row-Motorsports-Pilot äußerte sich nach dem Rennen nüchtern: „Die Nummer 11 ist viel zu schnell in die Kurve gefahren. Ich bin extrem tief reingegangen, und als ich vom Gas ging, merkte ich, wie er plötzlich nach vorne schoss. Da dachte ich mir nur: ‚Ah, der kriegt die Kurve nicht mehr.‘“
Er fügte hinzu: „Nach dem ersten Viertel des Rennens waren wir unfassbar gut. Wenn man bedenkt, wie cool dieses Event ist und dass wir wahrscheinlich nie wieder hierher zurückkehren werden, tut das alles ein bisschen mehr weh als sonst.“
Trotz seines Frusts zollte er Honeycutt Respekt, sparte aber nicht an Kritik: „Kaden ist ein guter Rennfahrer, das glaube ich wirklich. Ich denke nicht, dass er das absichtlich tun wollte. Die Emotionen kochen hoch, es geht um den Sieg, das verstehe ich alles. Aber wo zieht man die Grenze, wenn man weiß, dass man sich bei dem Versuch selbst aus dem Rennen nimmt? Gerade mit dem neuen Punkteformat ist es das einfach nicht wert. Ich halte ihn eigentlich für einen intelligenteren Rennfahrer als das.“

Prominente Gaststarter zwischen Euphorie und Altmetall
Neben den Vollzeit-Piloten lockte das Rennen auch prominente Gaststarter in die dritte Liga der NASCAR. So gaben sich der siebenmalige Cup-Meister Jimmie Johnson, Trackhouse-Besitzer Justin Marks und Daytona-500-Sieger Jamie McMurray die Ehre.
Johnson kämpfte zeitweise an der Spitze, fiel im Laufe des Rennens jedoch ans Ende des Feldes zurück. „Es gibt nichts Vergleichbares. Diese freie Fahrt ohne Vordermann ist einfach unglaublich angenehm“, schwärmte er zunächst und beschrieb einen seiner Zweikämpfe: „Es war ein großartiges Duell mit Kaden [Honeycutt]. Sein Truck lag in Kurve zwei etwas unruhig, und ich habe ein paarmal versucht, das auszunutzen. Schließlich habe ich ihn weit genug aus der Balance gebracht und bin vorbeigezogen.“
Weiter hinten im Feld lernte der Rekordchampion allerdings die raue Seite der Serie kennen: „So etwas habe ich noch nie erlebt. An der Spitze herrscht immer ein gewisses Geben und Nehmen. Aber als wir von Platz 10 oder 12 durchs Feld fahren mussten, war wirklich jeder Truck um uns herum demoliert. Ich dachte mir: Okay, da fahre ich einfach hindurch. Letztendlich wurde ich selbst einfach abgeräumt.“

Johnson, der sein Heimrennen am selben Wochenende noch im Cup-Auto bestreiten wird, resümierte seine Erfahrung treffend: „Es gibt so viel Altmetall, aber so wenig Respekt.“
Noch frustrierter zeigte sich Jamie McMurray nach seinem frühen Ausfall bei seinem ersten Truck-Einsatz seit 2008: „Ehrlich gesagt bin ich mir nicht zu 100 Prozent sicher, was da passiert ist. Justin Marks hat mich in der Kurve davor überholt, und ich habe für einen Moment einfach die Sichtlinie zur Kurve verloren. Ich glaube nicht einmal, dass ich meinen Bremspunkt verpasst habe, ich hatte den Truck einfach in einem anderen Winkel positioniert. Ein ziemlich enttäuschendes Ende für ein Comeback.“ Auf die Frage, ob er sich weitere Starts vorstellen könne, antwortete er unmissverständlich: „Nein. Nein. Nein. Sehr unwahrscheinlich.“

Hitzige Gefechte in der Boxengasse
Neben der Enttäuschung bei McMurray sorgte eine handfeste Meinungsverschiedenheit zwischen dem Sieger des zweiten Rennsegments, Parker Kligerman, und Gaststarter Adam Andretti für Aufsehen, die in einer hitzigen Diskussion in der Boxengasse gipfelte.
„Ich meine, wenn man Leute wie diesen Andretti dabei hat, der dreimal versucht hat, mich abzuschießen… ich finde, er zieht diesen Nachnamen offensichtlich in den Dreck“, wütete Kligerman.
„Ich wusste nicht einmal, dass er ein Andretti ist. Er ist eine Schande für diesen Namen. Hier wird sich einfach grundlos auf Platz 28 abgeräumt. Jetzt haben wir ein zerstörtes Auto, weil dieser Idiot versuchte, mich für einen Fehler, den er selbst gemacht hat, von der Strecke zu rammen. Das ist genau diese Art von Situation, in der reiche Kids dafür bezahlen, hier ein bisschen mitzufahren, und sie haben null Respekt.“
Trotz des Ärgers versuchte Kligerman, der das Rennen auf Platz 18 beendete, den Tag einzuordnen: „Ich weiß nicht, wie ich das beschreiben soll. Es war einer der wildesten Tage. Das ist die coolste Strecke und eine verrückte Erfahrung, aber es wurde definitiv wild, als wir ans Ende des Feldes zurückfielen.“

Strafen und Meisterschaftsstand
Bei der Inspektion fielen die Trucks von Ty Majeski und Ben Rhodes auf, da bei beiden jeweils eine Radmutter fehlte. Als Konsequenz verlieren beide Piloten ihre Boxenplatzwahl für den kommenden Lauf.
Der Sieger Layne Riggs, der auch die erste Stage für sich entscheiden konnte, baute seine Führung in der Meisterschaft auf 65 Punkte vor Honeycutt aus. Smith liegt mit 128 Punkten Rückstand auf dem dritten Platz. Bis zum Ende der regulären Saison der Truck Series stehen noch fünf Rennen aus, wovon das nächste am 11. Juli im Lime Rock Park stattfindet.
Dir hat dieser Artikel gefallen? Journalismus auf Leadlap.de ist und bleibt dauerhaft werbefrei und für alle ohne Bezahlschranke kostenlos. Damit ich dieses Projekt auch in Zukunft unabhängig und in dieser Tiefe betreiben kann, freue ich mich über deine freiwillige Unterstützung. Jeder Beitrag hilft direkt dabei, die Qualität und Vielfalt meiner Berichterstattung zu sichern.
Jetzt Leadlap.de und André Wiegold unterstützen via PayPal
(Hinweis: Freiwilliger Beitrag zur Förderung journalistischer Inhalte, inkl. USt., keine steuerlich absetzbare Spende.)
Autor(en)
Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.
Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.






Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.