Renn-Einsatz auf der Naval Base Coronado wackelt: Christopher Bell vor „Entscheidung in letzter Minute“

Renn-Einsatz auf der Naval Base Coronado wackelt: Christopher Bell vor „Entscheidung in letzter Minute“
Foto: NASCAR Media / David Jensen/Getty Images

Wegen seiner schweren Handgelenksverletzung zögert Christopher Bell vor dem NASCAR-Rennen auf der Naval Base Coronado – Der verletzte Joe-Gibbs-Pilot plant wegen der extremen Belastungen eine Entscheidung in letzter Minute

Christopher Bell steht am Wochenende vor einer schwerwiegenden Entscheidung: Wird er das Rennen auf der Naval Base Coronado durchfahren oder vorzeitig das Lenkrad aus der Hand geben? Der endgültige Beschluss des Joe-Gibbs-Piloten wird laut eigener Aussage eine „Entscheidung in letzter Minute“ – eine sogenannte „Game-Time Decision“.

Bell hatte sich vor zwei Wochen beim Lauf im US-Bundesstaat Michigan das Handgelenk verletzt, nachdem er in einen der schwersten Unfälle der „Next Gen“-Ära verwickelt war. Trotz des folgenschweren Crashs biss der 31-Jährige die Zähne zusammen und spulte beim anschließenden Lauf in Pocono die gesamte Renndistanz ab.

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Mammutaufgabe 16 Kurven

Nun warten zwei Rundkursrennen auf den angeschlagenen Piloten: San Diego und Sonoma. Diese Streckencharakteristik ist im Vergleich zu den klassischen Ovalen fordernder, was Intensität und Schnelligkeit der Lenkbewegungen angeht. Der temporäre Qualcomm-Kurs ist mit einer Länge von 5,472 Kilometern und 16 Kurven der mit Abstand längste Rundkurs im diesjährigen NASCAR-Kalender vor Sonoma, das in der folgenden Woche ansteht.

„Es ist keine Frage der Schmerzgrenze, und es wird sich auch nichts daran ändern, bis der Gips ab ist“, erklärt Bell die Situation. „Aber es ist genau dasselbe Problem wie in Pocono: Ich kann am Lenkrad einfach nicht so schnell und aggressiv agieren, wie ich es normalerweise tue.“

Das vorrangige Ziel für Bell und seinen Crew-Chief Adam Stevens ist es, bis zum Sonntag ein klares Ziel für das Rennwochenende auszuloten.

Der Fahrer der Startnummer 20 macht kein Geheimnis daraus, wie vorsichtig er agieren muss: „Adam und ich müssen uns wirklich zusammensetzen und besprechen, was unsere Ziele für dieses Wochenende sind. Ich muss ganz klar sagen: Das ist eine Rennstrecke mit extrem hohem Risiko, und ich kann mir keinerlei Rückschläge leisten. Ich befinde mich jetzt in der zweiten Woche des Heilungsprozesses.“

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Extremes Risiko durch Bodenwellen und Mauerkontakte

Besonders das Risiko bei Fahrfehlern bereitet dem 31-Jährigen Sorgen. Ein Kontakt mit der Außenmauer oder eine der auf Rundkursen üblichen Berührungen im dichten Verkehr könnten das Handgelenk massiv belasten. Hinzu kommt eine Bodenwelle, die die Gen-7-Autos vereinzelt abheben lässt.

„Jede noch so kleine Fehleinschätzung am Scheitelpunkt, jede Berührung der Mauer oder im direkten Zweikampf sorgt dafür, dass das Lenkrad in meiner Hand schlägt“, beschreibt Bell das Szenario. „Das sind genau die Dinge, wegen derer wir alle besorgt sind.“

Brent Crews: Das Toptalent steht als Ersatz parat

Sollte Bell das Cockpit vorzeitig verlassen müssen, steht Ersatz bereit: Joe-Gibbs-Nachwuchsfahrer Brent Crews übernimmt die Rolle des Stand-by-Piloten. Der erst 18-Jährige, der bereits als potenzieller Nachfolger für NASCAR-Veteran Denny Hamlin gehandelt wird, startet regulär in der O’Reilly Series und glänzte dort zuletzt mit zwei zweiten Plätzen in Folge. Zudem bringt Crews eine ausgeprägte Rundkurs-Expertise mit – 2023 krönte er sich zum Meister in der Trans-Am Road Racing Series.

Bell hält den Youngster für eine perfekte Vertretung: „Ich denke, das ist das perfekte Szenario für Brent. Er kommt an eine Rennstrecke, auf der die Bedingungen für alle Fahrer komplett neu und somit absolut ausgeglichen sind. Er ist offensichtlich ein herausragender Rundkursfahrer.“

Auch die ersten Eindrücke aus der Vorbereitung stimmen Bell positiv: „Er war im Simulator stark und hat das auch im Training gezeigt. Wir hatten mit der Abstimmung unseres Autos ziemlich zu kämpfen, aber er hat definitiv einen tollen Job gemacht und war auf einer wirklich respektablen Runde unterwegs, bevor ihm spät in der letzten Kurve ein Fehler unterlaufen ist. Alles in allem weiß ich einfach, dass er seine Sache sehr gut machen wird. Sollte er das Rennen fahren, werden wir sicher nicht durch den Fahrer limitiert sein.“

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Ernüchterung nach Optimismus

Wie lange Bell den Gips noch tragen muss, entscheidet sich von Woche zu Woche. Die Ärzte rieten ihm dringend davon ab, die Schiene vorzeitig zu entfernen – würden dem Wunsch jedoch stattgeben, sollte er die Initiative ergreifen. Das harte Rennwochenende in Pocono hat Bell jedoch vor Augen geführt, dass der Heilungsprozess wohl noch einige Wochen in Anspruch nehmen wird.

„Vor Pocono dachte ich noch, dass alles völlig in Ordnung sein würde und ich das Auto ganz normal fahren könnte. Pocono war für mich ein echter Augenöffner. Ich bin nicht bei 100 % und ich fahre nicht bei 100 %“, gesteht der Pilot aus Oklahoma offen. „Ich bin nicht ich selbst. Rückblickend war ich einfach zu optimistisch und habe nun verstanden, wo ich aktuell stehe.“

Immerhin gibt es gesundheitliche Fortschritte: Während er in Pocono noch leichte Schmerzstiche spürte, blieben diese am Freitag komplett aus. Die einzige Barriere bleibt die Einschränkung durch den Gipsverband, dessen vorzeitige Abnahme Bell an diesem Wochenende nicht riskieren will.

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„Es ist schlicht die körperliche Einschränkung, das Lenkrad nicht schnell genug herumreißen zu können. Wenn alles perfekt läuft, das Heck nicht ausbricht, ich jeden Scheitelpunkt treffe und meine Runterschaltvorgänge fehlerfrei hinbekomme, ist alles gut. Aber es sind diese unvorhersehbaren Momente, wie sie heute beim Herausbeschleunigen aus der letzten Schikane auftraten: Ich war gerade am Schalten, und in dem Moment, in dem das Auto ausbricht, wird es extrem schwierig, es wieder einzufangen. Ich muss einfach diesen Gips loswerden.“

Zwei Rundkurse stehen dem Toyota-Piloten noch bevor, ehe die NASCAR auf den Chicagoland Speedway – und damit ein Oval – zurückkehrt. Aufgrund seines angeschlagenen Zustands hofft Bell, dass das Rennen auf dem Qualcomm-Kurs 2027 in den Kalender zurückkehrt, damit er die Erfahrung einmal in vollem Ausmaß erleben kann.

„Es ist sehr frustrierend“, gibt Bell zu. „Ich hoffe wirklich inständig, dass wir hierher zurückkehren dürfen, denn es hat riesigen Spaß gemacht, dort draußen zu fahren, und ich hoffe, dass ich hier irgendwann einmal mit 100 % antreten kann. Es ist ein Jammer, aber ich bin sehr, sehr dankbar, dass es nur ein paar gebrochene Knochen sind.“

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Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.

Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.

Erik Resch

Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws. Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.