Talladega-Aufreger: Rivale Hamlin nimmt Larson in Schutz und kritisiert NASCARs Willkür
Kyle Larson sicherte sich in Talladega einen umstrittenen Chase-Sieg knapp oberhalb der verbotenen gelben Linie – Während Rivale Denny Hamlin den Hendrick-Piloten gegen Strafen verteidigt, attackiert er zugleich die Rennleitung für ihre uneinheitliche Regelauslegung
Das Rennen auf dem Superspeedway sorgte für reichlich Zündstoff im Fahrerlager. Der Triumph von Kyle Larson erwies sich letztlich als Millimeterentscheidung – nicht bloß beim Fotofinish, sondern vor allem an der doppelten gelben Linie, die laut Reglement keinesfalls zur Positionsverbesserung überfahren werden darf. Während Austin Hill – der beim Zielsprint sowieso mit Leistungsverlust zu kämpfen hatte – bestraft wurde, sprachen die Kommissare Larson frei – und ebneten ihm den Weg zu einem womöglich meisterschaftsentscheidenden Erfolg.
Dass Larson sich auf der Markierung bewegte, steht außer Frage. NASCAR-Journalist Jeff Gluck zeigte nach dem Rennen auf X Reifenspuren, die darauf hinweisen, dass der Nummer-5-Chevrolet die Begrenzung zu keinem Zeitpunkt komplett passierte. Auch Hamlin, Larsons härtester Widersacher im Titelrennen, erkannte keine Regelwidrigkeit. Dennoch forderte er von NASCAR mehr Verlässlichkeit bei derartigen Grenzfällen.
In seinem Podcast Actions Detrimental stellte der Joe-Gibbs-Pilot klar: „Er [Larson] ist nicht unter die gelbe Linie gefahren. Meiner Ansicht nach fuhren in der letzten Runde etwa drei Autos darunter. Meine einzige Frage bezog sich auf Austin Hill: Er war nach Turn 2 definitiv unterhalb. Man muss sich also fragen: Befand er sich unter der gelben Linie, ja oder nein?“

„Wenn man sieht, wo die Front der Startnummer 5 im Tri-Oval war, und sagt: ‚Nein, das war nicht darunter‘, und danach prüft, wo der Splitter der Startnummer 33 lag – glaubt mir: Der war definitiv darunter. Diesen Haken setze ich bei ‚Ja‘. Doch dann lautet die Folgefrage: Wie ist er überhaupt dorthin geraten?“
„Fuhr er freiwillig darunter oder wurde er abgedrängt? Ich will mich da gar nicht an Details aufhängen, wenn es plötzlich heißt: ‚Es reicht schon, wenn nur ein Reifen drüber ist.‘ Nirgendwo in den Regeln steht beim Überfahren der gelben Linie etwas von einem einzelnen Reifen“, betonte Hamlin.
„Worüber redet NASCAR da überhaupt? Ich habe mich ein ganzes Jahr lang zurückgehalten und kaum Kritik geübt“, polterte der Routinier weiter. „34 Wochen lang war ich handzahm – doch diese Woche ist der Bogen überspannt. Das sind reine Bauchentscheidungen. So wie die Offiziellen das handhaben, ist das schlichtweg willkürlich.“
Das sportliche Regelwerk hält hierzu Folgendes fest: Abschnitt 8.3.2: „Fahrzeuge müssen auf der gesamten Rennstrecke oberhalb der doppelten gelben Linie fahren. Befindet sich ein Fahrzeug nach Ermessen von NASCAR unterhalb der doppelten gelben Linie, um seine Position zu verbessern, wird es mit der schwarzen Flagge bestraft. Drängt ein Fahrer nach Ermessen von NASCAR einen Konkurrenten unter die doppelte gelbe Linie, um dessen Vorankommen oder ein Überholmanöver zu blockieren, kann gegen ihn ebenfalls die schwarze Flagge verhängt werden.“
Für Superspeedways gilt außerdem: Abschnitt 8.7.2(a): „Bei Superspeedway-Events müssen Fahrzeuge im Wettbewerb jederzeit oberhalb der doppelt aufgemalten Linien bleiben. Das Überholen unterhalb dieser Markierungen zur Positionsverbesserung zieht eine schwarze Flagge nach sich. Das Abdrängen eines anderen Fahrzeugs unter diese Linien zur Abwehr eines Manövers kann mit der schwarzen Flagge geahndet werden. ‚Unterhalb der doppelt aufgemalten Linien‘ ist so definiert, dass sich die linken Reifen des Fahrzeugs unterhalb der inneren der beiden Linien befinden, die den Apron vom eigentlichen Rennasphalt trennt.“

Noch während die Kontroverse kochte, schilderte Larsons Crew-Chief Cliff Daniels die Szene in der Pressekonferenz: „Bis wir in der Victory-Lane standen, hatte ich davon keinen Schimmer. Kyle sagte zu mir: ‚Ganz ehrlich: Ich habe schon gejubelt, bevor ich überhaupt an der Linie war, und das Lenkrad losgelassen. Genau deshalb bin ich fast darunter gerutscht.‘ Ich dachte nur: ‚Alter, meinst du das ernst?‘ Ich kenne die TV-Bilder noch nicht, nur seine Schilderung. Ich kann es kaum erwarten, die Wiederholung zu sehen. Notiz für unser Debriefing: Nicht zu früh freuen!“
Larson selbst gab Entwarnung, gestand aber den Schreckmoment: „Ich wusste sofort, wie eng es war. Ich hätte mich grün und blau geärgert, wenn ich wirklich drunter gewesen wäre. Den Sieg aberkannt zu bekommen, wäre verheerend gewesen. Ich habe bislang weder Bilder noch Videos gesehen. Mein Schwung trug mich an der #47 [Ricky Stenhouse Jr.] vorbei, und ich riss die Faust schon vor dem Zielstrich nach oben. Ja, das wäre verdammt peinlich geworden, hätten wir den Sieg dadurch weggeworfen.“
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Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.







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