Titelträume mit 51 Jahren: Claudio Cappelli bläst zur Attacke auf den Gesamtsieg
Claudio Cappelli hat für die NASCAR-Euro-Saison 2026 bei Top-Team CAAL Racing angedockt – Der 51-jährige Italiener gibt sich nicht mehr mit der Legend Trophy zufrieden, sondern schielt auf den ganz großen Meisterschaftspokal
Claudio Cappelli greift in der NASCAR Euro Series nach dem ganz großen Coup und wechselte dafür zur Saison 2026 zum italienischen Top-Team CAAL Racing. Der 51-jährige Italiener aus Robecco d’Oglio will sich in der OPEN-Division nicht mehr nur auf die Legend Trophy für Fahrer über 45 Jahre konzentrieren, sondern kämpft mitten in der Elite um den Gesamttitel. Zur Sommerpause liegt der Routinier trotz kleinerer Rückschläge aussichtsreich auf dem fünften Tabellenplatz und hat die Meisterschaft fest im Visier.
Der Mann mit dem markanten Bart gehört seit dem Jahr 2019 zum festen Inventar der europäischen NASCAR-Szene und gilt als absoluter Publikumsliebling. Nach seinem Triumph in der Legend Trophy 2024 sucht Cappelli nun die ultimative Herausforderung auf zwei Fronten: gegen die starke, teils deutlich jüngere Konkurrenz auf der Strecke und gegen die eigene biologische Uhr.
„CAAL Racing ist für mich eine riesige Chance, meine EuroNASCAR-Karriere auf das nächste Level zu heben“, erklärt Cappelli den Wechsel zur italienischen Spitzenmannschaft. „Ihr technisches Know-how ist schlicht unglaublich. In diesem Jahr möchte ich die Dinge mit der Denkweise eines Rookies angehen – einen neuen Weg nach vorne lernen, der weit über diese Saison hinausreicht. Gleichzeitig kann ich nicht ignorieren, dass ich älter werde. Jedes Jahr wird es schwieriger, die physische Kraft und Energie aufzubringen, die man braucht, um an der Spitze mitzumischen.“
Abseits der Rennstrecke führt Cappelli ein extrem ausgefülltes Leben als selbstständiger Unternehmer im Handwerk. Als Dachdecker steht er täglich unter Strom, was die mentale Vorbereitung auf die Rennwochenenden nicht gerade erleichtert.
„Mein Kopf ist immer voll mit der Arbeit“, beschreibt der Italiener den Spagat zwischen Beruf und Rennsport. „Das ist nicht einfach für einen ehrgeizigen Menschen wie mich. Ich möchte nicht an einem Rennwochenende aufwachen und mir sagen: ‚Hey, ein Top-5- oder Top-6-Ergebnis im Gesamtklassement ist okay, oder du gewinnst einfach die Legend Trophy.‘ Das reicht nicht aus, um mich zu motivieren, ans Limit zu gehen. Mit CAAL Racing im Rücken kann ich endlich groß denken.“

Nach der ersten Saisonhälfte liegt Cappelli mit 22 Punkten Rückstand auf den Meisterschaftsführenden Thomas Toffel in Lauerstellung. In der Legend Trophy führt er das Klassement mit 16 Zählern Vorsprung auf seinen Dauerrivalen Melvin de Groot an. Komplett zufrieden ist der ehrgeizige Routinier mit dem bisherigen Verlauf allerdings nicht, da er wertvolle Punkte liegen ließ.
„Die Saison begann mit ein paar kleineren Problemen, die unser wahres Potenzial überschattet haben“, gesteht Cappelli offen. „Auf meiner Seite war ich nicht in körperlicher Bestform und habe ein oder zwei kleine Fehler gemacht, die uns vielleicht vier oder fünf Punkte gekostet haben. Dazu kamen mechanische Rückschläge, wie die Motorprobleme in Frankreich und Großbritannien, die uns weitere drei oder vier Punkte gekostet haben. Ohne diese Vorfälle stünden wir mitten auf dem Podium.“
Trotz der vergebenen Chancen blickt Cappelli optimistisch auf die ausstehenden Rennen im Spätsommer und Herbst. Er weiß, dass in der extrem engen NASCAR Euro Series noch alles möglich ist und die Entscheidung erst beim Finale fallen wird.
„Die Ausgangslage ist immer noch gut. Ich bin Fünfter in der Gesamtwertung und liege nur 22 Punkte hinter Toffel, der in diesem Jahr außergewöhnlich gut fährt, sodass sich der Schaden in Grenzen hält“, analysiert Cappelli die Meisterschaft. „CAAL Racing arbeitet unermüdlich vor dem nächsten Lauf in Most, und ich intensiviere mein Training, um wieder in absolute Bestform zu kommen. Wir sind voll auf die zweite Jahreshälfte fokussiert. Der Titel ist das Ziel!“
Bevor es im tschechischen Most wieder um wichtige Meisterschaftspunkte geht, muss Cappelli die stressigste Phase in seinem Betrieb überstehen. Die heißen Sommermonate verlangen dem Italiener im Beruf alles ab, bevor er im Cockpit seines V8-Boliden wieder ans Limit gehen kann.
„Der Sommer ist die Hauptarbeitszeit – für Dachdecker ist es immer die geschäftigste Zeit des Jahres“, so Cappelli über seinen Alltag. „Aber wir werden uns zwei Wochen Urlaub gönnen. Ich plane, mit meiner Harley-Davidson durch die italienische Landschaft zu fahren – ich denke an die Toskana und entlang der Küste. Danach geht es direkt wieder an die Arbeit. Wir planen für August eine Testsession in Vallelunga, um ein neues Setup auszuprobieren und meine körperliche Fitness zu testen.“
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Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.






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