Zwischen Frust und Zuversicht: Die Iowa-Lehren von Blaney und Hamlin vor dem Chase
Trotz 129 Führungsrunden reichte es für Ryan Blaney beim Cup-Rennen in Iowa nur zu Platz drei – Während der Penske-Pilot ohne Ausreden nach vorne blickt, kämpfte Denny Hamlin mit gefährlichen Brems-Problemen
Beim NASCAR Cup Series Rennen auf dem Iowa Speedway am vergangenen Sonntag erlebten die Fans ein hochdramatisches Spektakel, bei dem Christopher Bell und Ty Gibbs den Sieg unter sich ausmachten, während Polesitter Ryan Blaney trotz der meisten Führungsrunden mit Rang drei vorliebnehmen musste.
Parallel dazu kämpfte Meisterschaftsleiter Denny Hamlin mit massiven Bremsproblemen an seinem Toyota und rettete sich mit mühevoller Detailarbeit auf den fünften Platz. Drei Wochen vor dem Start der heißen Chase-Phase sorgten strategische Kniffe, technische Risiken und die kompromisslose Regelauslegung der NASCAR für reichlich Zündstoff auf dem Short Track.
Blaney erwischte von der Pole-Position aus eigentlich einen perfekten Start in den Rennsonntag. Der Team-Penske-Pilot dominierte das Geschehen im ersten Segment nach Belieben und führte das Feld für insgesamt 129 der 350 Runden an – mehr als jeder andere Fahrer im Feld.
Doch im entscheidenden Schlussdrittel fehlte dem Ford-Fahrer der letzte Punch gegen die heranstürmende Konkurrenz. Eine Entscheidung der Crew, bei einem Boxenstopp in der Mitte des Rennens auf vier statt zwei neue Reifen zu setzen, kostete ihn wertvolle Track-Position.
Mögliche Ausreden oder Schuldzuweisungen an seine Crew wischte der Titelverteidiger nach dem Zielleinlauf jedoch sofort resolut vom Tisch. „Ich glaube nicht, dass es daran lag. Es hat uns zwar ein wenig zurückgeworfen, aber ich dachte eigentlich, dass es sich gut ausspielen würde“, erklärte Blaney gewohnt direkt. Am Ende musste er neidlos anerkennen, dass die Konkurrenz im Finale einfach schneller war: „Die Startnummern 20 und 54 waren in der zweiten Hälfte des Rennens definitiv besser als ich.“
Trotz des verpassten Sieges überwog beim Team Penske die Zuversicht, denn der dritte Rang brachte Blaney wertvolle Zähler im Kampf um die Chase-Setzliste ein.
„Insgesamt war es ein wirklich gutes Wochenende. Gutes Training, gute Qualifikation und ein starker Auftritt im Rennen“, bilanzierte der Champion gefasst. Es sei schön, ein gutes Ergebnis einzufahren, auch wenn es kein Sieg war: „Das war ein ziemlich ordentlicher Tag.“ Mit Blick auf das anstehende Rennen in Richmond reist Blaney mit breiter Brust an, da der Kurs seinen Stärken erneut entgegenkommen sollte.
Völlig andere Sorgen plagten unterdessen Hamlin, der bereits vor dem Start mit unberechenbaren Bremsen an seinem Joe-Gibbs-Toyota zu kämpfen hatte. Um auf der für ihn bisher schwierigen Strecke eine bessere Abstimmung zu finden, bediente sich Hamlin beim Setup des Partnerteams 23XI Racing.
„Ich wollte mich dieses Mal etwas mehr an deren Setups anlehnen, da ich auf dieser Rennstrecke noch keinen Erfolg hatte und noch nicht dieses gute Gefühl gefunden habe. Also musste ich das Setup von jemandem übernehmen, der hier gut gefahren ist, und von dort aus lernen“, gab der Routinier offen zu und nahm die Schuld auf seine Kappe: „Meine Nachricht an mein Team war: Ich kriege auf dieser Strecke keinen Fuß auf den Boden, also gebt mir das Setup von jemandem, der hier gut war.“
Das Experiment entpuppte sich jedoch schnell als Ritt auf der Rasierklinge, da Hamlins Wagen unter extrem schwankendem Bremsdruck litt. Nach Gelbphasen war der Druck zwar kurzzeitig da, schrumpfte während langer Grünphasen jedoch teilweise auf gefährliche zehn Prozent zusammen.
Da das NASCAR-Regelwerk einen Wechsel der Bremsbeläge vor dem Start verbietet, ohne dass das Auto für Reparaturen hinter die Mauer muss und massiv Zeit verliert, versuchte Hamlin vergeblich, einen Kompromiss mit den Offiziellen auszuhandeln.
In seinem Podcast Actions Dentremental sprach Hamlin Klartext über den gefährlichen Spagat und den fehlenden Ermessensspielraum der Regelhüter. „Ich habe ihnen gesagt, dass ich sogar aus der Boxengasse starten würde, weil wir ein gesundheitliches Problem haben“, schilderte Hamlin den Funkverkehr mit der Rennleitung.
Es sei ihm nicht um einen strategischen Vorteil gegangen, sondern schlicht darum, einen harten Einschlag in die Mauer zu verhindern: „Hier muss der gesunde Menschenverstand greifen. Genau da wünsche ich mir ein Sternchen unten im Regelbuch, das besagt: Wir wenden gesunden Menschenverstand an.“
Als NASCAR ihm mit einer frei erfundenen, noch drastischeren Strafe drohte, falls das Team die Beläge eigenmächtig tauschen sollte, gab der Routinier zynisch nach: „Da dachte ich mir: Nun, dann muss ich wohl einfach langsamer fahren.“
Wenn er die Bremsen verliere, fahre er eben im Schneckentempo um den Kurs und kassiere Rundenrückstand. Trotz der widrigen Umstände und einer fieberhaften Reparatur der Kühlkanäle durch Crew-Chief Chris Gayle kämpfte sich Hamlin am Ende noch auf den fünften Platz vor und bewies einmal mehr seine Qualitäten als Schadensbegrenzer.
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Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.





