In seiner Kolumne für leadlap.de spricht Marcel Berndt über den 3. Renntag der belgischen CAMSO V8 bzw. European Late Model Serie (ELMS) in Warneton.

Die Ausgangsposition für Renntag 3 war mit nur 4 Punkten Rückstand auf den jungen Franzosen Arthur Lehouck durchaus gut. Das Wetter am Samstag war es allerdings nicht. Schon morgens bei Ankunft am Flughafen Brüssel tummelten sich graue Wolken am belgischen Himmel. Auch nach dem Eintreffen auf der Rennstrecke besserte sich dies nicht. Im Gegenteil, die Trainingssessions mussten immer wieder unterbrochen werden, da es zu nieseln begann.

Dennoch konnte ich einige Sachen ausprobieren. Und mit „ausprobieren“ meine ich eher meine Fahrkünste, als irgendeine Art Setupeinstellung oder gar Verstellung. Wie bisher zu jeder Session stellte mir das Team Turboracing.be ein perfektes Auto in die Boxengasse. Da ich jahrelang ausschließlich frontgetriebene Tourenwagen gefahren bin, befindet sich hier mein noch größtes Defizit. Dennoch merkte ich schon an den ersten beiden Renntagen, was ich 2015 und 2016 bei Derk Siebers im Team gelernt hatte, wovon ich auch heute wieder profitierte.

Schon am Morgen des Rennsonntages zogen abermals dunkle Wolken auf. Es ging von Platz 4 aus in den 7. Lauf der Saison. Das Auto lief wie ein Uhrwerk und ich fühlte mich zusätzlich pudelwohl. Ich machte Meter um Meter auf meinen Vordermann gut. Als es dann in Runde 6 leicht anfing zu nieseln und die Rennleitung über den Helmfunk verlauten ließ, ab Runde 12 würde abgebrochen, falls der Nieselregen nicht nachlasse, schraubte ich meine Risikobereitschaft noch etwas nach oben.

Durch die jahrelange Erfahrung bei Regen mit Slicks fand ich schnell eine Linie, die mehr Grip lieferte, als die Linie meiner Mitstreiter. Plötzlich befand ich mich auf Platz 1 liegend und baute meinen Vorsprung in den letzten 3 Runden noch deutlich aus. Auf Position 2 kam mein direkter Mitstreiter aus Frankreich (Jean Vasseur, P3 Meisterschaftsstand) ins Ziel. So kann der Renntag beginnen, dachten wir uns.
Lauf 8 lief recht unspektakulär ab und nahezu identisch zum 7. Lauf, nur dass es diesmal strahlenden Sonnenschein und Hochsommerwetter zu verzeichnen gab. Wiederum von Platz 4 gestartet, fand ich atemberaubend schnell in meinen Rhythmus und fuhr mich in eine Art “flow”.

Der Brite Keith Whalley machte mir mit seinen Angriffen auf den Laufsieg das Leben so schwer es nur möglich war. Mit dem gewohnten Lackaustausch und einigen Reifenspuren auf der Fahrerseite übernahm ich dennoch die Führung und gewann auch Lauf 8. Nun betrug meine Siegquote in der Camso V8 50%, nicht allzu schlecht für einen Rookie, würde ich sagen.

In Lauf 9 war dann das Glück nicht ganz auf meiner Seite. Schon in Runde 5 gab es eine verhältnismäßig leichte Berührung mit dem Belgier Xavier Vandermeersch. Doch bei dieser „Standardberührung“ am Kurvenausgang verabschiedete sich das letzte Teil meines Abgassystems. Die ungefilterten Abgase strömten nun in den Fahrgastraum, was bei verbleibenden 72 Runden mehr als unangenehm war.

Aufgrund des wachsenden Films auf meinen Augen, was von Runde zu Runde in feuerartiges Brennen überging, konnte ich die letzten 20 Runden nur noch wenig von dem erkennen, was vor und um mich herum so los war. Blöd gesagt, zählte ich die Sekunden, wie lange ich für die Start/Ziel- und Gegengerade brauchte und versuchte dann einen halbwegs sinnvollen Brems- und Einlenkpunkt zu treffen. Dass mir das noch verhältnismäßig gut gelang, belegte ich mit Platz 5. Jean Vasseur fiel wiederum mit Differentialschaden aus und Arthur Lehouck entschied das Finale für sich.

Die Quälerei im Finale lohnte sich durchaus, denn nun bin ich in meiner Rookiesaison aktuell Tabellenführer, mit einem Punkt Vorsprung auf Arthur Lehouck, gefolgt von meinem Teamkollegen Wim Verloo auf Platz 3.

Euer Marcel Berndt