In seiner neusten Kolumne spricht Marcel Berndt über seine Erlebnisse in der australischen Legens-Cars-Meisterschaft 

Liebe Leser,

für mich ging es zum letzten regulären Saisonlauf ins 40 Grad warme Sydney. Am Freitag besuchten wir mit dem gesamten Team zur Entspannung das freie Training der australischen Superbike-Meisterschaft. Das wichtigste war, dass ich in Australien wieder selbst am Steuer meines Legend Cars saß.

Die abendlichen Trainingssitzung verliefen bei schwierigen Streckenbedingungen durchaus vielversprechend, wobei Kilometer sammeln das non plus ultra war und ist. Lauf zwei ging voll in die Hose. Ein katastrophales Setup machte es mir unmöglich, auf Angriff zu fahren. Mit einem massiv untersteuerndem Auto war diesmal nur Gesamtrang zwölf machbar.

Die große Überraschung sollte dann allerdings im vierten Vorlauf kommen. Von Platz vier gestartet, arbeitete ich mich nach einer Runde bereits auf Rang zwei vor. Mit einem traumhaft abgestimmten Auto nutzte ich den Grip der Außenbahn und ging auf Verfolgungsjagd. Nach der kompletten Renndistanz klaffte ein nur etwa eine Sekunde kleines Loch zum Führenden. Mit der schnellsten Rennrunde reihte ich mich in die australischen Geschichtsbücher ein: „Erster deutscher Fahrer fährt schnellste Rennrunde und erklimmt das Podium bei einem australischen Dirt-Oval-Rennen“.

Mit dem massivem Aufschwung ging es nun direkt ins A-Finale. Von Rang zwölf gestartet, hängte ich mich an Glenn Mitchell vor mir dran. Er hatte auf der Außenbahn eine Menge Grip. Im Duett ging es vor bis auf Rang vier und sechs. Um in die greifbaren Top 5 zu gelangen, musste ich am australischen Meister vorbei. Nach einem langen und beinhart geführten Zweikampf, bei dem keiner dem Anderen etwas schenkte, kam es in Turn 3 zu einer Berührung. Es handelte sich hierbei um eine normale Rennsituation, einen normalen Zweikampf, was die Rennleitung jedoch anders sah.

Der australische Meister drehte sich, es kam zu einer Gelbphase, in der ich auf Platz 20 zurück versetzt wurde. Grund hierfür war unfaires Verhalten. Ich denke, der wahre Grund war, dass sich der Rookie erlaubt hat, den amtierenden australischen Meister überholen zu wollen.

Wäre es eine unfaire Aktion gewesen, wäre ich ehrlich genug gewesen, es zuzugeben. Menschen machen Fehler, auch ich. Es war eine normale Rennsituation. Mit viel Frust und dickem Hals ging ich in den Flugmodus und ich schmetterte in vier verbleibenden Runden von Rang 20 auf zwölf vor. Ich beendete das Rennen auf Rang 7 in der Semi-Pro-Wertung.

Abschließend bleibt zu sagen, dass wir von der Schnelligkeit konkurrenzfähig waren. Das hat uns alle sehr überrascht – mich ganz besonders. Mit einer schnellsten Rennrunde und einem Podium aus der ersten Dirt-Saison meiner Karriere hervorzugehen, ist mehr, als wir uns erhofft haben. In einigen Tagen erscheinen die endgültigen Punktetabellen der Bahnmeisterschaft, australische Meisterschaft und INEX-Weltrangliste.

Zum Abschluss der ersten interkontinentalen Saison geht es im April noch einmal zu den National-Finals nach Australien. Bei vollem Feld mit rund 220 Autos erhoffen wir uns natürlich eine kleine Überraschung.

Mit freundlichen Grüßen

Marcel Berndt