Autospeedway

Continental Stock Rods in den Niederlanden: Britisches Reglement bildet Fundament

Stan Libuda

Im Jahr 2020 steht ein ganz besonderes Debüt im Autospeedway-Sport bevor: Am Midland Circuit Lelystad sollen die Continental Stock Rods unter britischem Spedeworth-Reglement an den Start gehen

Plötzlich wird im Uhrzeigersinn gefahren: So sollen die Continental Stock Rods das europäische Festland mit Großbritannien verbinden, denn es wird auch in den Niederlanden eine Klasse geben, die gänzlich nach britischem Reglement fahren wird. Die feste Heimat der Meisterschaft soll der Midland Circuit im niederländischen Lelystad werden.

Die LHD Stock Rods gibt es in Posterholt schon seit vielen Jahren und die Klasse war auch am Raceway Venray auf der alten Bahn lange Zeit Bestandteil des Programms. Die bisher bekannten Fahrzeuge sind aber Linkslenker. Weil auf dem Oval auch gegen den Uhrzeigersinn gefahren wird, hatte es nie einen Austausch mit Großbritannien gegeben.

Credits: Stan Libuda

Es weht ein neuer Wind

Das wird sich mit den Continental Stock Rods ändern, denn in England, Irland und Schottland erfreut sich die Klasse einer großen Beliebtheit, die jetzt auch auf das europäische Festland schwappen soll. Auf der Insel werden die Rennen dieser Klasse im Uhrzeigersinn ausgetragen. Das Lenkrad befindet sich auf der rechten Seite und orientiert sich an den verfügbaren Fahrzeugen für den dortigen Straßenverkehr.

Die Stock Rods basieren auf Serienfahrzeugen, die meist von Vauxhall bzw. Opel stammen. Nach den älteren Typen hat sich mittlerweile der Corsa C als Standard etabliert. Doch wie bei dem Kinomythos „Tage des Donners“ haben diese Serien (Stock) Rods wenig mit einem schwachbrüstigen Straßenwagen zu tun.

Der Wagen wird auf einer Rohkarosserie aufgebaut. Zunächst wird das Chassis verstärkt und mit einem Überrollkäfig versehen. Danach geht es darum, den Wagen leichter zu machen, um unter das zulässige Minimalgewicht von nur 720 Kilogramm zu kommen. Das bietet die Chance, Ballast an einer gewünschten Position zu platzieren.

Credits: Stan Libuda

Beim Fahrwerk gilt es tailormade Stoßdämpfer und Federn einzubauen, um dem Fahrer das Handling zu geben, mit dem er oder sie gewinnen kann. Bei den Motoren kommen entweder der voll getunte C14SE Opel OHC mit 1400 Kubikzentimetern Hubraum aus dem Corsa B oder ein Serienmotor X16XE aus dem Tigra A zum Einsatz.

Der Serienmotor mit 1600 ccm leistet mit einem vom Reglement festgelegten Motorkit ebenso viel Power wie der getunte 1,4-Liter-Motor, also rund 120 Pferdestärken. Der 1400er-Motor ist wahrlich ein echter Rennmotor und kommt trotzdem mit nur einem Vergaser aus.

Enger Wettbewerb erwartet

Die Stock Rods liegen aufgrund des straffen Reglements mit Einheitsreifen von Yokohama in einem kleinen Fenster, was die Performance angeht. Dadurch kämpft oft das halbe Feld um den Titel des Weltmeisters, wenn zum Beispiel im britischen Ipswich die grüne Flagge für 36 Fahrzeuge fällt.

Wie beim Ovalracing üblich, wird auch hier auf der Außenbahn überholt. In großen Rennen trennt sich die Spreu vom Weizen, wenn die Top-Fahrer rundenlang um eine einzelne Position streiten.

Sandy Vogels der Mann der ersten Stunde

Als Mann der ersten Stunde gilt sicher Sandy Vogels aus dem niederländischen Montfort, der hauptberuflich Spezialist für Klimaanlagen ist. Die Rennstrecke von Posterholt liegt nur einen Steinwurf von seinem Haus entfernt.

Sein Handwerk im Motorsport hat er unter anderem gelernt, indem er Max Verstappen in seiner Kartsportzeit als Rennmechaniker begleitete. Des Weiteren wirkte er im Team von Laurens van der Velde (Startnummer 78) in der National Hotrods mit. Außerdem setzte Vogels auch stets Ministox und Stock Rods ein. In einem linksgelenkten Stock Rod erzielte die Tochter von Laurens van der Velde, Beau, große Erfolge in Posterholt.

Leider waren die Piloten mit dem linksgelenkten Stock Rod auf die Teilnahme an Rennen in Posterholt begrenzt. Schon im Jahr 2014 hatte Vogels einen Rechtslenker gebaut, mit dem Beau van der Velde in England hätte starten sollen. Durch Ihren Beruf mit viel Arbeit am Wochenende wurde der Plan jedoch nie Realität.

Kontakt mit Schottin hergestellt

Im vergangenen Jahr entstand ein Kontakt zu der Familie von Shuv-On Martin (Startnummer 25) aus Schottland, die sicher zu den schnellsten Frauen im Oval gehört. Durch diese Kooperation nahm die Continental Stock Rod Fahrt auf, woran natürlich auch der Veranstalter NOV in Lelystad maßgeblich beigetragen hat.

Die Fahrzeuge werden als Rechtslenker streng nach dem Reglement von Spedeworth Motorsports in England aufgebaut und können sowohl in den Niederlanden als auch auf der Insel eingesetzt werden.

Austausch mit Großbritannien sinnvoll

Diese Kooperation ermöglicht große Starterfelder und auch die Teilnahme seitens der Fahrer vom Festland an großen Rennen in Großbritannien. Dazu zählt die Weltmeisterschaft in Ipswich im Juli und natürlich der National-Championship-Titel, der in den Hednesford Hills in der Nähe von Birmingham im August ausgefahren wird.

Im Jahr 2019 gab es bereits mehrere Demorennen der Continental Stock Rods am Midland Circuit Lelystad, die im Jahr 2020 durchstarten wollten. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie ist der Motorsport in den Niederlanden jedoch bis zum 1. September ausgesetzt.

Credits: Stan Libuda

Das Beispiel 2.0 Hotrods

Wie fruchtbar der Austausch mit der Insel sein kann, machen die 2.0 Hotrods vor. Auch diese Klasse wurde 2014 nach Spedeworth-Reglement dem Rennkalender hinzugefügt, um den Austausch zwischen den Niederlanden und Großbritannien zu ermöglichen.

Das Resultat: 2020 waren rund 25 Fahrzeuge aus Deutschland und den Niederlanden eingeschrieben. Bereits 2019 sorgte die Klasse für großartige Rennen. Zum Speedweekend im September in Ter Apel erschienen zusätzlich rund 15 Fahrer von der Insel, die für ein sehr großes Starterfeld sorgten. Gleichermaßen fahren die Teams vom Kontinent auch gerne nach England.

Alle Beteiligten hoffen, dass bald wieder Normalität einkehrt, um die Klasse der Continental Stock Rods auch auf dem Festland sehen zu können. Der Erfolg der 2.0 Hotrods könnte in gleicher Form auch in dieser Klasse Realität werden, weil die Stock Rods in den Niederlanden und in Deutschland sehr beliebt sind. Viele aktuelle Autospeedway-Fahrer haben ihre Karriere in dieser Klasse gestartet.

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Stan Libuda
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