Daniel Suarez gewinnt hochemotionales Coca-Cola 600 in Charlotte

Daniel Suarez gewinnt hochemotionales Coca-Cola 600 in Charlotte
Foto: NASCAR Media / Jonathan Bachman/Getty Images

Daniel Suarez gewann am Sonntag ein wegen Regens verkürztes Rennen auf dem Charlotte Motor Speedway – Im Vordergrund stand das Gedenken an Kyle Busch

Das emotionalste Coca-Cola 600 der Geschichte hat einen Überraschungssieger hervorgebracht: Daniel Suarez triumphierte am Sonntagabend auf dem Charlotte Motor Speedway in einem wegen Regens verkürzten Rennen. Nach 373 der geplanten 400 Runden wurde der geschichtsträchtige Marathon vorzeitig abgebrochen. Der Mexikaner widmete seinen ersten Saisonsieg im Chevrolet mit der Startnummer 7 von Spire Motorsports der am Donnerstag überraschend verstorbenen NASCAR-Legende Kyle Busch.

Die Rennleitung beendete das Event 27 Runden vor Schluss, als sintflutartiger Regen die Strecke unter Wasser setzte. Es war der emotionale Höhepunkt einer ohnehin traurigen Woche für die gesamte NASCAR-Gemeinschaft. NASCAR-Rennchef Elton Sawyer hatte den Fahrern vor dem Start mit auf den Weg gegeben, ein Rennen abzuliefern, auf das der zweimalige Champion Kyle Busch stolz gewesen wäre.

Für Suarez war dieser Triumph von ganz besonderer Bedeutung, da Busch ihm zu Beginn seiner Karriere in den USA als Mentor massiv unterstützt hatte. „Das bedeutet mir wirklich unglaublich viel“, zeigte sich Suarez sichtlich bewegt. „Ich sage seit Jahren, dass dies mein Lieblingsrennen im Kalender ist, weil meine Familie hier ist. Diese Woche war extrem hart. Kyle war ein ganz besonderer Mensch, dieser Sieg ist für ihn und seine Familie.“

Der Schlüssel zum Erfolg lag in einer riskanten Strategie von Crew-Chief Ryan Sparks während einer Gelbphase wegen Blitzen in der Nähe der Strecke in Runde 356. Suarez ließ nur zwei neue Reifen auf der rechten Seite aufziehen und machte in der Boxengasse sage und schreibe 13 Positionen gut. Beim anschließenden Restart übernahm er die Führung und verteidigte diese vehement gegen die heranstürmende Konkurrenz.

Christopher Bell, der vor zwei Jahren ein ebenfalls vom Regen verkürztes Coca-Cola 600 gewonnen hatte, musste sich diesmal mit dem zweiten Platz begütigen. Ein starker Push von Kyle Larson half Suarez dabei, sich direkt nach dem finalen Restart auf der Innenbahn gegen Bells Toyota durchzusetzen. „Sobald er an mir vorbei war, wusste ich, dass ein Überholmanöver bei diesem kurzen Sprint verdammt schwer werden würde“, gab Bell im Ziel fair zu Protokoll. „Er hat einen verdammt guten Job beim Blocken gemacht und das Ding gewonnen.“

Hinter Suarez und Bell komplettierten Denny Hamlin, Pole-Setter Tyler Reddick und Kyle Larson die Top 5 eines extrem turbulenten Rennens. Reddick war mit 119 Führungsrunden eigentlich der dominante Mann des Abends, verpasste den Sieg jedoch durch das Wetterchaos. Insgesamt gab es auf dem 1,5-Meilen-Oval 32 Führungswechsel zwischen 13 verschiedenen Piloten und zwölf Gelbphasen, die das Feld immer wieder zusammenführten.

Auch abseits des Wetters bot der längste Lauf des Jahres reichlich Drama auf dem Asphalt. So erlebte Hendrick-Motorsports-Pilot Chase Elliott ein Debakel, als er seinen Chevrolet bereits in Runde 90 in die Mauer setzte und das Rennen vorzeitig beenden musste. „Ich habe einfach einen Fehler gemacht, mich gedreht und die Wand getroffen“, zeigte sich Elliott selbstkritisch. „Es war ein schreckliches Rennen für mich, ich bin hier in meiner Karriere einfach schon zu oft gecrasht.“

Lange Zeit sah es nach einer absoluten Machtdemonstration der Toyota-Fraktion aus, die phasenweise die Segmente zwei und drei nach Belieben dominierte. Ein heftiger Crash in Runde 318 riss jedoch unter anderem Chase Briscoe und Ryan Preece aus dem Rennen und wirbelte das Klassement durcheinander. Ty Gibbs wurde Sechster, gefolgt von den Ford-Piloten Ryan Blaney und Joey Logano.

Ein echtes Mammutprogramm spulte unterdessen Katherine Legge ab, die den legendären Doppelstart aus Indianapolis 500 und Coca-Cola 600 absolvierte. Nach einem frühen Unfall in Indy reiste sie rechtzeitig nach Charlotte, kämpfte sich durch die 600 Meilen und kam mit zwölf Runden Rückstand auf dem 31. Platz ins Ziel. In der Meisterschaft baut Reddick seine Führung nach dem packenden Spektakel in North Carolina auf 122 Punkte vor Denny Hamlin aus.

Foto: NASCAR Media / Jonathan Bachman/Getty Images

Das Rennen war bereits vor dem Startschuss von tiefer Trauer geprägt, als Buschs Witwe Samantha mit den gemeinsamen Kindern Brexton und Lennix die Rennstrecke betrat. NASCAR-Chef Steve O’Donnell versicherte der Familie auf der Start-Ziel-Linie, dass sie für immer ein fester Bestandteil der Rennsport-Familie bleiben werden. Wo traditionell am Memorial-Day-Wochenende den gefallenen Soldaten gedacht wird, stand dieses Mal auch das Gedenken an die Startnummern 18 und 8 im Vordergrund.

Dir hat dieser Artikel gefallen? Journalismus auf Leadlap.de ist und bleibt dauerhaft werbefrei und für alle ohne Bezahlschranke kostenlos. Damit ich dieses Projekt auch in Zukunft unabhängig und in dieser Tiefe betreiben kann, freue ich mich über deine freiwillige Unterstützung. Jeder Beitrag hilft direkt dabei, die Qualität und Vielfalt meiner Berichterstattung zu sichern.

Jetzt Leadlap.de und André Wiegold unterstützen via PayPal

(Hinweis: Freiwilliger Beitrag zur Förderung journalistischer Inhalte, inkl. USt., keine steuerlich absetzbare Spende.)

Autor(en)

Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.